Guter Schreibstil – 10 Tipps, wie du ihn erreichst!

Die einen meinen, es sei Franz Kafka, die anderen Thomas Mann. Manche reden von Dürrenmatt und manche von Hemingway.

Hemingway?

Echt jetzt?

Bei der Frage, welcher berühmte Schriftsteller den besten Schreibstil hatte, sind sich die Experten uneins. Und wenn man die Bücher der genannten Herren mal anschaut, wird schnell klar: Sie haben alle äußerst unterschiedlich geschrieben.

Wie soll es da überhaupt möglich sein zu erklären, was guten Schreibstil ausmacht? Ist es bloß eine subjektive Sache? Ein reines Geschmacksurteil?

Ja und Nein.

Guter Schreibstil – es lässt sich sehr wohl eine Antwort darauf geben, was das ist. Bloß eben nicht ganz so simpel, wie es auf manchen Seiten im Netz scheint.

Anstatt dir einen vorgegebenen Schreibstil anzutrainieren, solltest du deinen eigenen guten Schreibstil entwickeln. Die folgenden 5 Thesen und 10 Tipps verraten dir, was damit gemeint ist und wie es gelingt.

Die 10 Tipps in der praktischen Übersicht: Guter Schreibstil PDF

Die wichtigsten Grundprinzipien für deinen Schreibstil im Video:

Einen Roman schreiben (9) – Guter Schreibstil

Ein guter Schreibstil ist stimmig

Als Synonyme für „stimmig“ schlägt der Duden vor „übereinstimmend, zusammenpassend“ und eventuell „harmonisch“. Letzteres ist hier nicht gemeint. Ein guter Stil kann von sprachlichen Disharmonien nur so strotzen – und dennoch insgesamt stimmig sein.

Anhand von Beispielen lässt sich diese These am besten verstehen.

Woran also macht sich Stimmigkeit fest?

Genre

Ein Liebesroman ist für gewöhnlich anders geschrieben, als eine Krimikomödie. Leichte Unterhaltung in Form einer Novelle anders als ein anspruchsvoller Gesellschaftsroman.

Das eine ist nicht per se schlechter oder besser als das andere. Die Frage ist vielmehr, was ein Text sein möchte – und ob er das einhält.

Hast du vor, ein Kinderbuch zu schreiben, das auch schon Grundschüler locker weglesen können? Dann verzichte auf eine allzu komplexe Syntax.

Schreibst du an einem Wissenschaftsthriller, in dem nebenbei anspruchsvolle astrologische Probleme behandelt werden? Eine allzu einfache Sprache könnte unpassend sein.

Wie genau du schreiben solltest, hängt also eng mit dem Genre zusammen.

Und wenn du einen Roman schreibst, der überhaupt nicht in ein Genre passt? Wenn er sich gerade dadurch auszeichnet, dass er mit den Konventionen des Liebesromans bricht und durch Fantasy und Science-Fiction-Elemente etwas ganz Neues erschafft?

Dann sollte der Schreibstil eben zu diesem Bruch passen!

Erzähler

Indem du dir klar machst, was deinen Leser ausmachst, hilft dir das zu einem stimmigen Stil.

Erzählst du aus einer bestimmten personalen Perspektive? Dann sollte deine Sprache auch dieser Perspektive entsprechen. Eine Geschichte aus der Sicht eines Hausmanns liest sich anders als eine Geschichte aus der Sicht einer Managerin.

Oder hast du die auktoriale Erzählperspektive gewählt? Dann sollte auch hier ein ganz bestimmter Tonfall vorherrschen. Der auktoriale – häufig auch allwissende – Erzähler blickt mit einer ganz bestimmten Haltung auf die Figuren: kritisch, wohlwollend, ironisch oder wie auch immer.

Durchgängigkeit

Stimmigkeit bedeutet auch, dass du nicht ohne Notwendigkeit von deinem Schreibstil abweichst.

Das heißt nicht, dass du die ganze Zeit genau gleich schreiben musst. Mögliche stilistische Wechsel sollten jedoch nicht willkürlich erfolgen. Vielmehr kannst du sie nutzen, um den Inhalt deiner Geschichte zu unterstützen und ihr unterschiedliche Nuancen zu geben.

Ansonsten gilt jedoch: Bleib in einer Geschichte durchgängig bei einem Schreibstil. Alles andere wirkt unfertig und verwirrend.

Tipp 1: Lies in deinem Genre

Je nachdem, in welchem Genre du unterwegs bist, empfehlen sich unterschiedliche Schreibstile. Um deinen eigenen, stimmigen Stil zu entwickeln, hilft es, wenn du dich auf dem Literaturmarkt gut auskennst.

Das bedeutet nicht, dass du von anderen Autoren abschreiben sollst.

Lies jedoch viel und bewusst und analysiere, wie genau es deine Lieblingsautoren stilistisch anstellen, dass dich ihre Geschichten begeistern.

Tipp 2: Mach dir das Sprachniveau des Textes bewusst

Du solltest wissen, für wen du schreibst.

Möchtest du einen locker-flockigen Unterhaltungsroman abliefern? Oder geht es dir darum, einen ernstzunehmenden künstlerischen Beitrag zu einer aktuellen Debatte abzuliefern?

Dein Schreibstil sollte zu deinem Anspruch passen.

Hör dir auch die Podcast-Episode zum Thema „Guter Schreibstil“ an:

Zu gutem Schreibstil gehört Eigenständigkeit

Natürlich gibt es viele Unterhaltungsromane, die auf sehr ähnliche Weise geschrieben sind. Aber irgendeinen Grund muss es schließlich geben, warum sich die Literaturwissenschaft auf manche Werke stürzt, um sie zu analysieren – und die meisten überhaupt nicht registriert.

Und ich rede hier nicht von Klassikern.

In den Olymp des Feuilltons und der angesehenen Literaturpreise wirst du nur aufsteigen, wenn dein Roman auch sprachlich etwas Besonderes ist. Das bedeutet nicht, dass im Unterhaltungsroman ein eigenständiger Schreibstil nicht erlaubt ist. Er sollte jedoch weniger experimentell sein.

Sprachclichés

Nicht nur unser Denken ist von Clichés und Vorurteilen geprägt. Auch unsere Sprache besteht aus vielen Stereotypen:

  • Es lief ihm eiskalt den Rücken hinunter.
  • Ihr Blick war heiß wie Feuer.
  • Sie berührten sich und es sprühten Funken.
  • Dieser Tag sollte ihm bis zum Rest seines Lebens im Gedächtnis bleiben.

Na? Kommt dir irgendwas davon bekannt vor?

Die inflationäre Verwendung dieser und anderer Wendungen hat im Laufe der Jahre bei der Leserschaft zu einem Überdruss geführt. Im besten Fall sehen die Leser darüber hinweg und suchen den Reiz deines Textes allein in der Handlung. Im schlimmsten Fall legen sie das Buch angewidert zur Seite.

Finde lieber eigene Formulierungen für das von dir Erzählte. So macht am Ende nicht nur das Lesen, sondern auch das Schreiben mehr Spaß!

Einzigartigkeit der Sprache

Du kannst versuchen den Inhalt und die Fragestellung deiner Geschichte sprachlich abzubilden. Das ist freilich nicht ganz einfach. Wenn es dir jedoch gelingt, erreichst du einen einzigartigen Schreibstil, der genau zu deinem Text passt.

Hier ein paar Beispiele:

  • Der Junge im gestreiften Pijama von John Boyne wird aus der Sicht eines Neunjährigen erzählt. Daraus ergeben sich häufige Wiederholungen und kindliche Wendungen in der Sprache.
  • Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer imitiert gekonnt den Stil von E-Mails und macht uns damit gefühlt zum Mitleser einer scheinbar privaten Kommunikation.
  • Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling sind schön flapsig geschrieben und voll skuriler Bilder, so wie es zu einer Geschichte passt, in der auf einmal ein sprechendes Känguru bei einem einzieht.

Besonderheit der Figurenrede

Wenn deine Figuren sprechen, sollte das zu ihnen passen. Denn jeder Mensch spricht ein wenig anders. Das hat mit seinem sozialen Status, seiner Herkunft, seiner Persönlichkeit und der jeweiligen Situation zu tun.

Lege ein, zwei stilistische Besonderheiten für jede deiner Figuren fest und halte dich beim Schreiben daran. So verleihst du deinem Roman durch seine besonderen Dialoge stilistische Eigenständigkeit.

Tipp 3: Imitiere die Schreibstile anderer Autoren

Um ein Gespür für die ganze Bandbreite stilistische Möglichkeiten zu bekommen, kannst du den Stil anderer Autoren imitieren.

Auch hier geht es keinesfalls darum abzuschreiben. Du sollst natürlich dein eigenes Buch schreiben!

Das Ziel ist es auch nicht, dir den Stil eines anderen zu eigen zu machen.

Sieh es eher wie eine handwerkliche Ausbildung. Wenn du unterschiediche Schreibweisen beherrscht kannst du bei deinen eigenen Geschichten aus dem Vollen schöpfen. Während du schreibst, greifst du auf andere Schreibstile zurück, imitierst, kombinierst, führst sie weiter und entwickelst so nach und nach deinen ganz eigenen Stil.

Tipp 4: Frage dich: Gibt es eine noch treffendere Formulierung?

Sei beim Überarbeiten nicht allzu schnell mit deinen Formulierungen zufrieden. Frage dich lieber:

  • Lässt sich ein Ausdruck finden, der deine Idee noch besser auf den Punkt bringt?
  • Solltest du diesen oder jenen Satz umstellen?
  • Kommt so wirklich rüber, worum es geht?

Ein guter Schreibstil entsteht vor allem auch durch eine sorgfältige Überarbeitung deiner Geschichten.

Guter Schreibstil zeigt sich am Textrhythmus

Weshalb ist es so schwierig, guten Stil an ganz klaren Kriterien festzumachen?

Weil es ganz unterschiedliche Literatur gibt und es letztlich keinen rein objektiven Zugang.

Stattdessen bieten sich weichere Kriterien an, wie etwas der Textrhythmus: Die Sprache sollte so fließen, strömen oder vor sich hinplätschern, dass das Lesen nicht behindert und die Wirkung deiner Geschichte verstärkt wird.

Wie bekommst du das hin?

Inhalt und Syntax

Stell dir vor, du beschreibst den Luxus der königlichen Gemächer in einer Fantasygeschichte, und wählst dafür eine Art Telegrammstil:

Purpurfarbene Vorhänge. Goldene Wasserhähne. Dicke Teppiche aus Persien mit exotischen Ornamenten. Auf silbernen Tellern Berge voll gebratener Tauben. Rechts hinten ein riesiger Schachtisch. Die Figuren aus Diamenten.

Klingt ganz schön merkwürdig oder? Das liegt daran, dass der Telegrammstil nicht zu der Beschreibung passt.

Besser wäre es wohl so:

Purpurne Vorhänge fielen schwer zu Boden, dazwischen waren Waschbecken mit goldenen Wasserhähnen an der Wand angebracht. Ich machte einen Schritt nach vorne und entdeckte den persischen Teppich mit exotischen Ornamenten. Auf dem Tisch standen silberne Teller voll gebratener Tauben und als ich den Blick schweifen ließ, erkannte ich ein Schachbrett. Die Figuren blitzten mich an, sie schienen aus Diamenten gefertigt zu sein.

Das bedeutet nicht, dass der Telegrammstil grundsätzlich schlechter ist als diese szenische Beschreibung. Er passt bloß nicht zu der Situation. In einem anderen Moment, in dem kein Raum beschrieben wird, sondern Spannung aufgebaut werden soll, passt ein knapper Stil schon eher:

Hinter mir spürte ich eine Bewegung. Ich fuhr herum. Ein Lufthauch. Sonst nichts. Hatte ich mich getäuscht? Da. Der Vorhang am zweiten Fenster. Bewegte der sich etwa? Oder bildete ich mir das ein?

Abwechslung: Mal kurz, mal lang

Besonders einfach anzuwenden und dennoch sehr effektvoll ist ein gezielter Wechsel der Satzlänge. Übrigens eine tolle Sache, um Spannung zu erzeugen: Sobald die Spannung steigen soll, schreibst du kürzere Sätze.

Wenn es eher gemächlich zugeht, gewinnen sie wieder an Länge.

Doch auch hier solltest du dich auf dein Gefühl verlassen und dein Gespür immer weiter trainieren. Ein besonders kurzer Satz – vielleicht sogar noch in einem eigenen Absatz – entfaltet nur dann seine volle Wirkung, wenn er eine Besonderheit bleibt.

Rhythmische Effekte

Vor allem atmosphärisch kannst du durch einen geschickten Sprachrhythmus einiges erreichen. Der Leser merkt vielleicht überhaupt nicht warum, doch auf die Stimmung deiner Geschichte hat dies einen enormen Einfluss.

In Gedichten lassen sich diese Möglichkeiten besonders gut beobachten. Deshalb kannst du hier auch viel für dich lernen und einiges ins Schreiben von Geschichten oder Romanen übertragen.

Lies dir einmal „Aus“ von Kurt Tucholsky durch: Das Ende, der Verlust, wird hier jeweils durch einen Bruch des Sprachrhythmusses im dritten Vers der Strophen verdeutlicht.

Oder untersuche einmal ein berühmtes Sonett um zu verstehen, wie hier ein regelmäßiger Sprachrhythmus gelingt.

Tipp 5: Sei vorsichtig mit zu langen Sätzen

Es gibt keine Regel dafür, ob deine Sätze eher lang oder eher kurz sein sollten. Dennoch solltest du gute Argumente dafür haben, wenn du besonders lange Sätze schreibst.

Mit gekonnten langen Sätzen lassen sich durch die Strukturen auch Inhalte ausdrücken. Meist jedoch macht es das Lesen nur umständlich und den Text sperrig.

Sei hier also besonders kritisch mit dir selbst.

Tipp 6: Lies laut vor

Lies deinen Text laut vor. So bekommst du ein Gespür für den Rhythmus und gewinnst wichtige Erkenntnisse für die Feinarbeit. Mach dir an den Stellen Notizen, an denen es beim Vorlesen hakt und noch nicht rund läuft.

Oder nimm dich auf Tonband auf. Beim Zuhören kannst du dich dann voll und ganz auf den Text konzentrieren.

Guter Schreibstil spielt mit der Sprache

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie wir mit Sprache spielen können. Du kannst bekannte Wendungen verdrehen, Doppeldeutigkeiten ausnutzen, klangliche Ähnlichkeiten oder Widersprüche aneinanderreihen und vieles mehr.

Ein guter Stil ist sich dieser Möglichkeiten bewusst und nutzt sie so, dass die Geschichte dadurch gewinnt.

Rhetorische Figuren

Indem du dir einen Überblick über rhetorische Figuren verschaffst, erweiterst du dein Potential, mit Sprache zu spielen. Du solltest diese Figuren allerdings nicht im Übermaß anwenden. Es ist auch wenig hilfreich, eine Liste auf deinen Schreibtisch zu legen und immer mal wieder eine der Figuren herauszugreifen.

Vielmehr sollten dir diese Möglichkeiten in Fleisch und Blut übergeben. Je häufiger du sie in anderen Texten erkennst und ihre Wirkung verstehst, umso leichter wird es dir fallen, sie auf passende Weise selbst anzuwenden.

Bilder, Metaphern, Vergleiche

Eine bildhafte Sprache ist viel mehr als bloß der Zuckerguss auf der Torte. Treffende Metaphern können den Leser zum Lachen bringen oder ihm auf einen Schlag aufzeigen, was in deiner Geschichte gerade los ist.

Doch wenn die Sache knapp daneben geht, kann es schnell peinlich wirken. „Gewollt und nicht gekonnt“, lautet dann das Urteil des Lesers.

Dennoch: Du solltest nicht verzagen. Sei mutig und wage es, eigene Bilder, Metaphern und Vergleiche zu finden, die du so noch nicht gehört hast. Hol dir dazu ein Feedback von deinen Lesern ein, ob das wirklich passt. So verbesserst du dich immer weiter.

Tipp 7: Bring Sinneswahrnehmungen zur Sprache

Wenn du achtsam durchs Leben gehst, tust du damit sehr viel Gutes für dein Schreiben. Die bewussten Sinneswahrnehmungen kannst du wunderbar in deine Texte einfließen lassen.

  • Was hörst du auf einem Frühlingsspaziergang?
  • Was siehst du im Winter, wenn du durch den Wald läufst?
  • Was riechst du alles im Keller?
  • Was auf dem Dachboden?
  • Wie genau schmeckt eigentlich Kaiserschmarrn?

Schärfe dein Bewusstsein und lass deine Erfahrungen in deine Texte einfließen.

Ihr Blick ruhte auf mir wie die letzten Sonnenstrahlen vor dem Einbruch der Dunkelheit“ fällt mir dazu spontan als Beispiel ein.

Gut, vielleicht etwas pathetisch.

Aber weitaus besser als „Ihr Blick ruhte müde und mit letzter Kraft auf mir“ – oder?

Tipp 8: Übe verrückte Vergleiche

Du kannst deine Fähigkeiten, bildhaft zu schreiben, bewusst trainieren.

Nimm dir vor, einen Text mit so vielen verrückten Vergleichen wie möglich zu schreiben. Ich mach es dir einmal vor:

Ich fühle mich gerade wie ein ausgekotzter Schlumpf. Dabei wollte ich doch eigentlich einen schönen Tag erleben, so wie damals mit meiner besten Freundin am Strand von Ibiza. Da ging’s mir noch gut. Naja, abgesehen von meiner Haut, die leuchtete wie ein Feuerwehrauto…

So sollst du natürlich nicht immer schreiben!

Wenn du jedoch ein Stilmittel mal so richtig exsessiv ausprobierst, kannst du es später genau dann anwenden, wenn du es brauchst.

Der Leser erfährt selbst etwas – das zeugt von gutem Stil

Es gibt nicht langweiligeres als eine Geschichte, in der einem alles vorgekaut wird.

Der Leser möchte lieber selbst etwas erfahren, als für doof gehalten zu werden. Geschichten erfinden reicht eben nicht. Du solltest mit ihnen auch Bilder erzeugen. Durch einen guten Stil lässt sich das erreichen.

Beschreibend versus wertend

Versuche möglichst exakt wiederzugeben, was die Figuren in deiner Geschichte wahrnehmen. Dadurch wird für den Leser deutlich, was ihnen wichtig ist, was sie beschäftigt und wie sie etwas finden. Sag es jedoch möglichst selten direkt. Das verdirbt beim Lesen häufig den Spaß an der Sache. Also lieber:

Ich öffnete die Küchentür und hielt mir die Hand vor die Nase. Es roch nach Fisch und faulen Eiern. Ich fuhr herum, doch der Vermieter war offenbar schon gegangen.

als:

Ich öffnete die Küchentür und erschrak, denn es roch widerlich. Wütend drehte ich mich nach dem Vermieter um. Doch der war offenbar schon gegangen.

Leerstelle statt Dopplung

Nicht nur viele Schreibanfänger befürchten, dass nicht rüberkommt, was gemeint ist. Auch erfahrenen Autoren passiert das. Sie vertrauen nicht darauf, dass der Leser durch die Handlung versteht, was los ist. Deshalb sagen sie es nochmal.

Für den Leser entstehen so Dopplungen, die ihn verärgern.

Arbeite lieber mit Leerstellen, bei denen sich der Leser seinen Teil selbst denken kann. Dadurch bringst du auch auf der Mikroebene Spannung in deinen Text.

Tipp 9: Sei vorsichtig mit wertenden Adjektiven

Viele Stilpäpste warnen vor Adjektiven. Dabei sind diese kleinen Wörtchen nicht per se schlecht. Sie können zum Beispiel bei Beschreibungen eingesetzt werden, um ins Detail zu gehen. Doch Vorsicht: Unterscheide zwischen beschreibenden und wertenden Adjektiven. Du möchtest ja dem Leser nicht vorschreiben, wie er etwas zu finden hat. Besser ist, du zeigst es ihm durch die Figurenhandlung.

Tipp 10: Streiche Unnötiges

Geh beim Überarbeiten bewusst auf die Suche, was du weglassen kannst. Das ist meist mehr, als man denkt. Auch wenn es manchmal schwer fällt sich von den eigenen Formulierungen zu trennen. Tu dir selbst den Gefallen. Das strafft deinen Text und er gewinnt an Qualität.

Auf dem Weg zu deinem Schreibstil

Die Entwicklung eines eigenen Stils braucht Zeit. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin zu verstehen, welche Stilfallen du vermeiden solltest. Viel schwieriger ist es, das Gelernte tatsächlich anzuwenden.

Wechsle immer wieder bewusst zwischen Schreib- und Überarbeitungsphasen. Die Suche nach einem guten Stil sollte dir ja nicht den Spaß an der Sache nehmen.

Gut Schreiben ist nicht nur eine Frage des Schreibstils. Lass dich lieber vom Schreibflow treiben und überarbeite hinterher. So wirst du automatisch auch beim Schreiben besser. Denn deine Erkenntnisse während der Überarbeitung wirken sich darauf aus.

Wie wichtig findest du einen guten Schreibstil, wenn du Geschichten liest?

5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Danke für die Tipps. Wie ist das bei dir, wenn du schreibst? Hast du all diese Feinheiten immer vor Augen? Oder bei der Überarbeitung zur Hand? Oder weißt du, dass du vor allem in diesem oder jenem bestimmten Bereich gerne „Fehler“ machst und achtest vor allem auf diese?

    1. Hey Phiilipp,
      ich finde die Prinzipien und Feinheiten vor allem bei der Überarbeitung wichtig. Gehe ich dabei sorgfältig vor, so strahlt dies aber auch auf das eigentliche Schreiben aus. Sicherlich geht es nicht darum, die ganze Zeit irgendwelche „Regeln“ vor Augen zu haben. Das würde dem Schreiben den Flow nehmen.
      Liebe Grüße!
      Andreas

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