8 effektive Lesetipps für Autoren!

Kann man Schreiben wirklich nur durch Schreiben lernen, wie manche Autoren behaupten? Nein, auch durch Lesen!

Das leuchtet vielen auf Anhieb ein. Doch:

  • Wie genau soll man so sein Schreiben verbessern?
  • Was soll man denn lesen, damit es etwas bringt?
  • Was muss man dabei beachten?

Lern jetzt die acht effektivsten Lesetipps für Autoren kennen, mit denen du dein Schreiben durch Lesen verbesserst.

1. Lies Schreibratgeber

Es liegt auf der Hand: Du liest, wie kreatives Schreiben funktioniert, und schreibst dadurch besser. Schreibratgeber bieten dafür unterschiedliche Ansatzpunkte. Es gibt umfassende Standardwerke, die versuchen, alle Aspekte des Schreibens zu berücksichtigen. Und es gibt Ratgeber, die auf Einzelaspekte eingehen, wie z.B. die Entwicklung eines Plots oder die vielschichtiger Charaktere.

Der Vorteil an Schreibratgebern ist, dass wir auf eine breite Wissensbasis zurückgreifen können, statt zu versuchen, das Rad neu zu erfinden. Es gibt einfach Techniken, die funktionieren, wir müssen sie nur kennen. Wie wir schreiben müssen, um Leser zu packen, und um das Geschehen wie einen Film vor ihrem inneren Auge ablaufen zu lassen, ist kein Geheimnis mehr.

Und doch: Die Umsetzung all dieser Tipps in die eigene Schreibpraxis fällt häufig nicht leicht. Manch einer kommt um so schwerer in den Schreibflow, je mehr Regeln und Ratschläge er kennt. Das theoretische Wissen garantiert noch nicht, dass du es auch praktisch umsetzen kannst. So besteht die Gefahr, zu sehr auf vorgespurten Pfaden zu wandeln und zu wenig auf den eigenen, individuellen Weg zu vertrauen und deinen eigenen Stil zu entwickeln. Eine ausführliche Vorstellung ausgewählter Schreibratgeber findest du hier und eine detaillierte Liste mit vielen Geheimtipps hier.

2. Nutze Schreibratgeber als Nachschlagewerke

Schreibratgeber lassen sich unterschiedlich nutzen. Ideal ist es, das eigene Schreiben in den Vordergrund zu stellen, anstatt sich mit Regeln vollzustopfen, ohne dabei auf den reichen Wissensschatz erfahrener Schreiber zu verzichten. Damit dies gelingt, gibt es eine bewährte Vorgehensweise: Betrachte Schreibratgeber nicht länger als Kochrezept, das dir sagt, welche Zutaten du brauchst und wie du sie zusammenrührst, um eine schmackhafte Geschichte zu bekommen. Versteh sie lieber als Werkzeug, das du hinzuziehen kannst, wenn es mal klemmt. Statt den Ratgeber von vorne bis hinten zu lesen, nimmst du ihn zur Hand, wenn du ihn brauchst.

Dein Protagonist verhält sich in einer Szene irgendwie komisch, du nimmst ihm nicht so ganz ab, wie er sich gibt? Schlag nach, was du tun kannst, um deinen Figuren mehr Tiefe zu geben. Deine gesamte Handlung macht an einer bestimmten Stelle einen Knick, so dass du nicht mehr weißt, worauf alles hinausläuft? Lies nach, welche bewährten Plot-Formen es gibt und überlege, zu welcher davon deine Story wohl passt. Dein Roman steht im Großen und Ganzen, doch irgendwie werden die Sätze nicht so richtig lebendig? Informiere dich darüber, wie du anschaulich und bildhaft schreiben kannst.

Wo auch immer es hakt, Schreibratgeber sind mächtige Werkzeugkoffer – zücke einfach im richtigen Moment das passende Tool!

3. Lies große Literatur

Vielen sagen die großen Romane der Weltliteratur nicht mehr viel. Wer liest denn heute noch Dostojewski, Mann oder Proust? Erstens wahrscheinlich mehr als du denkst und zweitens gibt es dafür verdammt gute Gründe. Viele der handwerklichen Techniken sprachlichen Gestaltens und Erzählens finden sich in den Romanklassikern in Reinform. Marcel Proust hat in seinem Werk den Gedankenstrom perfektioniert, Dostojewski das literarische Psychologisieren und Mann präsentiert auf meisterhafte Weise, wie Philosophie und Literatur ineinander gehen. Bei Franz Kafka wiederum kannst du erleben, wie der Einzelne zwischen den Zahnrädern der Macht zermahlen wird und wie sich dies erzählerisch umsetzen lässt.

Das bedeutet nicht, dass du schreiben musst wie Mann oder Kafka. Doch nirgendwo sonst kannst du gutes Erzählen so sehr in Reinform erleben wie bei den großen Meistern. Stürze dich also in die Lektüre von Klassikern und lerne für dein eigenes Schreiben von den ganz Großen!

4. Lies die Genres, die du gerne schreiben willst

Jeder schreibt anders. Und dennoch: Mit allem, was du schreibst, schreibst du dich immer auch in die Geschichte der Literatur ein. Du setzt dich automatisch ins Verhältnis zu all dem, was schon geschrieben wurde und zu dem, was noch kommen mag. Du schreibst also nicht im luftleeren Raum.

Entsprechend haben deine Leser Erwartungen an das, was du schreibst – selbst wenn sie zum ersten Mal etwas von dir lesen. Sie haben Konzepte im Kopf, mehr oder weniger feste Vorstellungen davon, wie ein Liebes- oder ein Abenteuerroman, wie eine Autobiografie oder eine Familiengeschichte auszusehen haben. Lies möglichst viel aus den Genres, die mit deinen Texten verwandt sind. Dabei geht es nicht darum nachzuahmen, wie andere schreiben. Es geht darum, das Spiel nach deinen eigenen Regeln zu spielen, diese neu zu interpretieren oder gar mit ihnen zu brechen. Doch damit das funktioniert, heißt es, ein gutes Gespür für typischen Muster und Formen entwickeln. Und das geht am besten, indem du viel Gutes aus den Genres liest, auf die du dich bei deinem eigenen Schreiben beziehst.

5. Lies von den Erfahrungen anderer Autoren

Du bist nicht allein mit deinem Traum vom eigenen Buch. Alle Schriftsteller haben einmal klein angefangen. Immer mehr Autoren reflektieren öffentlich über ihre Entwicklung beim Schreiben, z.B. auf Blogs. So kannst du nachvollziehen, wie es anderen auf ihrem Schreibweg ergeht. Lies davon, welche Hindernisse sich ihnen in den Weg stellen und wie sie diese überwinden. Lerne typische Stolperfallen kennen und profitiere von den Erfahrungen der Kollegen, die schon länger dabei sind. Erweitere so deine Schreib-Skills und dein Verständnis davon, wie Schreiben und Leben zusammengehen können. Auf dieser und auf dieser Seite findest du schöne Übersichten über spannende Blogs von Autoren.

6. Lies Schriftsteller-Autobiografien

Autoren teilen ihre Erfahrungen nicht erst, seit es Blogs gibt. Vielmehr gibt es eine lange Tradition an Autobiografien. Wenn wir sie lesen, können wir uns ein tiefer gehendes Bild von den Menschen verschaffen, die hinter erfolgreichen Büchern stecken.

Die Geschichte der Autobiografie hat ganz unterschiedliche Texte hervorgebracht, angefangen von Augustinus‘ Confesiones über Goethes Dichtung und Wahrheit bis zu aktuellen Beispielen wie Stuckrad-Barres autobiografischem Roman Panikherz. Nimm dir die Schriftsteller vor, deren Texte dir spannend erscheinen und vertiefe dich in ihre Autobiografien. So kannst du auf allen Ebenen deines Schreibens profitieren, indem du exemplarische Antworten auf zentrale Fragen finden kannst:

Wie hängen Schreiben und Leben hier zusammen?

Wie glückt die Entwicklung zum Autor?

Woher nimmt er oder sie die Ideen?

Wie entstehen die größten Erfolge beim Schreiben?

Und wie kommt es zu den schlimmsten Niederlagen?

So hast du vielleicht sogar die Chance, das ein oder andere Vorbild zu finden, das dir dann wie ein Leuchtturm deinen eigenen Schreibweg erhellt.

7. Lies poetologische Texte

In poetologischen Texten versuchen Autoren ihrem eigenen Schreiben auf den Grund zu gehen. Sie fragen sich, wie genau sie eigentlich schreiben. Nirgendwo sonst öffnen Autoren die Türen zu ihren Werkstätten so weit wie hier. Du kannst hier lernen, unter welchen Bedingungen literarische Texte entstehen, oder welch unterschiedliche Motivation es für das Schreiben geben kann. Empfehlenswerte poetologische Texte aktueller Autoren sind z.B. Treideln von Juli Zeh oder Ich von Andreas Maier. Diese und andere Texte bieten die einzigartige Möglichkeit, erfolgreichen Autoren beim Schreiben über die Schulter zu blicken, um das Beste von dem, was man sieht, für das eigene Schreiben zu nutzen. Anders als in den üblichen Schreibratgebern findest du hier keine Ratschläge, die versuchen allgemeingültig zu sein. Die Tipps und Ideen, die sich so gewinnen lassen, sind höchst individuell und gerade das macht sie so besonders. In meinem kostenlosen E-Book Dein Weg zum Roman trage ich das Beste aktueller poetologischer Texte zusammen und stelle 32 hilfreiche Ratschläge für dein Schreiben vor.

8. Versteh die Poesie des Alltags

Lesen als Tätigkeit lässt sich noch viel weiter fassen. Nicht nur das Dechiffrieren von Buchstaben, Wörtern und Sätzen ist Lesen. Die ständige Selbst- und Weltvergewisserung in unserem Alltag, sobald wir mit Sprache zu tun haben, gehorcht ähnlichen Prinzipien wie das Lesen – auch wenn wir gerade kein Buch in der Hand halten.

Unsere Welt drückt sich zu großen Teilen durch Sprache aus. Wenn wir uns für die sprachlichen Äußerungen unserer Lebenswelt sensibilisieren, wird unser Umfeld zu einer nie versiegenden Quelle an Inspiration. Egal, ob es sich um das geschriebene oder um das gesprochene Wort handelt – in jedem Moment können uns Wörter und Sätze begegnen, die ein Gefühl, einen Gedanken oder eine Haltung prägnant auf den Punkt bringen. Bestimmte Sprechweisen charakterisieren einfach auf perfekt Weise ein bestimmtes Milieu, manch eine Formulierung trifft eben genau, worum es gerade geht. Wenn wir die Äußerungen in unserem Alltag in diesem Sinn verstehen, erweitern wir permanent unsere sprachlichen Kapazitäten, indem wir die Augen offenhalten und die Ohren spitzen. Und je größer unser sprachliches Repertoire ist, um so mehr Möglichkeiten haben wir, wenn wir schreiben.

Lesetipps gibt es so viele…

Lesen kann auf vielerlei Weise wichtig sein, um das eigene Schreiben weiterzuentwickeln. Such dir die Möglichkeiten aus, die dir am vielversprechendsten scheinen. Und dann lies regelmäßig und vor allem: VIEL – und verbessere so stetig dein Schreiben!

 

Hast du einen ganz speziellen Lesetipp, der beim Schreiben hilft?

Ein Buch vielleicht oder einen Artikel?

Teil ihn in den Kommentaren mit uns – es darf auch gerne dein eigener sein 🙂

8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Andreas,

    da kann ich Dir nur recht geben. Lesen und schreiben gehört für mich mittlerweile zusammen. Früher habe ich nur viel gelesen, dann habe ich Bücher geschrieben, dann habe ich meine Leidenschaft für das Bloggen entdeckt. Ich lese immer noch sehr viel, auch im Internet, wo ich viele nützliche Tipps und Infos finde, die mir entweder helfen oder mich zu neuen Artikeln inspirieren. Als Lesetipp kann ich die Auswertung der Blogparade zum Thema Autorenmarketing von Vera Nentwich empfehlen: http://veraswelt.coni.de/blog/dx/5-fakten-zum-autorenmarketing-im-web.htm

    Viele Grüße
    Claudia

  2. Es ist mir immer ein Rätsel, wie Leute ein Buch schreiben wollen, die selbst so gut wie gar nichts lesen bzw. gelesen haben. Wenn ich ein Schiff bauen will, schaue ich mir vorher doch auch an, wie andere Leute ihre Schiffe gebaut haben.
    LG, Mike

    1. Moin Mike,
      ein wunderbarer Vergleich, vielen Dank! Und wenn ich mit einem Schiff in See stechen will, mache ich davor nen Segelkurs. Zumindest, wenn’s eine Atlantiküberquerung werden soll a.k.a. Einen Roman schreiben 😉 Ach, das kann man noch herrlich weiterspinnen….
      Grüße aus Hamburg!
      Andreas

  3. Danke Andreas für den Beitrag!
    Lesen und schreiben gehören auch für mich zusammen. Durch das Lesen bin ich zum Schreiben gekommen. Geholfen hat mir dabei „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron.
    Ansonsten nutze ich das „Handbuch für Autorinnen“ vom Uschtrin Verlag als Nachschlagewerk.
    Für mein Exposé hat mir das schmale Buch „Titel, Pitch und Exposé für Romane“ von André Hille geholfen.
    Und meinen Plot habe ich mit John Truby „The Anatomy of Story: 22 Steps to Becoming a Master Storyteller“ entwickelt.
    Interessant ist aber, dass ich weniger Romane lese, seitdem ich an meinem eigenen arbeite. Ich stecke so tief in meiner Geschichte, da kann ich mich gar nicht richtig einlassen auf anderes.

    1. Liebe Ricarda,
      vielen Dank für die tollen Lektürehinweise! Manches davon kenne ich noch nicht, ich bin gespannt…
      Das mit dem Romane-Lesen kenne ich. Ich lebe das in Phasen. Wenn ich intensiv an einem eigenen Text arbeite tut es auch mal gut, weniger zu lesen. Im Sommer habe ich dafür einen Leseurlaub gemacht und den ganzen Tag nichts anderes gemacht als zu lesen. Da merke ich dann jedesmal wieder, wie schön lesen ist und was für atemberaubende Romane es gibt! Gerade lese ich übrigens etwas von Julia Franck…
      Schöne Lese- und Schreibgrüße 🙂
      Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.