Der Pitch – So verkaufst du deinen Roman!

von Jurenka Jurk

Stell dir vor, du steigst in einen Fahrstuhl. Die Türen schließen sich bereits, da steigt auf einmal – DER Agent oder DIE Verlegerin ein. Du hast jetzt genau die Dauer des Aufzugaufenthaltes lang Zeit, deine Buchidee zu verkaufen. Worauf wartest du noch?

Der Elevator-Pitch

Ziel ist es, innerhalb dieser wenigen Sekunden deine Idee und deren Wert so gut und überzeugend „an den Mann“ zu bringen, dass du am Ende der Aufzugfahrt zu einem Folgegespräch eingeladen wirst. Daher kommt der stehende Begriff „Elevator-Pitch“, also Fahrstuhl-Präsentation.

Wäre es nicht fantastisch jetzt die passenden Worte bereit zu haben? Sie hinausschleudern zu können, als ob man das jeden Tag täte? Selbstbewusst von seinem Roman erzählen, ohne herumzuschwadronieren, bis der Zuhörer einschläft oder schreiend davon läuft?

Überraschung: Das kann man lernen und üben. Und es hat so viele Vorteile, wenn man das kann!

Doch was ist ein Pitch überhaupt?

Viel Schreibhandwerkszeug kommt aus den USA, auch der „Pitch“. Wörtlich heißt es so etwas wie Wurf. Gemeint ist damit die Präsentation einer Geschichte, so dass sie neugierig macht. Im Gegensatz zum „Pitch“ wird im „Exposé“ die Geschichte vollständig zusammengefasst, also auch das Ende erzählt.

Ein Pitch-Beispiel

Wenn du pitchen kannst, könnte die Fahrstuhl-Szene so enden:

Statt herumzustottern lächelst du dein Gegenüber an. „Danke, dass sie mir die Gelegenheit geben. Ich schreibe einen Liebesroman für junge Frauen: Helen ist noch dabei, über ihr letztes peinliches Liebesabenteuer hinwegzukommen, da versucht ihre Freundin, sie schon wieder zu verkuppeln; das glaubt Helen zumindest. Nach der erotischen Kopfmassage vom charmanten Friseur Fabian ist es dann auch tatsächlich um sie geschehen. Zu dumm nur, dass Yvonne ihr nicht alles gesagt hat: Der Maestro der Haarspitzen ist nämlich schwul! Helen kann das nicht glauben und schlittert daraufhin geradewegs in ihre bisher größte Männerkatastrophe.“

(Das ist der Klappentext meines Buch Verliebt bis in die Haarspitzen)

Wie und wo dir dein Pitch helfen kann

In der Realität ist es unwahrscheinlich, dass du deinen Roman im Fahrstuhl anpreisen wirst. Ich habe meinen Roman auch nicht mit einem Pitch verkauft, aber wer weiß, was er dazu beigetragen hat. Es gibt jedenfalls viele Situationen, in denen dir ein gut sitzender Pitch nützt.

Das Anschreiben

Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem du deinen Roman Fachleuten vorstellen willst. Einem Agenten oder Verleger. Sofort denkt man dabei an das Exposé, das man schreiben muss. Das ist schon ein Haufen Arbeit, keine Frage. Woran denkt man zuletzt (obwohl es mindestens genauso wichtig ist)? Genau. Das Anschreiben.

Das Anschreiben soll den Agenten oder Verleger dazu bewegen, das Exposé zu lesen. Was bietet sich da mehr an, als eine neugierig machende Zusammenfassung, die auf den Punkt bringt, worum es im Roman geht!?

Der Pitch allein wird deinen Roman nicht verkaufen. Aber er ist der Türöffner.

Die Buchmesse

Eine weitere Situation könnte die Buchmesse sein. Hier triffst du tatsächlich auf Verleger und Agenten. Natürlich haben sie sehr wenig Zeit. Andererseits sind sie dort, gerade weil sie den Kontakt zu Lesern und Autoren suchen. Hier haben sie vielleicht sogar mehr Zeit, als in ihrem sonstigen Alltag.

Stell dir vor, du gehst zu einer Agentensprechstunde und bekommst 15 Minuten Zeit. Du wirst nervös sein. Da wird es dir enorm helfen, einen (eingeübten) Pitch parat zu haben.

Der Alltag

Die häufigste Situation wirst du aber in deinem Alltag finden. Stell dir vor, du bist zur Grillparty deiner Nachbarn eingeladen. Gerade stellst du deine Salatschüssel auf das Buffet, da trabt die Nachbarin mit dir fremden Leuten an und zwitschert los: „Ach, da ist ja unsere Autorin!“ Und an die Fremden gewandt: „Wussten Sie schon, dass sie Romane schreibt? Ja, ja!“ Kräftiges Nicken.

Du spürst, wie dein Mund trocken wird. Für einige Sekunde hältst du die Salatschüssel weiter umklammert und überlegst, ob du davonrennen sollst. Zu spät, schon bist du umzingelt. Immer mehr Gäste drängen sich plötzlich zu euch.

„Ach, sie schreiben? Das ist ja toll. Das wollte ich auch schon immer mal machen. Was schreiben Sie denn?“

Du reißt dich zusammen. „Einen Fantasy-Roman,“ bringst du zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Wie spannend! Erzählen Sie doch mal, worum es geht.“

Einer packt dich sogar am Arm. Die Menschen rücken dichter zusammen, Entkommen unmöglich. Das Fleisch verkokelt, das Bier wird schal. Keiner kümmert sich darum, alle wollen von dir wissen, was du eigentlich schreibst. Ja, was schreibst du denn nun?

„Äh, ja, also, da geht es um einen Jungen, der, ja, äh …“

Du beschließt, kurzfristig mal in Ohnmacht zu fallen.

ODER du erzählst kurz und selbstsicher, worum es in deinem Roman geht.

Mit deinem Pitch.

Wie baust du deinen Pitch auf?

Das Kurz-Exposé

Fasse erstmal dein Buch in drei Sätzen zusammen. Drei Sätze? Oh ja! Eine Herausforderung, das ist mir klar.

  • Im ersten Satz erzählst du den Einstieg; was passiert deiner Figur, was reißt sie aus ihrem bisherigen Leben.
  • Der zweite Satz kümmert sich darum, welches Ziel dein Held sich setzt und was auf dem Spiel steht, wenn er dieses Ziel nicht erreicht.
  • Der letzte Satz beschreibt die Auflösung. Das Schlimmste passiert, aber deine Figur schafft es nun doch, etwas zu retten oder die große Liebe zu finden etc.

Das wäre ein Dreisatz-Exposé (kann man gut im Verkaufsexposé einsetzen oder auch anstatt eines Pitchs im Anschreiben).

Für den Film Erin Brockovich könnte das so lauten:

Die alleinerziehende Erin Brockovich entdeckt bei ihrer Arbeit in einem Anwaltsbüro ungeklärte Fälle von Schadenersatzklagen gegen einen umweltfeindlichen Chemiekonzern. Obwohl sie beinahe ihre neue Liebe verliert und ebenso der Kontakt zu ihren Kindern auf dem Spiel steht, recherchiert sie die Hintergründe weiter. Sie schafft es, 600 Unterschriften für eine Sammelklage zusammenzubringen und verschafft den an Krebs erkrankten Klägern Gerechtigkeit.

Aus trocken wird saftig

Das ist ein bisschen trocken so. Völlig in Ordnung für ein Kurz-Exposé, aber es ist noch kein neugierig machender Anreißer.

Jetzt musst du basteln und spielen. Bring Drama hinein, indem du konkret bist. Wie findet sie die Unterlagen (wenn es spannend genug ist, um es zu erwähnen)? Warum beschließt sie, für Gerechtigkeit sorgen zu wollen? Wie wird sie bzw. ihre Familie bedroht?

Beende deinen Pitch mit einem Satz, der das Ende deiner Geschichte offenlässt. Genau dann, wenn es am schlimmsten aussieht. Du kannst auch eine Frage zum Schluss aufwerfen (z.B.: Wird sie dieses Weihnachten noch erleben?)

Vielleicht so?

Die alleinerziehende Erin Brockovich mit Geldproblemen und ohne Ausbildung entdeckt bei ihrer Arbeit in einem Anwaltsbüro Ungereimtheiten bei einem Fall. Sie beginnt tiefer zu graben, stößt auf schwerkranke Familien und eine Verschleierung von Umweltsünden durch eine Chemiefirma, die Chrom ins Trinkwasser sickern ließ. Die Gesundheit vieler Menschen ist davon betroffen.

Erin nimmt den ungleichen Kampf gegen den Riesenkonzern auf. Doch dann droht sie den Job zu verlieren, ihre neue Partnerschaft und ebenso den Kontakt zu ihren Kindern. Die letzte Lösung scheint das Geld zu sein, das ihr die verbrecherische Firma bietet, wenn sie mit ihrer Recherche aufhört.

(Das entspricht so nicht ganz dem Film, habe ich aber aus dramaturgischen Gründen mal geändert.)

Und wenn deine Geschichte, wie die von Erin Brockovich, auch noch auf wahren Ereignissen beruht, dann musst du das auch unbedingt erwähnen. Das macht sie natürlich zu etwas ganz Besonderem!

Und so gehst du vor

Ein erster Entwurf

Es ist nicht einfach zu kürzen. Und dann auch noch alles spannend und bildhaft klingen zu lassen, au weia. Aber du schaffst das schon. Versuche es gleich mal und gehe davon aus, dass es ziemlich unperfekt sein wird. Aber besser du hast mal etwas in der Hand, mit dem du später weiterarbeiten kannst, als wenn du es nie versuchst.

Überarbeiten

Wenn du einen kurzen Entwurf hast, dann geht es ans Feilen. Konzentriere dich auf die wichtigsten Details. Was muss unbedingt rein, was kann weg, was bringt Spannung hinein, bzw. was steht wo auf dem Spiel?

Schreibe dir verschiedene Varianten auf. Lass es für einige Tage liegen und feile an der besten Variante weiter. Lies sie dir laut vor und höre, wie sie klingen (du kannst es auch aufnehmen und so besser anhören).

Kritiker miteinbeziehen

Teste deinen Pitch an wohlwollenden Kritikern. Was sagen sie dazu? Vielleicht stellst du auch eine zweite Variante dagegen. Welche gefällt deinen Zuhörern besser.

Als Nächstes heißt es üben, üben, üben. So lange, bis du die paar Sätze auch im Schlaf kannst, damit du sie auch sicher hervorbringst, wenn du noch so nervös bist.

Der Gang in die Öffentlichkeit

Und dann stelle deinen Pitch der Öffentlichkeit vor. Trau dich, es wird dir einen unglaublichen Schwung für dein Selbstbewusstsein geben! Du wirst als professioneller Autor wahrgenommen! Und das wiederum wird deinem ganzen Schreiben zu Gute kommen. Denn so wirst du viel motivierter dein Buch auch zu Ende schreiben und es auch wirklich verkaufen.

Und welche Erfahrungen hast du beim Pitchen gemacht?

 

Jurenka Jurk ist selbst Romanautorin, aber hauptsächlich unterrichtet sie mit Leidenschaft und viel persönlicher Betreuung, wie man Romane schreibt. Sie hat 2009 den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der IB Hochschule Berlin abgeschlossen und seither mehr als 200 angehende Autoren Schritt für Schritt bei ihren Schreibprojekten begleitet. www.schreibfluss.com

8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Den Ansatz habe ich auch verwendet. Sehr wichtig finde ich das Feedback von Gleichgesinnten, zum Beispiel von Autorenkollegen. Ein guter Pitch erzeugt Aufmerksamkeit bei Verlagen und Agenten. Und selbst wenn es dort nicht weitergeht, ist er immer noch eine gute Möglichkeit, seinen Text in den sozialen Medien zu bewerben.

  2. Super Artikel! So schaffen Einsteiger den Weg zum selbstsicheren Pitch und müssen nicht mehr kurzfristig mal in Ohnmacht fallen 😀
    Ein Tipp meinerseits: Den Pitch mit zwei oder drei befreundeten Autoren in einem aktiven Chat genauestens kritisieren und auseinandernehmen. Dabei kommen locker 15 Versionen rum, eine besser als die andere. Bis er irgendwann perfekt ist, und genau das ist wichtig für den Pitch!

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