Mehr Zeit zum Schreiben? So geht es richtig!

Wenn du gerne schreibst, davon allein jedoch nicht leben kannst, hast du ein Problem. Wann sollst du neben der Arbeit, neben deinem Privatleben und neben den Zeiten zum Entspannen bitte auch noch schreiben?

Natürlich, es lassen sich gewisse Routinen entwickeln, die dabei helfen, das Schreiben in den Alltag zu integrieren: feste Schreibzeiten, Techniken zur Überwindung von Schreibblockaden und die Formulierung wohlgeformter Ziele. Das alles ist eine wertvolle Unterstützung auf dem Weg zum eigenen Buch.

Das Problem

Doch sein wir mal ehrlich: Bleibt nicht trotz all dieser Möglichkeiten das Problem bestehen, insgesamt zu wenig Zeit zu haben? Wäre es nicht großartig, wenn wir die Macht hätten, ein wenig mehr Zeit zu bekommen? Nun, wir haben diese Macht. Wir müssen nur wissen, wie wir sie nutzen.

Eine geniale Idee für mehr Zeit

Die Idee ist so simpel wie verlockend: je weniger Zeit du mit dem Schlafen verbringst, um so mehr Zeit hast du für die Dinge im Leben, die dir wirklich wichtig sind. Wäre es nicht genial, wenn der Sandmann ein bisschen später erschiene? Wäre es nicht möglich, den Wecker ein bisschen früher zu stellen?

Sagen wir, du schläfst statt acht Stunden jeden Tag nur siebeneinhalb. Rechne einmal 30 Minuten hoch auf ein Jahr, das macht 183 Stunden. Also mehr als eine Woche mehr, nur für dein Schreiben. Und wenn du es sogar hinbekommen solltest, nur sieben Stunden zu schlafen statt acht, hast du im Jahr zwei volle Wochen gewonnen. Stell dir das einmal vor: zwei Wochen, die allein für deine Entwicklung als Autor reserviert sind, frei von allen Jobverpflichtungen, Haushalt, Freundeskreis und Familie und der Notwendigkeit zu schlafen. Da geht doch was!

Schlaf als kulturelles Phänomen

Um herauszufinden, ob das wirklich eine gute Idee ist, betrachten wir das Thema Schlaf ein wenig genauer. Jeder Mensch hat ein unterschiedlich großes Bedürfnis an Schlaf. Die meisten benötigen zwischen sechs und neun Stunden, es gibt jedoch auch Menschen, die mit weniger auskommen.

Eine interessante Betrachtungsweise des menschlichen Schlafs ergibt sich, wenn man diesen als kulturelles Phänomen begreift. In den modernen Industriegesellschaften sind es die Menschen gewohnt, nur einmal am Tag zu schlafen. Der Schlafrhythmus unterliegt so dem Arbeitsrhythmus, es hat sich als „normal“ etabliert, das eigene Schlafbedürfnis am Stück zu befriedigen. Vor der industriellen Revolution waren jedoch flexiblere Schlafgewohnheiten durchaus üblich. Die Jahreszeiten oder die landwirtschaftlichen Notwendigkeiten bestimmten die Schlafgewohnheiten, der Nachtschlaf wurde häufig durch das ein oder andere Nickerchen am Tag ergänzt. Auch ein Blick in andere aktuelle Kulturen zeigt, wie relativ unser Verständnis von Normalität auch beim Thema Schlaf ist. So ist es in Asien verbreitet, tagsüber kurz zu dösen oder zu schlafen, sogar im beruflichen Kontext.

Schlaf und Kreativität

Was ist das Wesen des Schlafs? Wofür brauchen wir ihn? Die Forschung diskutiert darüber seit vielen Jahren. Immer mal wieder scheint das Geheimnisses des Schlafs gelüftet, doch letztlich handelt es sich immer nur um eine einzelne Theorie, die nicht alles erklärt. Die Funktion des Schlafs ist komplex. So spielen z.B. Wachstumshormone eine große Rolle für die Zellreparatur, der Schlaf in den frühen Morgenstunden ist wichtig für die Verdauung und für das Immunsystem stellt der Schlaf wiederum eine Voraussetzung dar, um richtig arbeiten zu können. Zu wenig Schlaf macht also krank.

Doch wie hängt der Schlaf mit dem Schreiben zusammen? Kann dieses durch Schlafmangel auch beeinträchtigt werden? Der Schlaf ist für die Verarbeitung von Lerninhalten und die Reorganisation von Erinnerungen eine wichtige Voraussetzung. Die gewinnbringende Beschäftigung mit neuen Themen, die bei vielen Schreibprojekten eine Rolle spielt, wird also im Falle großen Schlafmangel schwierig. Insgesamt kann man von einer verminderten Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit durch Schlafmangel sprechen. Dies liegt daran, dass das schlafende Gehirn mitnichten passiv ist, das Gegenteil ist der Fall. Schlafforscher gehen sogar davon aus, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen ausreichend Schlaf und der Fähigkeit, sich kreativ zu betätigen.

Eine zweifelhafte Lösung

So anziehend die Idee auf den ersten Blick scheint, durch weniger Schlaf Zeit für das Schreiben zu gewinnen, so vorsichtig sollte man dabei sein, sie in die Tat umzusetzen. Wenn das Leben jenseits des Schreibens ausreichend Zeit zum Schlafen lässt, dann ist es zwar kein grundsätzlicher Fehler, auch mal ein wenig früher aufzustehen, um zum Schreiben zu kommen. Es ist dabei jedoch unbedingt darauf zu achten, wie groß das eigene Schlafbedürfnis ist. Gehörst du also eher zu den Viel- oder zu den Wenig-Schläfern? Du solltest dich selbst gut kennen, um zu wissen, wann du am besten schreibst und auf wie viel Schlag du eventuell verzichten kannst. Dieser Artikel hilft dir dabei.

Es ist sicherlich kein guter Plan, das eigene Schlafbedürfnis über einen längeren Zeitraum hinweg zu ignorieren, um sich genügend Zeit zum Schreiben zu erschleichen. Was nutzt es uns, im Jahr zwei Wochen länger am Schreibtisch zu sitzen, dabei jedoch die Augen nur mit Hilfe von Streichhölzern offen zu halten? Was bringt es uns, mehr zu schreiben, wenn wir nur noch unkreative Allgemeinplätze produzieren? Die bewusste Entscheidung für mehr Schlaf kann schließlich auch als bereichernde Verweigerung betrachtet werden, die eigene Existenz dem ständigen Imperativ der Effektivität unterzuordnen. Dann wird der Schlaf zu einer Oase der Ruhe und der Kreativität in einer ansonsten schrecklich durchorganisierten Welt.

Hast du so mehr Zeit zum Schreiben?

Es kann durchaus eine gute Idee sein, ein wenig später ins Bett zu gehen oder ein wenig früher aufzustehen, um regelmäßig zum Schreiben zu kommen. Doch vielleicht lässt sich als Ausgleich ein kleines Nickerchen zwischendurch einbauen? Hier können wir uns von anderen Kulturen inspirieren lassen, in denen dies üblicher ist als bei uns. Auch frühere Zeiten zeigen, dass die heute typische Umsetzung unseres Schlafbedürfnisses nicht die einzige Möglichkeit ist.

Eine weitere Option kann es sein, den Schlaf eine gewisse Zeit lang ein wenig einzugrenzen, um ins Schreiben zu kommen. Wenn der Brotberuf oder die familiären Verpflichtungen einem nur wenig Luft lassen, kann es für den Erfolg einer Buchidee durchaus entscheidend sein, den Wecker eine halbe Stunde früher zu stellen. Manchmal wird es nur so möglich, Erfolgserlebnisse durch das eigene Schreiben zu generieren. Und auch der positive Effekt des täglichen Schreibens auf den eigenen Ausdruck und den Ideenfluss zu einem bestimmten Thema sind nicht zu unterschätzen.

Ein moderater Schlafentzug auf Zeit kann also durchaus positive Auswirkungen auf das eigene Schreiben entfalten. Wenn du Lust hast Bücher zu veröffentlichen, aber wenig Zeit hast, muss das manchmal einfach sein.

Allerdings sollte dies nicht zur Dauereinrichtung werden. Ein entspannter, ausgeschlafener Geist ist immer noch eine Grundzutat für das Keimen fesselnder Ideen. Und mit genügend kreativen Ideen zum Geschichten schreiben schreibt sich am Ende jedes Buch auch bei wenig Zeit fast wie im Schlaf.

Was meinst du: Sollte man weniger schlafen, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben?

12 Kommentare, sei der nächste!

  1. Beim Schlaf würde ich auf keinen Fall Zeit abknappsen, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Wenn ich nicht genug schlafe, bin ich nicht mehr kreativ und nicht mehr produktiv.
    Und jetzt mache ich ein kurzes Mittagsschläfchen 🙂

    1. Moin Susanne,
      ein klares Statement, sehr schön! Manchmal kann man aber schon ein wenig was „abknappsen“ am Schlaf, finde ich. Wenns nicht anders geht ist das immer noch besser, als überhaupt nicht zum Schreiben zu kommen…
      Schöne Grüße
      Andreas

  2. Am Schlaf zu knappsen wäre für mich tödlich. Aber ich nehme mein Manuskript einfach überall mit hin. Beim Arzt muss man oft lange warten, ich habe feste Schreibzeiten, da darf ich nur gestört werden, wenn es blutet- oder komisch absteht….

  3. Nein, auf Kosten meiner Schlafenszeit würde ich nie versuchen, Zeit herauszuschlagen. Ich stehe für’s Schreiben um halb sechs morgens auf und bin dann um acht auf der Arbeit. Dank Gleitzeit ist das möglich. Noch früher würde ich nicht aufstehen wollen. Außerdem hole ich den Schlafdefizit dadurch wieder rein, dass ich früh schlafen gehe. Dafür verzichte ich lieber auf Fernsehen als auf Schlafen. Letzteres macht schön, ersteres macht dumm. 😉

    1. Liebe Mona,
      das klingt nach einer guten Strategie und viel Selbstdisziplin. Ich finde, daran sieht man wunderbar, wie man seinen eigenen Weg finden muss. Ein halbe Stunde früher aufstehen kann also eine gute Option sein – wenn man den entsprechenden Ausgleich findet.
      Schöne Grüße!
      Andreas

  4. Ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass zuwenig Nachtruhe den Geist lähmt. Früher kann ich morgens nicht aufstehen, weil um 6:30 Uhr meine Arbeit beginnt. Wenn ich nach Hause komme brauche ich erst einmal eine längere Pause.Meist werde ich dann wieder erst zum späteren Abend aktiv. Leider finde ich dann häufig kein Ende. Der Schlaf fehlt mir natürlich. Es ist ein Dilemma. Mit Wecker stellen, um frühzeitig ins Bett zu kommen klappt es leider nicht immer.

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