Bildhafte Sprache – so nutzt du sie richtig!

Als Sprachkünstler bist du ein Meister deines Metiers und kannst

  • mit Worten Bilder malen.
  • Kino im Kopf deines Leser erzeugen.
  • die trockensten Gedanken in deinen Texten zum Leben erwecken.

Klingt zu schön, um wahr zu sein?

Dann bediene dich einer bildhaften Sprache und du komm deinem Ziel einen großen Schritt näher! Wie du das am besten anstellst, erfährst du in diesem Artikel …

Stilmittel sprachliche Bilder

Mit Hilfe der geeigneten Stilmittel bringst du mehr Bildhaftigkeit in deine Sprache. Metaphern, Vergleiche, Allegorien und Personifikationen eröffnen dabei jeweils unterschiedliche Chancen.

Häufig nutzen wir diese Möglichkeiten bereits unbewusst. In Form geflügelter Worte haben sie Einklang in unseren alltäglichen Sprachgebrauch gefunden. Um neue, kreative und damit auch wirkungsvolle sprachliche Bilder zu generieren, hilft es allerdings, sich ihre Wirkungsweise im Detail vor Augen zu führen.

Die Metapher

Bei einer Metapher wird ein Ausdruck durch einen anderen Ausdruck ersetzt. Ein bestimmter lexikalischer Bereich wird damit auf einen anderen Bereich übertragen. Der ursprüngliche Kontext und die Metapher treten in ein Wechselverhältnis, aus welchem sich die Bildhaftigkeit dieser sprachlichen Äußerung ergibt. So entstehen Bedeutungsnuancen, die nicht direkt genannt werden müssen.

Anstatt zu schreiben

Die Sonne stand hoch oben am Himmel.

kannst du metaphorisch formulieren

Der gelbe Ball ruhte inmitten einer unendlich blauen Weite.

Wodurch unterscheidet sich diese metaphorische Ausdrucksweise von der ursprünglichen Version?

Der Ausdruck “gelber Ball” transportiert etwas Spielerisches. Der Ausdruck “unendlich blaue Weite” lässt offen, worum es genau geht, vermittelt jedoch bestimmte Assoziationen wie Freiheit oder Verlorenheit. Jedenfalls entsteht eine eindrücklicheres, weniger sachliches, positiv konnotiertes Bild der Szenerie.

Ob die bildhafte Beschreibung besser ist als die nüchterne?

Kommt darauf an, wie dein Text am Ende wirken soll.

Mit dem Ausdruck “gelber Ball” deutet sich jedenfalls schon eine Schwierigkeit an, auf welche wir noch zurückkommen werden. Viele Metaphern kommen uns bereits allzu bekannt vor und können deshalb abgeschmackt wirken.

Der Vergleich

In vielen Fällen erkennst du einen Vergleich an dem Wörtchen “wie”.

X ist also wie Y.

Wenn wir unser vorheriges Beispiel aufgreifen, könnte es entsprechend heißen:

Die Sonne stand wie ein gelber Ball hoch am Himmel.

Wo liegt nun der Unterschied zwischen einer Metapher und einem Vergleich? Macht es überhaupt einen oder kommt es aufs Gleiche raus, welche Möglichkeit du nutzt?

Keinesfalls!

Ein Vergleich ist expliziter und lässt in diesem Sinn weniger Bedeutungsspielraum. Eine Metapher wiederum erklärt weniger und wirkt in diesem Sinn häufig poetischer. Und nicht in jedem Fall lässt sich das eine Stilmittel ohne Weiteres durch das andere ersetzen.

Nehmen wir als Beispiel einen Satz aus einer möglichen Ich-Erzählung.

Ich kroch nach Hause wie eine lahme Schnecke.

Um diesen Vergleich in eine Metapher umzuwandeln, müssten wir in die Er-Form wechseln. Es hieße also:

Die lahme Schnecke kroch nach Hause.

Diese Erzählweise kann reizvoll und besonders anschaulich sein. Sie kann jedoch auch gestelzt wirken. Es kommt also darauf an, was genau du ausdrücken willst, ob sich eher der Vergleich oder die Metapher eignen.

Bei der Metapher wird der Bedeutungsgehalt des Worts “Schnecke” umfassender auf den Kontext übertragen als beim Vergleich. Bei diesem geht es vor allem um die Fortbewegung. Wenn es hingegen heißt, “Die lahme Schnecke (…)”, dann wird die Figur durch den Begriff Schnecke ersetzt. Es liegt also nah, dass weitere Aspekte dieses Tiers in die Erzählung mit einfließen (schleimig? dumm? blind?).

Die Allegorie

Eine Allegorie lässt sich als fortgesetzte Metapher verstehen. Es wird also nicht nur ein Wort durch ein anderes ersetzt, sondern ein ganzer lexikalischer Bereich mit verschiedensten Wörtern wird auf einen anderen übertragen. Manchmal wird dieses Prinzip sogar zu einer ganzen Geschichte ausgeweitet.

Eines der berühmtesten Beispiele der Literaturgeschichte ist das Narrenschiff von Sebastian Brant. Hier dient ein Schiff, das mit 100 Narren besetzt ist, als Allegorie auf die Welt und vor allem auf die Gesellschaft mit all ihren Lastern.

Ein Ding (in diesem Fall das Narrenschiff) wird also als Zeichen für ein anderes (die Welt / die Gesellschaft) verstanden. Über die Ebene einzelner Wörter hinaus bietet das Mittel der Allegorie somit eine vielschichtige Möglichkeit, eine äußerst bildhafte Sprache zu etablieren.

Die Personifikation

Bei der Personifikation wird etwas Nicht-Menschliches vermenschlicht. Dies lässt sich ganz subtil betreiben, indem der Wind wispert, die Blätter flüstern oder Bäume mit ihren Armen nach einem greifen.

Man kann dieses Prinzip auch explizit steigern, indem z.B. Gegenständen oder Tieren menschliche Charakterzüge und grundsätzliche Eigenschaften wie der Freie Wille angedichtet werden. In der Gattung der Fabel wird dies zum Prinzip erklärt, indem Tiere mit menschlichen Eigenschaften im Zentrum des Geschehens stehen.

Personifikationen erleichtern es dem Leser, sich mit dem Geschilderten zu identifizieren. Wir Menschen können eben am besten menschliches Verhalten verstehen. Deshalb sind wohl auch unbewusste Personifikationen so verbreitet, wenn das Auto mal wieder rumzickt oder die Kaffeemaschine schlechte Laune hat. An erster Stelle sollten wir uns dieses Prinzip bewusst machen, um es daraufhin gewinnbringend für eine bildhafte Sprache einzusetzen.

Lebendig erzählen

Auch das Erzählen trägt zu einer bildhaften Sprache bei. Denn mit kurzen Geschichten hilfst du deinen Zuhörern oder Lesern dabei, sich die vermittelten Sachverhalte vor Augen zu führen.

Damit dies funktioniert, solltest du allerdings nicht irgendwie erzähle, sondern möglichst lebendig. Die folgenden grundlegenden Aspekte zum Thema Geschichten erzählen helfen dir dabei.

Geschichten erzählen

Kleine Geschichten machen unsere Texte, Reden und Erklärungen anschaulicher. Der Leser oder Zuhörer kann sich bildhaft vor Augen führen, was gemeint ist. Er erfährt nicht nur Informationen, er erlebt etwas.

Den Kern einer Geschichte bildet die Handlung. Dafür braucht es mindestens eine Figur, die eines oder mehrere Ziele anstrebt. Wichtig ist zudem, dass sie diese nicht ohne Weiteres erreicht, sondern Hindernissen begegnet. Das nennt man dann Konflikt.

Konkret statt abstrakt

Um das Erzählen für eine bildhafte Sprache zu nutzen, solltest du möglichst konkret werden. Stellen wir uns vor, du hältst einen Vortrag über deine bisherige Berufserfahrung und erzählst von deinem ersten Job. Du könntest beginnen mit

Am ersten Tag fand ich alles extrem herausfordernd. Ich habe mich schwer getan, meine Aufgaben richtig zu erledigen. Erst nach mehreren Wochen ging es einigermaßen und ich hatte erste Erfolgserlebnisse. Wichtig war dafür, dass ich mich im Kollegenkreis sozial verknüpft habe.

Oder du erzählst das Ganze anhand von Beispielen und lässt den Leser so stärker teilhaben an deinen Erlebnissen:

Am ersten Tag sollte ich eine Tabellenkalkulation erstellen, von der ich keine Ahnung hatte. Mehrmals habe ich in der Teamsitzung falsche Ergebnisse vorgetragen. Doch nach ein paar Wochen nahm mich mein Chef beiseite und lobte mich für meinen Einsatz und die tolle Performance. Abends ging ich nun manchmal mit ein paar Kollegen zum Italiener an der Ecke. Bei Pizza und Rotwein lachten wir viel.

Wie du siehst machen Konkretisierungen deine Ausführungen schnell länger. Deshalb haben auch Verallgemeinerungen etwas für sich. Doch durch konkrete Details eignest du dir eine bedeutend bildhaftere Sprache an, mit der du deine Leser oder Zuhörer in den Bann zieht.

Sinneseindrücke nutzen

Besonders intensiv erlebbar werden konkrete Situationen, indem du Sinneseindrücke hinzuziehst. Erzählst du eine autobiographische Anekdote? Dann versetz dich in die damalige Situation hinein und frage dich: Was genau hast du gesehen? Was hast du gehört? Gab es auffällige Gerüche? Oder hast du etwas Spezielles ertastet?

Wenn du von einer fiktionalen Figur erzählst, solltest du diese Anregungen ebenfalls nutzen. Hier hilft dir deine Imagination dabei, die erfundene Situation so lebendig wie möglich werden zu lassen.

Dein Weg zu einer bildhaften Sprache

Wie lebendig, mitreißend und anschaulich dein Schreibstil ist, solltest du nicht dem Zufall überlassen. Und auch deine mündliche Sprache kannst du gezielt zum Positiven beeinflussen. Begib dich mit Hilfe der folgenden Möglichkeiten auf den Weg.

Stilmittel einüben

Um sprachliche Bilder im geeigneten Moment einsetzen zu können, musst du mit ihnen vertraut sein. Schmeiß deine innere Kreativmaschine an und lass sie so lange laufen, bis du Metaphern, Vergleiche und Allegorien am Laufbahn produzierst.

Bereit?

Anschnallen und los geht’s!

Such dir ein Wort aus, das für dich von Bedeutung ist. Es kann zum Beispiel ein Gegenstand, ein Ort oder ein Mensch sein. Nun ersetzt dieses Wort, indem du so viele Metaphern wie möglich dafür notierst.

Als Beispiel wähle ich meinen ehemaligen Wohnort Tübingen. Hier ein paar mögliche Metaphern:

  • das schwäbische Guanajuato
  • Elfenbeinturm am Neckar
  • Gutmenschhausen
  • Maultaschen-Harvard
  • Schwabenmetropole
  • Fachwerkidyll

Ähnlich kannst du auch bei Vergleichen, Allegorien und Personifikationen verfahren.

Sicherlich wird nicht jedes mögliche Bild so gelungen sein, dass du es nutzen möchtest. Vielleicht kommt auch gar nichts Geeignetes dabei heraus. Doch eines passiert definitiv: Du wirst immer besser darin, die Stilmittel anzuwenden.

So wird es dir leichter fallen, deine Sprache durch eine entsprechende Bildhaftigkeit zu bereichern, sobald du es möchtest.

Sich im Erzählen üben

Ebenso wenig wie der gelungene Einsatz von Stilmitteln ist das Geschichtenerzählen eine Frage der Theorie. Vielmehr solltest du dich kontinuierlich darin üben.

Doch wie stellst du das am besten an?

Es gibt zahlreiche Gelegenheiten, bei denen wir uns Geschichten erzählen. Wenn du mit Kindern zu tun hast, wird dir das ganz besonders bewusst sein.

Kinder lieben Geschichten! Und meist sind sie auch weniger kritische Zuhörer als Erwachsene.

Übe dich darin Gute-Nacht-Geschichten zu erfinden oder nutze lange Autofahrten, um mit dem Geschichtenerzählen ein wenig zu spielen. Jeder kann zum Beispiel reihum einen Satz beisteuern. Das funktioniert auch wunderbar unter Erwachsenen.

Du kannst auch aus deinen bisherigen Erfahrungen schöpfen, um besser im Erzählen zu werden.

Hier eine kleine Übung:

Definiere deine Lieblingsthemen. Es kann sich um berufliche Anliegen oder um rein private Bereiche handeln. Reise nun in Gedanken durch die unterschiedlichen Phasen deines Lebens und sammle Situationen und Begegnungen, die zu dem Thema passen.

  • Welchen Herausforderungen standest du schon einmal gegenüber?
  • Wie bist du mit ihnen umgegangen?
  • Welche überraschenden Wendungen haben sich ergeben?

Indem du dich regelmäßig im Erzählen übst, erschließt du dir einen Schatz an Anekdoten. Du kannst diese nun bei passenden Gelegenheiten zum Einsatz bringe und machst deine Sprache so bildhafter.

Die eigenen Texte überarbeiten

Wärst du gern ein Sprachkünstler, so solltest du dich von dem Gedanken verabschieden, man müsse dafür als Genie zur Welt gekommen sein und auf Anhieb alles richtig machen. Egal, ob du Schriftsteller werden möchtest oder ein begnadeter Redner: Ein gekonnter, mitreißender Umgang mit Sprache lässt sich Stück für Stück erlernen.

Das gilt auch für die Verwendung bildhafter Sprache. Um darin besser zu werden, bietet es sich an, deine Texte sorgfältig zu überarbeiten.

Stell dir dabei immer wieder folgende Fragen und versuche, stimmige Antworten zu finden:

  • Könnte es für diesen oder jenen Ausdruck noch einen besseren, konkreteren oder bildhafteren geben?
  • Durch welche Beispiele oder Anekdoten ließe sich der Inhalt anschaulich machen?
  • Welche Stilmittel bieten sich an, um Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen?

Achte bei der Bearbeitung auf Stringenz (mehr dazu unten) und ein gesundes Maß. Es geht keinesfalls darum, möglichst viele sprachliche Bilder in deinem Text unterzubringen, sondern einzelne, besonders eindrucksvolle, die deine Leser erreichen.

Anwendungsbereiche bildhafter Sprache

Sowohl in schriftlicher als auch in mündlicher Kommunikation spielt eine bildhafte Sprache eine wichtige Rolle. Die folgenden Anwendungsbereiche bieten einen ersten Überblick, wo du sie auf welche Weise einsetzen kannst.

Kreatives Schreiben

Beim Kreativen Schreiben kommt es besonders stark darauf an, nicht nur Sachinformationen zu transportieren, sondern die literarische Sprache als Ausdrucksform zu nutzen. Was das im Einzelnen heißt, hängt von vielen Faktoren ab: von den Vorlieben des Autors, der Zielgruppe, der Thematik und der gewählten Textform.

Wichtig ist jedoch in allen Fällen, stärker als bei Sachtexten, ein gewisser Wille zur Gestaltung. Bei den Möglichkeiten, die dem Autor hierbei zur Verfügung stehen, kommt der bildhaften Sprache eine zentrale Bedeutung zu.

Gute Geschichten

Egal ob du Geschichten schreibst oder Geschichten erzählen willst: Eine bildhafte Sprache macht die Handlung anschaulicher, eröffnet einen Spielraum für Interpretationen und erhöht so das Hör- oder Lesevergnügen.

Die Wahl der Mittel kann beim Schreiben selbstverständlich überlegter erfolgen als beim spontanen Erzählen. Doch hier wie da sind von klassischen sprachlichen Bildern, über sprechende Namen bis zu einer lebendigen Wortwahl alle Möglichkeiten gefragt. Auch ein guter Schreibstil trägt übrigens nicht unwesentlich dazu bei, dass beim Lesen oder Hören deiner Geschichten tatsächlich Bilder im Kopf deiner Leser entstehen.

Romane schreiben

Die Art und Weise der verwendeten bildhaften Sprache sollte beim Schreiben eines Romans eng an den Erzähler geknüpft sein. Setz dich mit der von dir gewählten Erzählperspektive und dem Erzählstil auseinander, und entwickle ein Gespür dafür, welche Art Bildhaftigkeit zu deinem Buch passt.

Entsprechend des berühmten Spruchs “Show don’t tell!” bietet eine bildhafte Sprache wundervolle Möglichkeiten, nicht alles direkt zu sagen, sondern vielmehr zu zeigen. So manche Metapher oder Allegorie kann dich davor bewahren, den Leser allzu sehr zu bevormunden. Stattdessen lässt du ihn stärker seine eigenen Schlüsse ziehen, indem du zum Beispiel schreibst

Ronny war eine Schlange.

anstatt

Ronny verhielt sich hinterhältig und durchtrieben.

Gedichte schreiben

Beim Verfassen von Lyrik steht das Verdichten, wie der Ausdruck “Gedicht” bereits verrät, im Zentrum. Es geht darum, auf engstem Raum bestimmte Emotionen, Gedanken, Probleme oder Handlungen sprachlich zu transportieren. Hierzu stehen alle Möglichkeiten, sprachlich Bedeutung zu generieren, zur Verfügung. Sprachliche Bilder und einer bildhafte Sprache spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Anders als in pragmatischen Texten oder Erzählungen spielt das Maßhalten kaum eine Rolle. Die Sprache eines Gedicht kann wohl kaum zu bildhaft sein – allerdings ist die Stimmigkeit und Besonderheit der gewählten Ausdrucke besonders wichtig. Die poetische Dimension von Sprache ist anders als in anderen Gattungen kein Beiwerk, sondern macht Gedichte als solche aus.

Briefe schreiben

Das Briefeschreiben ist im privaten Bereich längst aus der Mode gekommen. Dennoch gibt es immer noch Lebensbereiche und Situationen, in denen es eine Rolle spielt. Denk zum Beispiel an

  • Liebesbriefe
  • Versöhnungsbriefe
  • Briefe zu einem besonderen Anlass
  • Briefe an sich selbst
  • Briefe an Verstorbene
  • offene Briefe und so weiter.

Beim Briefeschreiben möchtest du dich und deine Gedanken zum Ausdruck bringen und dem Empfänger eine Botschaft vermitteln. Finde eine bildhafte Sprache für dein Anliegen, damit dies wirkungsvoll gelingt.

Anders als bei literarischen Texten solltest du besonders darauf achten, nicht zu übertreiben. Die Bildhaftigkeit deiner Sprache sollte das Verständnis nicht erschweren und keinen übermäßigen Interpretationsaufwand nötig machen. Zudem sollten die von dir gewählten sprachlichen Bilder zwar überzeugend, jedoch keineswegs pathetisch oder rührselig wirken – insofern dies nicht explizit von dir beabsichtigt ist.

Reden halten

Hältst du staubtrockene Reden geben sich deine Zuhörer verzweifelt Mühe bei der Sache zu bleiben, schalten nach und nach ab und richten ihre Genervtheit schließlich auf den Typen, der da vorne steht, und bedeutungslose Worte von sich gibt. Schall und Rauch.

Nutzt du hingegen eine bildhafte Sprache, entstehen in den Köpfen deiner Zuhörer Bilder. Sie hängen an deinen Lippen und wollen wissen, wie es weitergeht. Am Ende sind sie enttäuscht, dass deine Rede schon vorbei ist.

Besonders gut geeignet für bildhafte Reden sind Elemente des Geschichtenerzählens. Sprachliche Bilder hingegen solltest du besonders ausgewählt und gezielt ein. Denk immer daran, dass sie dem Publikum auf Anhieb einleuchten müssen, denn die Rede geht ja weiter.

Kommunikation im beruflichen Alltag

Eine bildhafte Sprache hilft dir im beruflichen Alltag dabei, klar und eindrücklich zu kommunizieren. So kannst du Andere leichter für deine Ideen begeistern und bringst komplexe Sachverhalte anschaulich rüber.

Hier eine Auswahl möglicher Situationen aus den unterschiedlichsten Berufen, in denen eindrückliche sprachliche Bilder oder Elemente des Geschichtenerzählens Wunder wirken können:

  • Verdeutlichung der aktuellen Herausforderungen deine Abteilung oder Firma und Vorstellung der Zukunftsstrategie
  • Schriftliche Kommunikation aller Art für deine Kunden
  • Anschauliches Vermitteln komplexer Theorien in Unterricht oder Lehre
  • Allegorien und Sinnbilder als Denkanregung und Auseinandersetzung mit eigenen Lebensthemen in Coaching und Therapie

In welcher Situation auch immer du eine bildhafte Sprache nutzt – sie sollte zu deinem Thema und Anliegen passen und deine Leser oder Zuhörer auch tatsächlich erreichen. Was dafür wichtig ist, erfährst du im Folgenden!

Gelungener Einsatz bildhafter Sprache

Es ist nicht grundsätzlich besser, sich einer bildhaften Sprache zu bedienen. Entsprechende Versuche können auch in die Hose gehen – und tun es übrigens regelmäßig. Beachte die folgenden Punkte, um Bildhaftigkeit in der Sprache nicht nur irgendwie, sondern gekonnt einzusetzen.

Stringenz

Der Duden definiert den Ausdruck “Stingenz” als logische Richtigkeit, Schlüssigkeit.

Für die Ebene der Bildhaftigkeit bedeutet dies, statt Willkür eine stimmige Gesamtgestaltung zu erreichen. Versuchen wir an einem Beispiel nachzuvollziehen, was das konkret heißt.

Wir formulieren, passend zu dieser Website, folgenden Anfangssatz für einen Text übers Bücherschreiben:

Die Entscheidung, ein Buch zu schreiben, ist wie der Aufbruch zu einer langen Reise.

Etwas später fällt uns eine Metapher ein, die wir unbedingt noch unterbringen wollen:

Um gute Dialoge zu schreiben, müssen wir für jede Figur eine eigene Sprache erlernen.

Im wortwörtlichen Sinn ist das natürlich Unsinn, zumindest wenn deine Geschichte nicht während des Turmbaums zu Babel spielt. “Sprache” ist also eine Metapher, eigentlich müsste es “Ausdrucksweise” heißen. Doch dieser bildhafte Ausdruck weist darauf hin, dass alle möglichen Ebenen daran beteiligt sind, wie eine Figur spricht. Damit wird ein wichtiger Aspekt der Figurenentwicklung und guter Dialoge auf den Punkt gebracht.

Für sich genommen mag das also ein schönes Bild sein. Doch es passt nicht recht zu unserem Eingangssatz: dem Vergleich des Schreibens mit einer Reise.

Eher würde es etwa zu folgendem Anfangssatz passen:

Bücherschreiben ist eine Wissenschaft für sich.

Doch zurück zu unserem Vergleich des Bücherschreibens mit einer Reise. Weiten wir diesen zu einer stimmigen Allegorie aus, könnte es etwa wie folgt weitergehen:

Dein Stift ist Boot und Anker zugleich. Mit ihm erkundest du die Ozeane deiner Phantasie und verweilst an ganz besonderen Orten.

Oder auch:

Du hast ein klares Ziel vor Augen, doch unterwegs stößt du auf ungeahnte Hindernisse. Du musst Täler durchschreiten und Berge erklimmen, begegnest äußeren und inneren Dämonen, suchst dir Wegbegleiter, erkennst deine Stärken und wächst schließlich über dich selbst hinaus.

Selbstverständlich muss die Bildhaftigkeit deines Textes nicht von Angang bis Ende wie aus einem Guss sein. Doch gestalte mögliche Brüche bewusst. Mach dir klar, welche Bedeutungsfelder du gerade aufmachst, führe diese nach Möglichkeit fort, variiere oder kontrastiere sie gezielt.

Der wichtigste Schritt zu einer stringenten, stimmigen Sprache besteht immer daraus, dein Bewusstsein für deine eigenen Äußerungen und ihre unterschiedlichen Bedeutungsdimensionen zu schärfen.

Typische Fehler vermeiden

Eine gelungene bildhafte Sprache ist das Ergebnis eines langen Übungsprozesses. Um diesen zu beschleunigen, solltest du dir typische Fehler bewusst machen. Gerade für das Überarbeiten deiner Texte, kann dies viel wert sein!

Rücke schiefe Bilder gerade:

Leicht gerät ein Bild schief, wenn du mit einer bestimmten Metapher beginnst, der von ihr transportierten Bedeutung jedoch kurz danach widersprichst. Stellen wir uns vor, du hast einen Onlinekurs erstellt und möchtest diesen nun gerne verkaufen. Was hierzu nicht funktioniert:

Dieser Kurs ist die Erfolgsrakete, mit deren Hilfe du alle Gefahren umschiffst.

Dieser Kurs dient dir ein Kompass, mit dem du abhebst.

Vielmehr müsste es heißen:

Dieser Kurs ist die Erfolgsrakte, mit der du abhebst.

Dieser Kurs dient dir ein Kompass, mit dessen Hilfe du alle Gefahren umschiffst

Schiefe Bilder entstehen ebenfalls, wenn sie nicht zu den Inhalten passen, die du transportieren möchtest. “Die frische Brise für ihr Büro” ist vielleicht ein geeigneter Werbespruch für Ventilatoren, jedoch nicht für ein neues Wlan-System. Hier könnte eher “Mit unserer Hilfe auf einer Wellenlänge” funktionieren.

Achte auf die richtige Verwendung:

Schief werden die Bilder auch, wenn du ein falsches Verben nutzt. Es heißt nicht “Butter bei die Fische nehmen”, sondern “Butter bei die Fische geben”. Unterscheide “Etwas in den Boden stampfen” von “Etwas aus dem Boden stampfen” bewusst! Also in etwa:

Der Kollege stampft ein Projekt aus dem Boden und damit seine Kollegen in denselben.

Keinesfalls andersherum.

Selbstverständlich kannst du bekannte Redewendungen modifizieren. Dies empfiehlt sich sogar, da diese häufig verbraucht und altmodisch wirken. Wichtig ist allerdings, dass du dies ganz bewusst machst und das Ergebnis zu deiner Botschaft passt.

Vermeide unfreiwillige Komik:

Nach der verlorenen Bundestagswahl 2012 soll Edmund Stoiber „Ich werde noch kein Glas Champagner öffnen“ gesagt haben. Der Versuch, sich besonders eloquent auszudrücken, geht hier voll nach hinten los.

Ein ähnlicher Effekt entsteht auch, wenn Metaphern unbewusst miteinander kombiniert werden, etwa wenn die Kirche im Sack und die Katze im Dorf gelassen wird.

Eliminiere sprachlichen Kitsch:

Sprachbilder, die du schon viele Male gehört hast, haben sich in unseren Sprachgebrauch eingeschrieben. Häufig ist uns ihr metaphorischer Ursprung nicht einmal bewusst. Ihre Verwendung ist meist vollkommen unproblematisch, sie bringen einen Umstand meist sogar besonders anschaulich zum Ausdruck. Denken wir beispielsweise etwa an das Himmelszelt, das Dahinschleichen der Zeit oder an Internetsurfen.

Nutzt du verbreitete sprachliche Bilder allerdings mit der Intention, dich besonders ausgefallen auszudrücken, so wirkt dies schnell unbeholfen. Deine Leser oder Zuhörer erkennen zwar deinen Versuch, registrieren jedoch zugleich dessen Scheitern. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn du vom “Drahtesel” statt vom Fahrrad sprichst, deine Hauptfigur “Schmetterlinge im Bauch” hat oder die Politiker “ihre Hausaufgaben machen sollen.”

Gähn.

Das sind zwar sprachliche Bilder. Doch wir haben sie so häufig gehört, dass sie uns einfach nur noch langweilen.

Den situativen Kontext beachten

Nicht jedes Bild ist in jedem Kontext angebracht. Die humorvolle Metapher passt vielleicht absolut perfekt zu deiner Rede auf der Firmenfeier. Im Meeting am nächsten Morgen ist sie vollkommen fehl am Platz. Und manch ein schlüpfriger Witz, der bis vor ein paar Jahren noch zur allgemeinen Erheiterung in der Kaffeepause beigetragen hätte, wird heute nicht einmal mehr auf Fasnachtsfeiern akzeptiert.

Achte bei deinen sprachlichen Entscheidungen also tunlichst auf den Kontext.

Passt das Sprachniveau zur Zuhörerschaft? Erreichst du die Leser mit diesen Vergleichen? Ist deine Wortwahl noch zeitgemäß?

Versuche immer im Blick zu haben, für wen du in welcher Situation kommunizierst. So vermeidest du es, mit deiner bildhaften Sprache an den Empfängern vorbei zu reden oder zu schreiben.

Die Kraft der Bilder sprachlich nutzen

Du kannst lang und breit erklären, dass die Einkommensverteilung in Deutschland ungerecht ist. Erst wenn du die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter erzählst, die trotz Vollzeit nebenher noch putzen gehen muss, wirst du deine Leser erreichen.

Du kannst davon sprechen, dass dir ein Romanautor sehr gut gefällt, da er überraschende und doch einleuchtende Wendungen in seinen Geschichten kreiert. Oder du nennst ihn Sprachmagier, der ein Erzählkunststück nach dem anderen aus seinem Hut zaubert.

Du kannst deinen Gegner als skrupellos und geldgierig bezeichnen. Oder du redest ihn mit Wolf of Wallstreet an.

In welchem Lebensbereich du dich auch bewegst – eine bildhafte Sprache verleiht deinen Worten ungeahnte Kräfte. Übe dich in dieser Möglichkeit, setze sie sinnvoll ein und nutze so ihre Macht!

Welche bildhaften Ausdrücke kennst und liebst du? Teile sie mit uns!

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