Einen Plot schreiben – so klappt es!

Einen Plot schreiben bedeutet, deiner Geschichte einen roten Faden verleihen. Manche Autoren lieben das Plotten. Andere stehen damit auf Kriegsfuß und würden am liebsten einfach drauflos schreiben. Doch kaum einer kommt ganz drum herum.

Ein guter Plot hilft dir auf mehrfache Weise:

  • Noch vor dem Erstentwurf entwickelst du den roten Faden deiner Geschichte und sorgst für eine überzeugende Spannungskurve.
  • Während des Schreibens dient er dir dazu, nicht die Orientierung zu verlieren. Auch für viele entdeckende Autoren wird er hier zum nützlichen Werkzeug.
  • Wenn du deinen Roman schließlich geschrieben hast und es ans Überarbeiten geht, unterstützt er dich dabei, deine Story zu schärfen und ihr den letzten Schliff zu verleihen.
  • Nicht zuletzt benötigst du ihn, um dich erfolgreich bei einer Literaturagentur oder einem Verlag zu bewerben.

Einen Plot schreiben – auf die ein oder andere Weise ist dies für die meisten Autoren wichtig.

Wie gehst du dabei am besten vor?

Klarheit über die Basis deiner Geschichte

PLING – Aufzugtüre öffnet sich, zwei Personen steigen ein. Aufzugtüre schließt. Aufzug fährt los.

Potentieller Verleger: “Worum geht es in Ihrem Buch?”

Autor: “Hmm … Das ist kompliziert.”

Aufzug hält an. PLING – Aufzugtüre öffnet sich, zwei Personen steigen aus.

Glaubst du, diese Begegnung bildet den Beginn deiner großen Karriere als Autor?

Wohl kaum.

Die absolute Basis für dein Romanschreiben und auch für’s Plotten: der Kern deiner Geschichte!

Die Grundbestandteile deiner Geschichten

Nicht jeder Text erzählt automatisch eine Geschichte. Wenn du lediglich eine Landschaft beschreibst, die Gefühlsregungen einer bestimmten Figur oder deren Gedanken zu Gott und der Welt äußerst, hast du noch längst keine Story.

Was aber macht eine solche eigentlich aus?

Du benötigst einen Konflikt. Denn ohne Konflikt keine Handlung. Wenn deine Figur einfach nur einkaufen geht, tut sie etwas, sie handelt jedoch noch nicht.

Folgende Ausgangssituation wäre schon besser:

Die unterbezahlte Übersetzerin Alma van Stuck hat riesigen Hunger, da sie zwei Tage und Nächte durchgearbeitet hat und der Kühlschrank leer ist. Nun möchte sie zum Supermarkt gehen und sich für ihr erfolgreich beendetes Projekt mit einer riesengroßen, leckeren Familienpizza belohnen (die mit den teuflisch scharfen Peperoni und extra viel Käse, du weißt schon). Doch auf dem Weg wird sie von Jugendlichen überfallen, die ihr den Geldbeutel klauen. Daraufhin …

Hier haben wir nun das Samenkorn einer möglichen Geschichte. Alma van Stuck hat immer noch Hunger. Also muss sie sich etwas einfallen lassen und handeln.

Was also sind die wichtigsten Elemente deiner Story?

Du brauchst eine Figur. Diese Figur hat mindestens ein großes Ziel. Beim Versuch, dieses Ziel zu erreichen, begegnet sie Hindernissen und versucht, diese zu überwinden.

Zusammengenommen hast du nun also das, was du unbedingt brauchst: einen Konflikt.

Deine Figuren und ihre Entwicklung

Die Ziele deiner Figur können äußerlich oder innerlich sein. Meist findet sich in einem Roman nicht bloß ein Ziel vor, sondern jede Menge davon. Wichtig ist jedoch, dass du diese hierarchisierst. Was sind die ein bis zwei großen Ziele, was sind deren Unterziele?

Dass deine Figur klare Hauptziele hat, bedeutet nicht, dass ihr diese in jedem Moment bewusst sind. Insbesondere innere Ziele bringen häufig das Entwicklungspotential deiner Figur auf den Punkt. Erst muss sie sich eingestehen, wo ihre Baustellen liegen. Nur dann kann sie auch erkennen, wo sie eigentlich hin will.

Äußere und innere Ziele sind in Romanen häufig miteinander verknüpft. Die Figur macht eine Entwicklung durch und ist am Ende nicht mehr die gleiche wie zu Beginn. Erst durch diesen Prozess der Reifung ist sie zu bestimmten Taten in der Lage.

Auf unsere Übersetzerin Alma van Stuck bezogen könnte das so aussehen:

Die Gute ist schrecklich ängstlich, da sie meist mit Buchstaben zu tun hat, selten jedoch mit echten Menschen. Doch der Diebstahl ihres Geldbeutels regt sie mächtig auf, da sie so hart dafür gearbeitet hat, sich die Pizza leisten zu können. Dies verleiht ihr die Kraft, die Verfolgung aufzunehmen. Durch die Konfrontation mit den Jugendlichen wird sie mit ihren inneren Dämonen konfrontiert: den Selbstzweifeln, ob sie überhaupt etwas wert ist. (…)

Diese kleine Idee taugt vermutlich nicht für einen ganzen Roman. Doch sie illustriert, wie äußere Impulse zu inneren Entwicklungsschritten führen und diese wiederum Kräfte für neue Handlungsweisen freisetzen.

Story und Plot

In der Literaturwissenschaft gibt es eine ganze Reihe an Begriffspaaren, die auf die grundlegende Unterscheidung von zwei Ebenen aufmerksam machen:

  • Es gibt die Ereignisse deiner Geschichte: das Was
  • sowie die Erzählweise deiner Geschichte: das Wie.

Mal wird von Fabel und Sujet gesprochen, mal von “histoire” und “discours”, mal von Story und Plot. Die Begriffspaare sind jeweils in komplexe theoretische Überlegungen eingebettet und lassen sich nicht beliebig miteinander austauschen. Diese Feinheiten brauchen uns hier jedoch nicht weiter zu interessieren.

Entscheidend ist lediglich: Was in der realen oder der fiktionalen Welt geschieht und was du auf welche Weise erzählst, sind zwei paar Schuhe!

Wenn davon die Rede ist, einen Plot zu schreiben, ist damit meist die Storyentwicklung gemeint. Die lineare Abfolge der Ereignisse muss sich jedoch nicht so in deinem Roman wiederfinden. Zeitsprünge, das Vorenthalten von Informationen, unterschiedliche Blickwinkel durch eingeschränkte Erzählperspektiven und damit unzuverlässiges Erzählen sind auch im Unterhaltungsroman zum essentiellen Handwerkszeug des Autors geworden.

Die Unterscheidung zwischen Story und Plot sollten wir entsprechend im Folgenden immer im Hinterkopf behalten.

Die Geschichte ist die eine Sache. Wie genau du sie erzählst eine andere.

Viele Romane werden nicht allein durch ihre Story, sondern erst durch ihre Erzählweise zu dem, was sie ausmacht.

Wichtige Plotmodelle

Plotmodelle sind nicht alles. Versuche sie nicht stumpf mit Leben zu füllen oder als feste Vorgaben zu begreifen.

Sieh sie lieber als Hilfestellung, als Orientierung, als flexibles Muster. Dann kannst du sie auf deine Weise fruchtbar machen und dein Projekt mit ihrer Hilfe weiterentwickeln.

Die Drei-Akt-Struktur

Der erste Akt

Hier führst du deine Figuren und den Grundkonflikt ein. Ein auslösendes Ereignis bringt deine Geschichte in Gang. Alles, was davor geschieht, ist die Vorgeschichte, der Hintergrund deiner Figuren.

Beim 1. Wendepunkt entscheidet sich deine Figur, für das Erreichen ihrer Ziele zu kämpfen. Sie begibt sich aus ihrer Komfortzone. Dieser Wendepunkt bildet den Übergang zum zweiten Akt.

Der zweite Akt

Nun trifft die Figur auf Hindernisse, erleidet erste Erfolge und Rückschläge, trifft auf Feinde und Freunde. In der Mitte des zweiten Aktes sowie des ganzen Romans steht der Mittelpunkt. Diesem kommt eine ausgezeichnete Rolle zu.

Entscheidend ist nun, dass sich die Story nicht totläuft. Dass etwas Neues, Überraschendes passiert. Zugleich sollte dieser Aspekt nicht aus der Luft gegriffen sein, sondern sich plausibel aus den bisherigen Geschehnissen ergeben.

Häufig wird hier die Fallhöhe erhöht. Es geht nun um noch viel mehr als bisher. Zum äußeren Ziel kommt entsprechend ein inneres Ziel hinzu oder die Dinge, die auf dem Spiel stehen, tangieren die Figur weitaus stärker als bisher.

Der Mittelpunkt markiert meist ein Hoch oder ein Tief der Geschichte. Die Figur hat ihr Ziel also scheinbar erreicht, doch dieser vermeintliche Sieg stellt sich in der Folge als Beginn einer Niederlage heraus. Oder die Figur scheint gescheitert, liegt am Boden, dabei zeigt sich im Weiteren, dass in diesem Scheitern großartige Möglichkeiten stecken.

Der dritte Akt

Die Verbindung zwischen zweitem und drittem Akt markiert der zweite Wendepunkte. In diesem wird der Mittelpunkt häufig gespiegelt. Lag dort entsprechend ein scheinbarer Sieg vor, findet sich hier die scheinbar endgültige Niederlage und umgekehrt.

Aus dem zweiten Wendepunkt ergibt sich die letzte Steigerung deiner Geschichte, die zu ihrem Höhepunkt führt. Hier entscheidet sich final, ob dein Held siegreich sein oder untergehen wird. Der zweite Wendepunkt ist häufig für die Entwicklung deiner Figur von besonders großer Bedeutung. Die hier gemachten Erfahrungen geben ihr die Möglichkeiten an die Hand, ihren Gegner am Höhepunkt der Geschichte zu besiegen.

Die Heldenreise

Die Heldenreise ist kein Konkurenzmodell zur 3-Akt-Struktur. Vielmehr lassen sich die bereits beschriebenen Wendepunkte als Grundstruktur verstehen, welche durch die Stationen der Heldenreise mit Leben gefüllt wird.

Die Heldenreise ist eine archetypische Grundstruktur von Geschichten und geht auf die

Forschungen von Joseph Campbell (Der Heros in tausend Gestalteni) zurück. Später hatte dieses Erzählmuster – vor allem durch Christopher Vogler Buch The Writer’s Journey (Die Odyssee des

Drehbuchschreibers)ii – großen Einfluss auf die Dramaturgie von Hollywoodfilmen.

I. Akt

  • 1. Die gewohnte Welt: Der Held führt sein übliches Leben, das von einem gewissen Mangel geprägt ist.
  • 2. Ruf zum Abenteuer: Ein Ereignis oder eine Botschaft von außen machen den Helden auf seine Aufgabe aufmerksam.
  • 3. Die Weigerung: Statt die Herausforderung anzunehmen, verharrt der Held in seiner gewohnten Umgebung, denn das ist einfacher als sich ins Unbekannte zu begeben.
  • 4. Der Mentor: Durch eine häufig übersinnliche Begegnung erkennt der Held, dass er in der Verantwortung steht.

II. Akt

  • 5. Überschreiten der Schwelle: Der Held nimmt die Herausforderung an und begibt sich auf die Reise zu seinem Ziel.
  • 6. Freunde, Feinde, Probleme: Unterwegs findet der Held Unterstützer und begegnet Herausforderungen, hierbei erwirbt er wichtige Fähigkeiten.
  • 7. Vordringen in die tiefste Höhle: Die bisherigen Prüfungen gipfeln darin, dass der Held die tiefste Höhle, also den unheimlichsten, gefährlichsten Ort betritt.
  • 8. Entscheidungskampf: Dies ist die entscheidende Bewährungsprobe für den Helden, der sich seinen schlimmsten Dämonen stellen muss.
  • 9. Belohnung und Erkenntnis: Durch die Auseinandersetzung mit dem entscheidenden Gegner, der auch durchaus ein Innerer sein kann, erfährt der Held eine Weisheit oder erhält eine für ihn wichtige Belohnung.

III. Akt

  • 10. Rückkehr: Der Held begibt sich, durch seine Erfahrungen gereift, zurück in seine Welt.
  • 11. Finaler Kampf: Eine letzte Herausforderung, für welche er seine Erkenntnis benötigt, stellt sich dem Helden in den Weg.
  • 12. Weiterleben auf einer neuen Stufe: Der Held ist gereift und hat sich weiterentwickelt, woraus sich neue Herausforderungen für ein nächstes Abenteuer ergeben.

Beispiele für die Heldenreise sind zahlreiche Hollywoodfilme, wie z.B. bei Harry Potter, Matrix oder Krieg der Sterne.

Du kannst mit diesem Modell besonders flexibel umgehen. Die Heldenreise lässt sich prinzipiell beliebig ausdehnen oder auch kürzer gestalten.

Besonders geeignet ist dieses Plotmodell, wenn du Fantasyromane, Entwicklungsromane oder psychologische Krimis planst. Immer dann, wenn dein Held eine Entwicklung durchmacht und seinen Herausforderungen reift, lohnt es sich, dieses Modell zu Rate zu ziehen.

Vom Modell zur Intuition

Plotstrukturen sind beim Romanschreiben zugleich die wirkungsvollste Medizin wie auch das tückischste Gift (siehe auch: Gift beim Romanschreiben). Es kommt darauf an, wie du mit ihnen umgehst.

Richtig angewendet ist ihr Nutzen für dein Kreatives Schreiben nicht zu unterschätzen. Entscheidend ist, dass du begreifst, wo genau ihre Kraft liegt: Sie verdeutlichen die Struktur guter Geschichten, sollten jedoch keinesfalls als starre Muster missverstanden werden. Verinnerlichst du diese Umgangsweise, werden sie zum absoluten Gamechanger:

  • Dir wird immer klarer, worum es in deiner Geschichte gehen soll.
  • Deine Geschichte wird zur stetigen Motivationsquelle deines Schreibens.
  • Du weißt, wo du ansetzen musst, wenn es an der Spannung hapert.
  • Deine Romane durchzieht am Ende ein unsichtbares, magisches Band.
  • Deine Story fesselt die Leser.

Nimmst du die Plotstrukturen jedoch als Matrix, die du nur noch mit deinen Inhalten zu füllen brauchst, verwandeln sie sich in ein Gift. Dann betreibst du Malen nach Zahlen und es geht dir beim Schreiben wie folgt:

  • Deine Figuren bleiben schablonenhaft.
  • Die Wendungen deiner Geschichte wirken konstruiert.
  • Obwohl du doch eigentlich alles richtig machst, bist du nicht so recht von deinem Projekt überzeugt.
  • Dein Roman kommt am Ende ziemlich gewöhnlich daher.
  • Potentielle Leser gähnen müde und winken ab.

Wo liegt der entscheidende Kipppunkt? Wann verwandelt sich die Medizin in ein Gift?

Wie immer ist die Dosis entscheidend!

In diesem Fall heißt das: Du solltest die von dir präferierte Plotstruktur nicht zum Dogma erklären. Versuche nicht, auf Teufel komm raus jeden der Wendepunkte mit Inhalt zu füllen. Versuche lieber, deine Figuren besser kennenzulernen und ihre Motivation zu verstehen.

Im optimalen Fall beginnt sich deine Story so von selbst zu entwickeln. Setz dich intensiv mit Plotstrukturen auseinander und versuche dann, sie intuitiv in deine Geschichte einfließen zu lassen. Begreife sie als Schreibwerkzeug und nicht als Doktrin.

Wie du dies konkret beim Romanschreiben umsetzt, erfährst du im Folgenden!

Wichtiges Handwerkszeug beim Plotschreiben

Du kennst nun die wichtigsten Plotstrukturen und weißt, dass du sie flexibel nutzen solltest. So werden dir die Prinzipien, die ihnen zu Grunde liegen, nach und nach in Fleisch und Blut übergehen.

Doch was heißt das konkret? Welche Methoden ergeben sich daraus für dein Romanschreiben?

Hier kommen drei wertvolle Impulse.

Dein Plot aus unterschiedlichen Perspektiven

Jede deiner Romanfiguren bringt ihre eigene Geschichte mit. Zumindest solltest du dies so sehen, um deine Story möglichst lebendig werden zu lassen.

Schreib deinen Plot nicht nur einmal und vor allem schreib nicht nur einen. Schreib eine kurze Zusammenfassung deiner Geschichte aus der Perspektive aller wichtigen Charaktere. Wechsel hierbei zwischen den unterschiedlichen Figuren hin und her und entwickle deine Story so nach und nach weiter.

Stück für Stück gewinnt deine Geschichte so an Vielschichtigkeit und Plausibilität. Nach und nach werden dir die Zusammenhänge bewusst und Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Texten entstehen. Wunder dich nicht, wenn erst einmal vieles nicht zusammenpasst. Mit der Zeit formt sich deine Story auf diese Weise immer klarer heraus.

Einen Szenenplan schreiben

Dein Plot gleicht einem Blick auf deinen Roman aus der Vogelperspektive. Du skizzierst die wichtigsten Wendepunkte deiner Geschichte, ihre entscheidenden Hochs und Tiefs sowie die groben Linien dazwischen.

Damit bist du relativ weit weg von dem Empfinden deiner Figuren. Selbst, wenn du den Plot aus unterschiedlichen Perspektiven schreibst, bleibt das Ganze relativ abstrakt.

Das Erstellen eines Szenenplans hilft dir dabei, deine Story lebendiger werden zu lassen.

Bei dieser Methode scheiden sich die Schreibgeister. Für viele fühlt es sich zu sehr nach Reißbrett an, vor dem eigentlichen Schreiben detaillierte Szenen auszuarbeiten. Andere schwören darauf, so die Spannungskurve im Detail entwickeln zu können.

Wichtig ist es in jedem Fall, das Schreiben eines Szenenplans als Werkzeug zu verstehen, um deine Romanhandlung zu entwickeln.

Nichts ist in Stein gemeißelt.

Keiner zwingt dich dazu, das Ganze am Ende tatsächlich genau so zu schreiben.

Verstehst du das Verfassen eines Szenenplans als Teil der Storyentwicklung, bildet es eine hilfreiche Ergänzung zum Plotschreiben.

Wechsel zwischen unterschiedlichen Texttypen

Das Entwickeln einer Geschichte verläuft selten gradlinig. Ein scheinbar genialer Einfall führt nirgendwo hin, eine eher mittelmäßige Story nimmt plötzlich Fahrt auf, dein Konzept gerät ins Stocken, dann läuft es wieder rund und ebenso andersherum.

Entscheidend ist, dass du am Ball bleibst. Lass dich nicht von Durststrecken einschüchtern, sondern bleib dran!

Verknoten sich die Handlungsfäden in deinem Kopf zu einem scheinbar unlösbaren Knoten?

Dann variiere deine Herangehensweise.

Wechsel dazu zwischen unterschiedlichen Texttypen hin und her. Schreib alle möglichen Texte, die mit deiner Romanhandlung zusammenhängen, variiere zwischen Tagebucheinträgen und Szenenplänen, deinem Plot aus verschiedenen Perspektiven, inneren Monologen und Klappentexten. Versuch im Schreibfluss zu bleiben und kehre immer wieder zu deinem eigentlichen Romanplot zurück. Mach dies so lange, bis sich deine Story rund anfühlt.

Einen Plot schreiben – muss das wirklich sein?

Einen Roman schreiben – das beinhaltet viele Aspekte:

  • Eine Romanidee finden
  • Recherchieren
  • Romanfiguren entwerfen und diese ausarbeiten
  • eine Story entwickeln
  • einen Plot schreiben
  • das eigentliche Schreiben deines Erstentwurfs
  • die Überarbeitung.

Und das hier ist nur ein grober Überblick, es gibt noch weitere Punkte.

Kaum jemand liebt all diese Bestandteile gleichermaßen. Und doch machen sie alle zusammen den besonderen Reiz des Romanschreibens aus.

Gerade das Plotschreiben ist vielen Autoren zuwider, während andere darauf schwören.

Ist es ein unerlässlicher Teil des Romanschreibens? Oder kannst du auch darauf verzichten?

Welcher Schreibtyp bist du?

Es gibt nicht die eine Art und Weise Romane zu schreiben. Vielmehr gibt es dabei so viele verschiedene Herangehensweisen wie Autoren. Du kannst gar nicht lernen, wie man “richtig” Romane schreibt. Sehr wohl jedoch, wie du es auf deine eigene und damit für dich richtige Weise betreibst.

Manche entwickeln ihre Story vor dem eigentlichen Schreiben bis ins kleinste Detail. Andere lieben es entdeckend zu schreiben, ohne selbst zu wissen, wo die Reise ihrer Figuren eigentlich hingehen soll. Doch bei den allermeisten Autoren liegt irgendeine Zwischenform vor.

Ob du eher der entdeckende Autor oder eher der Planer bist, findest du raus, indem du beides ausprobierst.

Versuch, deine ganz eigene Mischung zu finden. Und bleib offen dafür, dass dies nicht für alle Zeiten feststeht.

Wiederhole und etabliere die Strategien, die für dich funktionieren. Doch probier auch immer wieder Neues aus.

Was für ein Buch möchtest du schreiben?

Nicht für jedes Romanprojekt ist eine detaillierte Planung vor dem eigentlichen Schreiben im selben Maß wichtig. Tendenziell ist für den Bereich der Genreliteratur, also etwa bei Krimis, Liebes- oder Fantasyromanen, das Plotten üblicher als in der so genannten E-Literatur. Es hängt jedoch vor allem vom jeweiligen Projekt ab, welchen Stellenwert die Plotentwicklung, losgelöst vom eigentlichen Schreiben, für dich hat.

Die auf den ersten Blick einleuchtende Tendenz, dass komplexe Handlungsstrukturen besonders viel Vorausplanung benötigen, stimmt nur bedingt. Besonders raffinierte Zusammenhänge ergeben sich häufig intuitiv, während des Schreibens. Ein stimmiger Plot ohne Logikfehler kann auch und vor allem durch eine sorgfältige Überarbeitung entstehen.

Entscheide bei jedem Buch neu, wie viel Vorausplanung du benötigst. Nutze deine bisherigen Erfahrungen, doch erkenne auch die Besonderheit jedes einzelnen Projekts. Entwickle ein Gespür dafür, wie du am besten vorgehst, um jeweils deinen besten Roman zu schreiben.

Deine Art und Weise des Plottens

Muss Plotentwicklung also unbedingt sein?

Die Antwort lautet: Ja, aber …

  • diese vollzieht sich auf jeweils unterschiedliche Weise und hängt von deiner Autorenpersönlichkeit sowie deinem konkreten Romanprojekt ab.
  • das heißt nicht, dass du deinen Plot unbedingt vor dem eigentlichen Schreiben ausformulierst.
  • diese findet während des gesamten Romanschreibens von der ersten Ideenfindung bis zum letzten Feinschliff bei der Überarbeitung statt.
  • manchmal vollzieht sie sich bloß im Kopf.
  • das schließt keinesfalls aus, dass du dich als eher entdeckenden Autor begreifst.

Wie du die Plotentwicklung während des Schreibens gestaltest, ohne auf die Magie guten Storytellings zu verzichten, erfährst du im Folgenden!

Plotentwicklung während des Schreibens

Du möchtest deine Romanhandlung nicht vor dem eigentlichen Schreiben im Detail ausarbeiten, sondern lieber drauflos schreiben? Dafür gibt es gute Gründe:

  • Vielleicht möchtest du die spannende Erfahrung entdeckenden Schreibens in Gänze auskosten.
  • Eventuell fühlst du dich eingeengt, wenn du schon zu Beginn weißt, was in deinem Roman wann und wo passieren soll.
  • Oder du siehst dich schlichtweg nicht in der Lage, jenseits vom eigentlichen Schreibfluss, also quasi auf dem Trockenen, herauszufinden, was deine Figuren bewegt.

Sei dir unbedingt dessen bewusst, dass dieser Weg – so reizvoll er sein mag – mit beträchtlichen Gefahren verbunden ist. Du kannst dich verzetteln, verlieren und hast am Ende vielleicht einen dicken Stapel Papier voll widersprüchlicher Handlungsfäden vorliegen, aber noch lange keinen Erstentwurf deines Romans.

Damit dies nicht passiert, stelle ich dir hier drei Schreibmethoden vor. Mit ihnen sollte es dir gelingen, das entdeckende Schreiben zu praktizieren, und dabei nicht auf einen roten Faden verzichten zu müssen.

Minimale Plotentwicklung

Beschränke dich bei der Plotentwicklung auf ein absolutes Minimum. So legst du zwar die wichtigsten Ziele, Hindernisse und Wendepunkte fest, lässt jedoch offen, was dazwischen alles geschieht.

Überlege dir auf jeden Fall, welches Ereignis die Romanhandlung auslöst, welches das wichtigste Ziel deiner Hauptfigur ist und welche Hindernisse ihr im Wege stehen könnten. Damit kannst du bereits loslegen. Benötigst du noch etwas mehr Orientierung, kannst du dir bereits erste Gedanken über die Wendepunkte machen.

Figurenbasiertes Schreiben

Bei dieser Herangehensweise denkst du weniger in einer großen Geschichte, sondern hast eine Reihe an Figuren, die etwas verbindet. Dies kann ein Thema oder ein Ereignis sein, sie können zu einer Familie gehören oder einen Freundeskreis bilden. Vielleicht wurden sie auch vom Schicksal zusammengeführt, indem sie in eine Schulklasse gehen oder zusammen in einem defekten Fahrstuhl stecken.

Nun schreibst du aus der Sicht der einzelnen Figuren drauflos. Am besten ist es, wenn dir zumindest vage gewisse Zusammenhänge vorschweben, ansonsten kannst du dich jedoch ganz aufs entdeckende Schreiben konzentrieren. Wechsle zwischen den Charakteren und beobachte, welche Verbindungen, Konflikte und Beziehungen zwischen ihnen entstehen. Nach und nach formt sich so beim Schreiben deine Romanhandlung heraus.

Die große Chance bei dieser Vorgehensweise besteht darin, einen wirklich vielschichtigen Roman zu Papier zu bringen. Das Ineinander der einzelnen Schicksale kann so ganz spielerisch entstehen und raffinierte Wechselbeziehungen und Verkettungen ergeben sich. Diese Komplexität würdest du durch intensive Vorausplanung wohl niemals hinbekommen.

Doch eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Gefahr, dich zu verzetteln, ist immens. Und du schreibst mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit viele Seiten mehr, als am Ende tatsächlich deinen überarbeiteten Romantext ergeben.

Wechsel zwischen Schreib- und Planungsebene

Wenn Autoren beim Thema Plotten Bauchschmerzen bekommen, glauben sie meist, sie legten sich durch das Plotschreiben auf etwas fest. Dadurch wirkt es wie das Gegenteil vom entdeckenden Schreiben. Doch das muss nicht so sein.

Das Hin- und Herwechseln zwischen Schreibfluss und Planungsebene ist vielmehr eine großartige Methode, um entdeckendes Schreiben möglich zu machen.

Deine Skizze zu Ausgangs- und Wendepunkten ist nicht in Stein gemeißelt. Begreife den roten Faden deines Romans als etwas lebendiges, das noch im Entstehen ist. Um dein entdeckendes Schreiben nicht zu beeinträchtigen, kannst du deine Story nach Belieben verändern und weiterentwickeln. So passt du sie jeweils den Erfahrungen und Erkenntnissen auf deiner Schreibreise an.

Damit fühlt sich dein Plot nicht länger an wie ein Korsett an. Planung und Schreiben befruchten sich gegenseitig. Das Plotschreiben findet nicht mehr vor dem eigentlichen Schreiben statt, sondern begleitet dieses kontinuierlich.

Dein Gespür für gute Geschichten

Willst du inspirierende Storys entwickeln und einen fesselnden Plot schreiben, so musst du lernen, wie man gute Geschichten erzählt. Dies ist keine Herausforderung, die du jemals in Gänze gelöst haben wirst. Vielmehr solltest du dein Gespür für gute Geschichten ein Schriftstellerleben lang fördern.

Wie das gelingt?

In Geschichten leben

Plotte nicht nur, wenn du gerade vorhast, einen Roman zu schreiben.

Plotte lieber kontinuierlich, in deinem Kopf. Denk dir Geschichten aus. Fabuliere im Alltag herum.

Frage dich beim Filmschauen, welches Ziel die Hauptfigur eigentlich verfolgt und woraus die größten Hindernisse bestehen. Macht sie eine Entwicklung durch? Welche inneren Ziele hat sie dafür gemeistert?

Lies auch die Romane anderer Autoren. Vertiefe dich in ihre Bücher. Und analysiere schließlich die Story, den Plotaufbau und die Erzählweise.

Geschichtenerzähler werden

Der Aufbau fesselnder Geschichten ist nicht beliebig. Ihnen zu Grunde liegen jahrtausendealte Strukturen des Storytellings sowie aktuelle Innovationen guten Erzählens. Indem du dich immer wieder intensiv damit beschäftigst, wirst du kontinuierlich besser darin, überzeugende, spannende Storys zu generieren.

Nach und nach sollten dir die Prinzipien guter Geschichten auf diese Weise in Fleisch und Blut übergehen. Du kannst also gar nicht verhindern, dass du besser im Plotschreiben wirst.

Kombiniere all dein Wissen, all deine Erkenntnisse schließlich mit deiner Intuition.

Lass auch mal los. Mach dich frei. Vertraue auf dein Gespür. So entstehen häufig die besten Geschichten.

i Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten, insel taschenbuch, 1999

ii Christopher Vogler: Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker: Mythologische Grundmuster für Schriftsteller, Autorenhaus Verlag, 2018

Welche Erfahrungen hast du mit dem Plotschreiben gemacht?

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