Gute Unterhaltung durch fesselnde Stories – 10 Bausteine

Angstschweiß perlt auf der Stirn, das Herz rast, die Zähne klappern.

Es kribbelt in den Fingerspitzen, Zitronenfalter flattern im Bauch und ein Lächeln huscht übers Gesicht.

Du hast die Wahl, wie es deinen Lesern ergeht.

Oder bist du etwa schon froh, wenn sie etwas leiser gähnen? Deine Story wenigstens zu Ende lesen?

Mit diesen Tipps für unterhaltsame Geschichten gelingt dir all das mit Leichtigkeit.

Interessante Figuren

Gelungene Figuren bilden die Basis dafür, sich als Leser in die Situation hineinzuversetzen. Wenn es uns nicht interessiert, was den Figuren passiert, langweilen wir uns schnell. Figurenentwicklung ist also das A und O.

Zugleich gibt es Unterschiede zwischen relativ kurzen Geschichten und Romanen. Wie gestaltest du deine Figuren interessant, ohne sie detailliert auszuarbeiten?

Diese Möglichkeiten bieten sich an:

  • extreme Persönlichkeiten
  • starke Wünsche
  • starke Werte
  • innere Zerrissenheit
  • intime Details
  • ein Geheimnis
  • äußere oder innere Besonderheiten

Überraschende Wendung

Eine Geschichte, in der nichts passiert, ist keine echte Geschichte. Das bedeutet nicht, dass es sich um einen schlechten Text handeln muss. Er ist dann jedoch eher eine Beschreibung, eine Skizze, eine Schilderung, eine Erörterung, ein Essay oder was auch immer – aber eben keine Story.

Für gute Unterhaltung muss nicht unbedingt Weltbewegendes passieren, jedoch etwas, das für die Figuren von Bedeutung ist. Nach diesem Ereignis sollte etwas anders sein als davor – selbst wenn es nur der Erfahrungsschatz oder die Stimmung der Figur ist.

Gelingt es dir jetzt noch, das Ganze nicht allzu voraussehbar zu gestalten, sondern als unerwartete Wendung? Dann hältst du den wichtigsten Baustein für deine interessante Geschichte bereits in der Hand.

Unmittelbare Einstiege

Versuche möglichst wenig zu erklären, zumindest am Anfang.

Weshalb sollte den Leser die Vorgeschichte interessieren? Er kennt deine Figuren doch gar nicht. Wirf ihn lieber direkt in die Situation, die dazu möglichst brenzlig, aufregend, peinlich oder traurig sein sollte. So hat dein Leser gar nicht erst die Möglichkeit zu entscheiden, ob das interessant für ihn ist.

Er fiebert zwangsläufig mit.

Er leidet, kämpft, lacht oder ärgert sich.

Und schon hast du ihn am Wickel und kannst ihn weiter durch die Handlung führen.

Besondere Milieus

In Geschichten lösen wir uns von Zeit und Raum. Sie bringen uns unbekannte Lebenswelten näher. Diese können für die Figuren alltäglich sein, für uns jedoch interessante Einblicke liefern.

Soziale, kulturelle oder geographische Grenzen spielen bei guter Unterhaltung keine Rolle. Allerdings wäre es schön, wenn du dich in deinem Setting auskennst. So kannst du die Handlung möglichst lebendig gestalten.

In welchem Milieu soll deine Geschichte spielen?

Mittel zur Spannungserzeugung

Spannung erzeugen will gelernt sein. Probier konkrete Techniken aus, um den Leser zu fesseln.

Sie helfen dir dabei, überzeugende Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • Welche Informationen streust du zu welchem Zeitpunkt ein?
  • Wie deutest du geschickt doppelte Böden an?
  • Wodurch werden entscheidende Momente lebendig?

Interessante Erzählperspektive

Hast du schon einmal durch ein Schlüsselloch in eine riesige Villa geschaut? Wie unterschiedlich ist es da, einzutreten und über die dicken Teppiche von Zimmer zu Zimmer zu wandeln.

Bist du schon einmal im dichten Wald gestanden? Erst aus dem Flugzeug wirst du dessen wahren Ausmaße einschätzen können.

Wie groß erscheint einer Ameise wohl eine Erbse? Ein Elefant wird sie kaum bemerken.

Der Blick, den wir auf die Welt werfen, ist entscheidend für unser Verständnis von ihr. Auf den Ausschnitt kommt es an!

Welche Perspektive könnte für deine Geschichte besonders interessant sein?

Du brauchst dich dabei nicht auf Menschen zu beschränken. Auch mit den Augen, Ohren und Zungen von Göttern, Tieren und Gegenständen lassen sich Geschichten erzählen.

Starke Konflikte

Sie gehören zu guter Unterhaltung unbedingt dazu: starke Konflikte. Doch wie gelingen sie dir?

Hierzu ein Beispiel:

Deine Figur möchte sich einen Goldschatz unter den Nagel reißen, doch der wird von einem Monster bewacht. Ein Konflikt, ganz klar. Doch falls das Monster wirklich gefährlich und deine Figur nicht lebensmüde ist, dreht sie sich auf dem Weg um und geht wieder nach Hause.

Dein Konflikt hat sich in Luft aufgelöst.

Wie spitzen wir ihn stattdessen zu?

Die Figur könnte den Goldschatz unbedingt benötigen, um ihre Familie aus den Fängen eines anderen Monsters zu retten. Oder es ist gar kein Goldschatz, den es zu befreien gilt, sondern die große Liebe. Außerdem ist deine Figur selbst schuld, dass diese gekidnappt wurden.

In diesen Überlegungen sind zwei wichtige Bestandteile für starke Konflikte zu erkennen:

  1. Sie sind unausweichlich.
  2. Sie spielen sich nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren ab.

Ernstzunehmende Hindernisse

Stellen wir uns vor, du schreibst über eine interessante Figur in einem besonderen Milieu aus einer einzigartigen Perspektive und wendest Spannungstechniken in Perfektion an. Trotzdem findet dein Leser deine Geschichte ganz und gar nicht interessant. Vielleicht nervt sie ihn sogar.

Was ist da los?

Es könnte sein, dass sie allzu konstruiert wirkt. Deine Figur befindet sich zwar in einem Konflikt, doch sie kann ihn mit Leichtigkeit lösen. Die Hindernisse, die sie dabei überwindet, wirken ausgedacht.

Frag dich lieber, was deine Figur wirklich bewegt. Was will sie unbedingt? Was hält sie davon ab, es zu bekommen?

Mach es ihr schwer.

Leg ihr dicke Felsbrocken in den Weg, keine Kieselsteine.

Gute Dialoge schreiben

Flotte Dialoge sind das I-Tüpfelchen einer unterhaltsamen Geschichte. Setze sie nicht zu häufig ein und gestalte sie kurzweilig. Dann werden sie eine große Wirkung erzielen.

Folgendes gilt es dabei zu beachten:

  • Lass die Figuren sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
  • Schreib keine Kuscheldialoge, lass es lieber krachen.
  • Schreib nicht direkt, was los ist, sondern spiel mit Mehrdeutigkeiten.

Eine gelungene Schlusspointe

Eine gute Schlusspointe lässt den Leser auflachen, den Kopf schütteln oder mit der flachen Hand auf den Tisch hauen. Vor allem aber wird er auch deine nächsten Geschichten lesen wollen oder einem Freund von ihnen erzählen.

Eine überraschende Auflösung am Ende kann dir ganz unterschiedlich gelingen, zum Beispiel:

  • durch die Klärung eines Missverständnisses
  • durch einen Wortwitz
  • durch einen Perspektivwechsel.

Denk am besten vor dem Schreiben über die Schlusspointe nach. So weißt du mehr als der Leser und kannst deinen Wissensvorsprung nutzen, um ihn gut zu unterhalten.

Unterhaltsame Geschichten sind zwar nicht alles, aber …

Gute Unterhaltung ist sicherlich nicht das einzige Ziel beim Geschichten-Schreiben und erst recht nicht beim Lesen. Dazu ist die Konkurrenz aus Filmen und Serien einfach zu hart.

Im Gegensatz zu den meisten audiovisuellen Inhalten gelingt es in Geschichten jedoch häufig auf subtile, tiefsinnige, implizite Weise

  • zum Denken anzuregen
  • neue Perspektiven zu eröffnen
  • Einsichten zu vermitteln.

Es wäre schade, wenn die Besonderheiten des Erzählens, der Zauber eines interessanten Stils und die Bilder, die Unsagbares fühlbar machen, nicht erlebt würden, da deine Geschichte nicht gelesen wird. Welchen Zweck du mit deinem Schreiben auch immer verfolgst – es schadet jedenfalls nicht, unterhaltsame Geschichten schreiben zu können.

4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Gelungene Figuren bilden die Basis dafür, sich als Leser in die Situation hineinzuversetzen?

    Nein.

    Gerade neulich las ich auf dem Büchertisch einer Buchhandlung den Anfang eines Buches, in dem stand, dass eine Yacht führerlos in Richtung Meer trieb. Ich konnte mich sehr gut in die Situation hineinversetzen, obwohl noch KEINE Figur erwähnt worden war. Was würde ICH in der Situation tun? Ich fand es so spannend, dass ich weiterlesen musste. In den spannensten Geschichten und wahren Erlebnissen, die ich gelesen und erlebt habe, waren es immer die Situationen, die Spannung erzeugten. Und immer die Frage, was ICH tun würde.

    Die übrigen neun Punkte finde ich aber sehr gelungen.

    1. Lieber Andreas,
      ich finde deine Bemerkung überzeugend. Vielleicht habe ich zu scharf formuliert und es müsste eher heißen „können die Basis bilden …“. Denn ich denke durchaus, dass gelungene Figuren dazu beitragen können, sich in die geschilderten Situationen hineinzuversetzen. Trotz deines treffenden Beispiels. Meinst du nicht?
      Herzliche Grüße
      Andreas

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