Roman plotten – 10 gute Gründe (Nie wieder planlos!)

Die Romanidee entfacht ein Feuer in dir. Voller Kraft und Elan greifst du zum Stift. Seite um Seite füllt sich wie von Zauberhand, die Handlung nimmt manch überraschende Wendung, du staunst selbst, was die Figuren so treiben und nimmst jeden neuen Einfall, jede weitere Ebene freudig auf.

Dann ist plötzlich Schluss.

Du hast bereits fünfzig, achtzig, vielleicht sogar hundert Seiten geschrieben.

Doch auf einmal geht nichts mehr.

Nun betrachtest du dein Werk. Versuchst nach einem roten Faden zu greifen. Doch bekommst bloß lose Enden in die Finger. Würdest sie gerne zusammenbringen. Doch verhedderst dich dabei immer mehr. Schließlich gestehst du dir ein: ohne Plan, was du eigentlich tust, kommst du nirgendwo hin.

Gute Gründe sprechen dafür, deine Story sorgfältig zu plotten. Welche es sind und weshalb das Plotten trotzdem kein Allheilmittel ist, erfährst du in diesem Artikel.

Einen Roman plotten – zehn gute Gründe

Orientierung beim Schreiben

Falls du während des Schreibens nicht weiter weißt, ziehst du einfach deinen Plot hervor und schaust, wo du gerade steckst. Du kannst also flexibel zwischen Schreib- und Planungsebene wechseln. Falls du von deinen Vorarbeiten nicht mehr überzeugt bist, überarbeitest du den Plot einfach. Das geht allerdings nur, wenn du überhaupt einen vorliegen hast.

Deine Geschichte besser verstehen

Die reine Romanidee reicht häufig nicht aus, um mit dem Schreiben anzufangen. Es hilft, wenn du bereits etwas mehr über die handelnden Figuren, ihre Ziele und ihre Motivation weißt.

Des Weiteren erlaubt dir das Plotten, die wichtigsten Wendepunkte deiner Geschichte und ihre Spannungskurve zu entwerfen. Wenn du den ersten Satz deines Romans schreibst, hast du bereits eine Ahnung, wo die Reise hingehen soll.

Dramaturgische Muster gezielt anwenden

Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, die Handlung eines Romans aufzubauen. Und doch können bewährte Modelle wie die 3-Akt-Struktur oder die Heldenreise hilfreich sein, um eine fesselnde Geschichte zu entwerfen.

Plotmodelle erleichtern dir die Arbeit am eigenen Roman.

Diese sind nicht als Regeln oder Vorschriften zu verstehen. Schließlich leiten sie sich aus bereits bestehenden Geschichten ab. Sie sagen dir nicht, was du zu schreiben hast, sondern unterstützen dich darin, die Handlung deines Romans spannend zu konstruieren.

Richtig anwenden kannst du dramaturgische Modelle allerdings nur, indem du deine gesamte Geschichte auf einmal in den Blick nimmst – und genau das gelingt dir, indem du plottest.

Keine Verzettelung

Das Schreiben eines Romans ist ein Mammutprojekt.

An vielen Ecken lauert die Gefahr, dich zu verzetteln: Es kommen ständig neue Figuren hinzu, die auch noch eine Rolle in deiner Geschichte spielen wollen. Du erfindest Erzählstrang um Erzählstrang, um deiner Story die nötige Komplexität zu verleihen. Mittendrin kommt dir der Einfall, eine Geschichte in der Geschichte zu erzählen, in der wieder eine Geschichte eingebettet ist …

Indem du einen Plot vorliegen hast, kannst du deinen Ideen nachgehen und dich von deinen Figuren auch mal auf Abwege führen lassen. Du brauchst trotzdem keine Angst zu haben, dich darin zu verlieren.

Wenn du nicht mehr weißt, worum es in deinem Buch eigentlich geht, welche deiner Baustellen überhaupt wesentlich ist, nimmst du wieder den Plot in den Blick. So kannst du Nebenstränge in die Haupthandlung integrieren und deinen kreativen Impulsen nachgehen, ohne vom Weg abzukommen.

Genreregeln beachten

Was für einen Roman möchtest du schreiben? Ist er eher im Bereich U-Literatur oder im Bereich E-Literatur anzuordnen? Möchtest du ein bestimmtes Genre bedienen? Falls ja, weißt du, welche Strukturen, Motive und Regeln in deinem Genre gelten?

Solltest du Genreliteratur im engeren Sinn verfassen, hilft dir das Plotten dabei, die Erwartungen deiner Leser nicht zu enttäuschen. So ist es viel einfacher abzuklopfen, ob dein Projekt tatsächlich ein Liebes-, Entwicklungs- oder Fantasyroman ist und was du noch daran ändern solltest, damit es ein richtig gutes Exemplar seiner Gattung wird.

Nichts übereilen

Viele Autoren sind von ihrer Idee so Feuer und Flamme, dass sie auf der Stelle anfangen zu schreiben. Einerseits ist es schön, wenn du so motiviert bist. Andererseits können sich daraus viele Probleme ergeben:

  • Du kennst deine Figuren noch nicht richtig und weißt nicht, welches ihre wahren Wünsche und Motive sind.
  • Während des Schreibens kristallisiert sich erst heraus, wo dich deine Idee hinführt und nichts passt mehr zusammen.
  • Die Herausforderungen deiner Handlung im zeitlichen, logischen und psychologischen Sinn fallen dir erst nach und nach auf und es gelingt dir nicht, sie zu lösen.

Indem du deinen Roman plottest, bevor du mit dem eigentlichen Schreiben anfängst, bewahrst du dich davor, die Sache zu überstürzen.

Manchmal fällt es ganz schön schwer, sich dermaßen zu bremsen.

Doch wenn dir dein Projekt wichtig ist, solltest du die Geschichte erst einmal ausarbeiten, um ihr Gelingen nicht vollkommen aufs Spiel zu setzen.

Du hast einen zeitlichen Überblick über deine Story

Die Handlung eines Romans kann sich innerhalb einer einzigen Stunde abspielen, ein ganzes Menschenleben umspannen oder sogar mehrere Jahrtausende. Beim Erzählen deiner Geschichte kannst du linear nach vorne schreiten, mit Rückblicken erzählen oder wild hin und herspringen.

Wenn es um die Zeit geht, ist in einem Roman so ziemlich alles möglich. Doch je komplizierter die Struktur der Geschichte und deine Erzählweise ist, umso größer ist die Gefahr, hierbei den Überblick zu verlieren und sich in Widersprüchen zu verfangen.

Das Plotten ist eine große Hilfe, um die zeitliche Dimension deiner Romanhandlung im Griff zu behalten. Erst durch die Zusammenfassung deiner Geschichte erhältst du den notwendigen Überblick. Wenn das Geschehen besonders kompliziert ist, kannst du dem Plot mit Leichtigkeit eine Timeline zur Seite stellen, auf der du den Zeitpunkt der Ereignisse einträgst.

Zum guten Geschichtenerzähler werden

Das Plotten hilft dir nicht nur beim Verfassen eines Romans.

Es unterstützt dich auch in deiner Entwicklung als Autor.

Nicht aus jeder Idee wird am Ende ein fertiges Buch. Und nicht jeder von dir verfasste Romanplot muss dich dermaßen überzeugen, dass du das Werk tatsächlich zu Papier bringst.

Manchmal wirst du beim Plotten feststellen, dass du die Geschichte gar nicht (mehr) schreiben möchtest. Doch selbst dann war das Plotten nicht umsonst.

Zum einen hast du dich davor bewahrt, viel Zeit damit zu verbringen, an einem aussichtslosen Projekt zu schreiben. Zum anderen lernst du mit jeder entworfenen Geschichte, wie du die Handlung spannend aufbaust. Du wirst Stück für Stück zum besseren Geschichtenerzähler.

Komplexe Erzählstrukturen entwerfen

Manche Genres verlangen nach einer besonders hohen Komplexität. In einem guten Kriminalroman oder Thriller ist nicht von Beginn an abzusehen, wer der Bösewicht ist oder weshalb er getan hat, was er getan hat. Am Ende sollte sich der Leser bei der Lösung sagen:

„Hätte ich’s mir doch denken können!“

Doch er hat es sich nicht gedacht.

Die falschen und richtigen Spuren und Hinweise, Schlussfolgerungen und Ablenkungsmanöver ordnen sich erst im Nachhinein zu einem stimmigen Bild.

So natürlich diese Umstände während des Lesens wirken können, so anspruchsvoll ist die notwendige Vorausplanung für den Autor. Das Plotten kann enorm dabei helfen, diese Herausforderung zu bewältigen.

Ein Gespür für die Marktchancen entwickeln

Viele Autoren wollen oder müssen mit ihren Büchern Geld verdienen. Dafür ist es entscheidend, dass es für ihren Roman potentielle Käufer gibt.

Wenn du einfach drauflos schreibst, ist nicht abzusehen, wohin sich deine Romanidee entwickelt. Lässt sich deine Idee später an die Leserschaft bringen?

Eine Antwort auf diese Frage fällt schwer.

Wenn du deine Geschichte zuvor plottest, hast du eine viel klarere Vorstellung von ihr. Dies erlaubt dir, bereits vor dem Schreiben abzuklären, ob es einen Markt für sie gibt. Häufig ist es nicht einfach, dies ganz allein zu entscheiden. Dann lohnt es sich, einen Schreibtrainer, Autorencoach oder Autorenberater draufschauen zu lassen oder dein Projekt in einem Schreibseminar vorzustellen.

Weshalb das Plotten kein Allheilmittel ist

Bei all den Lobeshymnen sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das Plotten auch Gefahren mit sich bringt. Um die Herausforderungen des Romanschreibens zu bewältigen, reicht es keinesfalls aus gut zu plotten. Und manchmal kann es sogar schädlich sein.

Im Folgenden schildere ich drei konkrete Schwierigkeiten, falls du dem Plotten zu großes Gewicht einräumst oder es zu dogmatisch verfolgst.

Gefahr 1: Die Figurenentwicklung kommt zu kurz

Wenn du dich allein auf die Handlung fixierst, findest du nicht heraus, was deine Figuren eigentlich wollen. Die Romanhandlung und deine Charaktere sollten sich auseinander ergeben. Ist dir nicht klar, über wen du eigentlich schreibst, wird es extrem schwierig für den Leser, sich mit dem Helden deiner Geschichte zu identifizieren.

Gefahr 2: Du zwingst deine Geschichte in ein Korsett

Die Ausgangs-, Wende- und Höhepunkte, von denen in dramaturgischen Modellen die Rede ist, helfen dir dabei, deine Geschichte zu optimieren. Durch sie verstehst du im besten Fall, welche Aufs und Abs deine Romanfiguren durchmachen, an welchem Punkt sich Glück zu Pech wandelt und Pech zu Glück, in welchem Moment sich alles zum Guten wendet oder den Bach runtergeht.

Verstehst du die Plotmodelle jedoch fälschlicherweise als Regel oder Vorschrift, stülpst du sie über deine Romanidee und schnürst ihr die Luft ab. Die bräuchte sie jedoch dringend, um zu wachsen und Früchte zu tragen.

Gefahr 3: Dir vergeht die Lust am Kreativen Schreiben

Du hast dich wochen- oder gar monatelang mit den Vorausplanungen zu deinem Roman beschäftigt, doch irgendwie ist die Geschichte noch immer nicht rund.

Ursprünglich wolltest du dich kreativ betätigen.

Doch so langsam kommst du dir vor wie ein Architekt am Reißbrett, der versucht ein Gebäude zu planen, dessen Wände, Böden und Dach windschief wirken, ganz egal was er macht. Irgendwann will er das Haus nicht mehr sehen, obwohl noch keine einzige Wand steht.

Wenn du das Plotten nutzt, um den Kern deiner Geschichte und ihre Wendepunkte zu ergründen, kann das motivierend sein. Du kannst es jedoch auch übertreiben, indem du versuchst, jedes kleinste Detail vor dem Schreiben zu klären. Dann ist deine Lust dahin, bevor du richtig angefangen hast.

Finde deinen eigenen Schreibweg

So hilfreich das Plotten in vielerlei Hinsicht auch sein kann – vergiss niemals, auf deine ganz eigene Weise zu schreiben. Sowohl das Freie Schreiben als auch das Plotten haben beim Romanschreiben ihre Berechtigung. Es geht darum, das richtige Gleichgewicht zu finden.

Probiere am besten unterschiedliche Vorgehensweisen aus und achte darauf, welche dir am meisten liegt. So kannst du die Chancen des Plottens für dich nutzen und zugleich die Gefahren vermeiden.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Plotten gemacht?

4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Andreas,
    Meine erstes Projekt habe ich vollkommen frei geschrieben. Ich muss zugeben, damals wusste ich nicht einmal was Plotten ist 🙂
    Ich denke heute, hätte ich damals schon geplottet, hätte ich mir immens viel Zeit und Nerven sparen können. (Vor allem weil das Projekt immer noch nicht fertig ist, aber momentan auf Eis liegt) Auf der anderen Seite, hatte ich ursprünglich eine ganz andere Richtung im Sinn, als die wohin sich letztlich alles entwickelt hat. Es hätte niemals diese Welt entstehen können, die sie nun ist. Es ist im Grunde interessant zu betrachten wie unvorhersehbar sich durch die Planlosigkeit alles entwickelt hat. Wie sich bspw. aus einer nur kurz am Rande erwähnten Nebenfigur, einer der härtesten Antagonisten entwickelt hat,…
    Das zweite Projekt, das ich momentan in Arbeit habe und eine Vorgeschichte zur ersten ist, habe ich erst mit der Schneeflocken-Methode geplottet. Zum Glück, denn bei der Entwicklung der Szenentabelle wurde rasch offenbar: „Alter, das bringst du niemals in einem Band unter“ Ich konnte dadurch aber einen konkreten Teil auskoppeln und mit der Heldenreise erneut plotten.
    Nun ist (zwar) eine bestimmte Richtung vorgegeben, aber die Arbeit geht viel schneller voran, weil ich die Figuren dadurch viel besser unter Kontrolle habe und sie „erziehen“ kann.

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