Wie eine Schreibgruppe dein Schreiben voranbringt

Deutschlehrer sein ist manchmal nicht einfach. Vor allem, wenn ich als Vertretungslehrer in eine 8. Klasse geschickt werde, die eigentlich Sport gehabt hätte. Da kann es schon einmal sein, dass mir der geballte Hass entgegen schlägt, wenn ich zur Tür hereinkomme.

Doch bisher ist es mir noch jedes Mal gelungen, die Situation zum Positiven zu wenden und die Schüler in einen kreativen Flow zu versetzen.

Wie?

Durch Schreiben! Unglaublich, aber wahr.

Allerdings nicht durch irgendwelches Schreiben. Sondern durch Schreiben in der Gruppe. Das bringt nämlich nicht nur einen Inspirationsschub mit sich, sondern macht auch noch Spaß!

Wie auch du eine Schreibgruppe für dein eigenes Schreiben nutzen kannst, erkläre ich anhand der folgenden drei Bereiche.

Bereich 1: Inspiration und Ideenfindung

Inspiration und Ideenfindung ist beim Schreiben äußerst wichtig. Denn nur, wenn dich ein Thema, eine Perspektive oder ein Anfang begeistern, bist du wirklich motiviert.

Bist du jedoch in Sachen Inspiration auf dich allein angewiesen, drehst du dich häufig im Kreis. Dann fehlen einfach Impulse, die dein Denken mit frischem Wind versorgen.

Dann hilft eine Schreibgruppe.

Unterschiedliche Methoden oder Herangehensweisen können zur Ideenfindung dienen:

  • Gemeinsames Brainstorming, Clustern oder Freewriting: Auf einem möglichst großen Blatt Papier führen die Gruppenmitglieder eine Art Schreibgespräch. Mehrere Personen arbeiten so gemeinsam an einem Blatt. Dabei sollte nicht gesprochen werden, damit in einer konzentrierten Atmosphäre neue Ideen entstehen können.Je nach Gruppengröße bietet es sich eventuell an, mehrere Blätter zu nutzen. So kann auch jeder Teilnehmer auf seinem Blatt beginnen und dann gehen die Teilnehmer von Blatt zu Blatt und ergänzen ihre Einfälle.So wird ein viel umfassenderer Ideenschatz kreiert, als wenn man allein arbeitet. Und das häufig in atemberaubendem Tempo, da sich die Ideen der Teilnehmer gegenseitig befruchten.
  • Manchmal haben wir beim Schreiben nicht zu wenige Möglichkeiten, sondern zu viele. Ganz ohne Einschränkungen zu schreiben, kann schwierig sein, wenn uns der innere Antrieb fehlt, den eine zündende Idee verursacht.In der Schreibgruppe können die Mitglieder sich gegenseitig Vorgaben machen, was oder wie sie zu schreiben haben. Z.B. können einzelne Worte vorgegeben werden, die in der Geschichte vorkommen sollen, oder die Hauptfiguren. Auch formale Vorgaben sind möglich – wie wäre es einmal, eine Geschichte ganz ohne Adjektive zu schreiben?Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Vorgaben dürfen ruhig überraschend und speziell sein. Die Einschränkungen regen beim Schreiben deine Kreativität an und du kommst auf neue Einfälle.
  • Auch wenn du zwar konkrete Ideen hast, aber nicht weißt, für welche du dich entscheiden sollst, kann eine Gruppe helfen. Hol dir einfach mal die Meinung der anderen ein.Oder steckst du gerade in einer Geschichte oder in einem längeren Schreibprojekt fest?Schilder doch einmal die bisherige Handlung und lass die anderen Teilnehmer frei assoziieren, was im Folgenden geschehen könnte. Du solltest dich ganz genüsslich zurücklehnen und einfach nur zuhören. Vielleicht ist ja die ein oder andere Idee dabei, die dich weiterbringt?

Bereich 2: Kooperatives Erzählen

Das Erzählen befindet sich in unserer (post-)modernen Welt auf dem absteigenden Ast. Die Zeiten, in denen wir uns am Lagerfeuer mit Geschichten wach hielten, sind schon lange vorbei. Doch nun scheinen auch die alltäglichen Erzählungen über Urlaubserlebnisse oder Wochenendausflüge immer mehr der Vergangenheit anzugehören.

Stattdessen wird geteilt, was das Zeug hält, am besten schon während man es erlebt.

Wer will da schon etwas von Ereignissen hören, die womöglich schon Stunden oder gar Tage zurückliegen?

Doch noch ist das Geschichten-Erzählen nicht ausgestorben und solange es Menschen gibt, werden sie sich wohl auch Geschichten erzählen.

Es ist jedoch schwerer geworden, richtig gut darin zu werden. Denn es fehlt uns einfach die Übung.

Das gemeinsame Erzählen in der Gruppe bringt nicht nur unsere Fähigkeiten als Geschichtenerzähler wieder auf Vordermann.

Es macht auch einfach unendlich Spaß!

Erzählen in der Schreibgruppe – Möglichkeiten:

  • Erzählt euch in eurer Schreibgruppe reihum eine Geschichte. Davor werden drei, vier Wörter festgelegt, die unbedingt in der Geschichte vorkommen sollen. Und jeder darf nur einen einzigen Satz sagen. Hier wird die gesamte Aufmerksamkeit auf den Fortgang der Handlung gelenkt. Jeder denkt sich im Kopf aus, wie die Geschichte weitergehen könnte und ist daran interessiert, was gesagt wird. Noch stärker zuspitzen lässt sich dieses Prinzipp, wenn jeder nur ein Wort sagen darf. Bei dieser Variante empfiehlt es sich, einen Moderator zu bestimmen, der ab und an zusammenfasst, was bisher geschehen ist. In einer gemeinsamen Reflexion kann die Geschichte im Anschluss bewertet werden. Welche Wendungen waren gelungen? Wo hätte es Alternativen gegeben, die die Geschichte besser gemacht hätten?
  • Kooperatives Erzählen lässt sich auch schreibend bewerkstelligen. Hier ist der Vorteil, dass gleichzeitig eine ganze Reihe an Geschichten entstehen kann. Jeder Teilnehmer nimmt ein Blatt und notiert zwei Anfangssätze. Dann knickt er das Blatt so um, dass nur der letzte Satz zu sehen ist und gibt es weiter. Der nächste Teilnehmer schreibt wieder zwei Sätze, knickt das Blatt um und gibt es weiter.Am Ende werden alle Geschichten vorgelesen. Neben dem hohen Unterhaltungsfaktor kann auch diskutiert werden, was die Geschichten absurd und unglaubwürdig macht und welche Teile dennoch gelungen sind und warum.
  • Ein wenig gezielter lässt sich das Erzählen gemeinsam entwickeln, indem die einzelnen Teile einer Geschichte von unterschiedlichen Teilnehmern verfasst werden. Eine Aufgabe kann z.B. lauten, das Ende einer Geschichte zu schreiben und die Blätter dann zu tauschen. Jeder soll nun den Rest der Geschichte so schreiben, dass er zum Ende passt. Dabei sollte sowohl auf den Stil als auch auf die Handlung geachtet werden.Beim Vorlesen der entstandenen Texte sollte besprochen werden, inwiefern Anfang, Mitte und Ende zueinander passen. Hieraus lässt sich erarbeiten, was eine gute, zusammenhängende Geschichte eigentlich ausmacht.

Bereich 3: Gemeinsames Überarbeiten

Das Schreiben in der Gruppe eröffnet die großartige Möglichkeit, ein persönliches Feedback zu bekommen. Aber wie geht das so, dass sich kein Teilnehmer angegriffen fühlt und jeder etwas mitnimmt?

Ideen für’s Feedback in der Schreibgruppe:

  • Beim Vorlesen sollte unbedingt darauf geachtet werden, langsam und deutlich zu lesen. Manchmal ist es notwendig, einen Text mehrmals hintereinander vorzulesen. Die Zuhörer sollten sich Notizen machen, vor allem wenn es sich um längere Texte handelt. Nur so kann jeder ein qualifiziertes Feedback geben und auf konkrete Textstellen hinweisen.
  • Ein hilfreiches Feedback bezieht sich zuerst auf die positiven, gelungenen Aspekte des Textes. Ein neuer Text ist entstanden, davor gab es ihn nicht. Dies allein ist Grund genug, eine wertschätzende Rückmeldung zu geben. Außerdem gibt es an jedem Text etwas Gelungenes. Kritische Überlegungen sollten nur geäußert werden, wenn dies erwünscht ist. Hilfreicher als Kritik ist es, die eigenen subjektiven Hörerlebnisse zu schildern oder auf Alternativen für den Text hinzuweisen.
  • Um die Gruppe für ein vielschichtiges Feedback optimal zu nutzen, lassen sich Höraufträge verteilen. Je nachdem, für welche Bereiche du dir ein Feedback wünscht, können sich die einzelnen Teilnehmer jeweils v.a. auf den Stil, die Spannung, die Dialoge etc. konzentrieren.

In der Gruppe schreiben als Kreativboost

In einer Schreibgruppe schreiben – Das bedeutet Gleichgesinnte zu finden und nicht nur einsam daheim vor sich hinzuwerkeln. Doch wie findet man die?

Neben dem Besuch eines Schreibseminars bieten Foren oder Soziale Netzwerke die Möglichkeit, andere Autoren kennenzulernen.

Gute Schreibseminare haben jedoch für dich den Vorteil, dass du persönliche Tipps vom Experten bekommst, die dich in deiner Entwicklung ein riesiges Stück voranbringen werden. Doch auch das unverbindliche Treffen in Schreibgruppen außerhalb von Seminaren mit einem profesionellen Schreibtrainer können ein Anfang sein.

Nutze die vielen Vorteile daran, in der Gruppe zu schreiben und hebe so deine Kreativität in ungeahnte Höhen!

Hast du schon einmal in einer Schreibgruppe geschrieben?

Dieses Schreibseminar bietet einen idealen Einstieg!

8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Andreas,
    Ich bin ein Fan von Schreibgruppen und habe sogar zwei. Nach Deinem Artikel werde ich das Thema „Kritik“ beim nächsten Treffen ansprechen. Wir gehen mitunter sehr kritisch miteinander um – da kommen die positiven Aspekte oft zu kurz. Man lernt ja durchaus von beiden.

    Meine 2. Schreibgruppe ist eine Ergänzung zu Deinem Artikel: Ich treffe mich mit einem Kollegen im Café zum Schreiben. Wir besprechen keine Texte, sondern schreiben jeder für sich. Das Schreiben hat so einen Termin und kann nicht einfach verschoben werden.

    LG und Danke für den Beitrag! Ricarda

    1. Liebe Ricarda,

      vielen Dank für deine Erfahrungen. Das mit der Kritik klingt ein wenig beängstigend 🙂

      Das gemeinsame Schreiben im Café ist in der Tat eine schöne Ergänzung!

      Schöne Schreibgrüße nach Berlin!

      Andreas

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