Lebenserinnerungen – lass das Abenteuer beginnen!

Du hast dich entschieden, deine Lebenserinnerungen auf Papier zu bringen?

Herzlichen Glückwunsch!

Eine spannende Auseinandersetzung mit deiner eigenen Lebensgeschichte steht dir bevor, ein Abenteuer, bei dem du dich auf verschlungene Pfade begibst: es geht um deine Lebenserinnerungen, die Ausdruck deiner Einzigartigkeit sind.

Lebenserinnerung als Abenteuer

Doch wie bei jedem Abenteuer lauern Gefahren auf dich: Fallstricke und Unwägbarkeiten, die dir den Zugang zu deiner Geschichte verschließen. Also ist Erinnerungsarbeit angesagt: Lege den Weg zu den Schätzen frei, die in deinem Inneren verborgen sind! Die folgenden 13 Strategien eröffnen den Zugang zu deinen Erinnerungen. Lass das Abenteuer beginnen!

Strategie 1: Gedankenreisen und Meditation

Bei einer Gedankenreise versetzt du dich bewusst in bestimmte Zustände und Situationen hinein. Körperlich bleibst du an einem Ort, nur dein Geist ist unterwegs. Dabei lenkst du deine Aufmerksamkeit bewusst auf deine Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken und erfährst so etwas über dein eigenes Innenleben.

Such dir etwas aus, worüber du schreiben möchtest – ein Erlebnis oder eine immer wiederkehrende Situation deines Lebens. Leg Papier und Stift bereit. Schließe nun die Augen und begib dich auf die Reise.

Geh langsam in die Situation hinein. Spür dem nach, was du fühlst, registriere, welche Gedanken dir durch den Kopf gehen und welche Körperempfindungen du hast. Wenn du intensiv in der damaligen Situation versunken bist, öffne die Augen und beginne zu schreiben. Lass es einfach fließen und du wirst sehen, dass du besonders intensiv und treffend erzählen kannst und Aspekte zum Vorschein kommen, die dir zuvor noch nicht bewusst waren.

Besonders bereichernd kann die Gedankenreise sein, wenn du dir durch bewährte Anleitungen dabei helfen lässt. Hier findest du einen interessanten Artikel über die unterschiedlichen Möglichkeiten, sich auf Gedanken- und Fantasiereisen zu begeben.

Sehr hilfreich ist es auch, sich nicht allein auf die Gedankenreise zu begeben, sondern sich einen Anleitungstext vorlesen zu lassen. Dabei kannst du dich vollauf entspannen und dich noch stärker darauf konzentrieren, was in dir vorgeht.

Diese Methode wird vielleicht nicht auf Knopfdruck funktionieren. Vielmehr benötigt man eine gewisse Übung, um sich auf die inneren Bilder einlassen zu können. Meditations- und Achtsamkeitsübungen können hierbei eine große Hilfe sein. Eine gute Erläuterung dazu findest du hier.

Strategie 2: Lebenserinnerungen in Listen

Fass dein Leben in Listen. So verfügst du über eine geordnete Ausgangsbasis, um dich in die Weiten deiner Erinneung zu begeben. Nimm dir im nächsten Schritt einen Punkt von der Liste vor und schreibe eine Geschichte dazu. Geh dann zum nächsten Punkt über undsoweiter.

Wenn du dich beim Schreiben einmal in einer Geschichte oder Erinnerung verlieren solltest und die Struktur des Gesamten verloren zu gehen scheint, kannst du immer wieder zu deiner Liste als Orientierung zurückkehren.

Bei der Art der Listen sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wähle am besten die Bereiche, die für dich besonders relevant sind. Einige Ideen für thematische Bereiche, die sich anbieten:

  • Die 10 spannendsten ersten Male meines Lebens
  • Die wichtigsten Entscheidungen meines Lebens
  • Beziehungen, die mich geprägt haben
  • Die schönsten Glücksmomente, die ich erlebt habe
  • Traurige Ereignisse meines Lebens
  • 10 Momente der Einsicht

Strategie 3: Lebenserinnerungen durch Bilder

Wir müssen uns bei unseren Lebenserinnerungen nicht allein auf die Bilder in unserem Kopf verlassen. Photo- oder Filmaufnahmen können als wunderbare Einstiege dienen.

Geh alte Fotoalben oder Bilderkisten durch oder durchstöbere deine Festplatte. Achte dabei auf deine Emotionen. Welche Aufnahme bewegt etwas in dir? Stell eine Auswahl an Bildern oder Videoaufnahmen zusammen, die die unterschiedlichen Lebensphasen und Lebensbereiche berücksichtigt.

Nimm dir dann immer eine Aufnahme einzeln vor und beginne zu schreiben. Erzähle eine Geschichte um das Bild herum. Versetz dich in die damalige Situation. Stell dir vor, wie es gewesen ist, der Mensch zu sein, den du auf dem Photo oder in dem Video zu sehen bekommst. Beschreibe genau, wie die Aufnahme heute auf dich wirkt, geh aber auch den weiterführenden Assoziationen nach, die sie in dir auslöst. Wenn der Erinnerungsstrom verebbt und du alles zu Papier gebracht hast, was dir einfällt, geh zur nächsten Aufnahme über.

Strategie 4: Einflüsse auf unser Leben

Zu unterschiedlichen Zeiten prägen uns unterschiedliche kulturelle Einflüsse. Beim einen sind es eher Bücher, beim anderen Musikstücke und beim dritten Filme oder Theaterbesuche. Besinn dich darauf, welche Kulturprodukte dich in den unterschiedlichen Lebensphasen geprägt haben.

Es muss keine Hochkultur sein oder eine erleuchtende Erfahrung. Wenn du als Jugendlicher eine Lieblingsserie hattest oder als Kind immer einen bestimmten Comic gelesen hast, kann auch das hilfreich sein. Schließlich geht es darum, deine ganz persönlichen Erinnerungsprozesse auszulösen.

Besorg dir das Produkt, das dich damals geprägt hat, sieh oder hör es dir noch einmal an oder lies es.

Du wirst dich an viele Aspekte erinnern, die du bereits ganz aus dem Kopf verloren hattest. Wenn du dich damals intensiv damit auseinandergesetzt hast, wird dir die erneute Beschäftigung damit gleichsam fremd und vertraut erscheinen. Notiere alles, was in dir ausgelöst wird, die Erinnerung an Situationen oder Emotionen genauso wie Gedankengänge und Interpretationen.

Strategie 5: Selbstzeugnisse unseres Lebens

Wir alle legen im Lauf unseres Lebens selbst Zeugnis davon ab, auch wenn wir keine Autobiographie schreiben. In Tagebucheinträgen und in Schulaufsätzen reflektieren wir unsere Erlebnisse, manche schreiben sogar schon als Kind erste Geschichten oder Gedichte – hier sind tolle Anregungen für Lebenserinnerungen verborgen!

Wenn du also alte Texte von dir besitzt oder sie irgendwo aufspüren kannst, verfügst du über einen großen Schatz. Du kannst den Gedanken deines früheren Ichs mehr oder weniger direkt begegnen. Lies in den Aufzeichnungen und frage dich, was das für ein Mensch war, der so etwas geschrieben hat. Welche Entwicklung war damals schon in dir angelegt? Welcher Gedanke überrascht dich? Worin findest du dich auch heute noch wieder?

Nimm deine alten Aufzeichnungen zum Ausgangspunkt und begib dich auf Spurensuche. Sobald du in den Texten einem Aspekt begegnest, der dir wichtig erscheint, notiere ihn dir. Das kann z.B. ein freudiges Ereignis sein, die spannende Schilderung eines Abenteuers, die Verarbeitung von Liebeskummer oder der Frust über Niederlagen.

Nimm dir im nächsten Schritt diese Notizen vor und erzähle, wie sich dieses Thema ausgehend von der damaligen Situation in deinem Leben weiterentwickelt hat.

Strategie 6: Wichtige Gegenstände

Nicht nur Photos,Videos oder alte Texte können deine Erinnerungen anregen. Auch viele andere Objekte sind dazu in der Lage. Häufig weißt du noch nicht einmal, um welche Objekte es sich dabei handelt, bevor du sie in den Händen hälst.

Grabe alte Gegenstände aus, die dich geprägt haben. Begib dich auf den Dachboden deines Elternhauses, stöber im Keller, durchwühle alte Truhjen und Kisten.

Nicht alles, was du findest, wird relevant sein. Doch wenn du auf deine innere Stimme achtest, wird sie dir sagen, welche Gegenstände etwas in die auslösen können.

Nimm einen von ihnen zur Hand und lass deine Gedanken schweifen. Welche Geschichten fallen dir ein? Welche Erinnerungen kommen hoch?

Sammle mehrere solcher Gegenstände. Fokusiere dich dann jedoch jeweils nur auf einen von ihnen. Bring aufs Papier, was in deinem Inneren abläuft, wenn du ihn betrachtest.

Strategie 7: Alte Briefe

Nicht nur Texte, die du für dich selbst geschrieben hast, helfen deiner Erinnerung auf die Sprünge. Auch die Kommunikation mit anderen kann gewinnbringend sein. Grabe alte Briefe aus, die du bekommen hast, und lies sie nochmals durch. Kannst du dich an den Kontext erinnern? Weißt du vielleicht noch, was du der Person damals geschrieben hast?

Emails sind zwar eine nicht ganz so romantische Kommunikationsform. Sie haben jedoch den Vorteil, dass du sowohl deine Nachrichten als auch die Nachrichten deines Kommunikationspartners kennst. Wenn du die Emails archiviert hast, kannst du so deine Korrespondenz vieler Jahre zurückverfolgen.

Es wird dich überraschen, worüber du dich mit wem ausgetauscht hast. An manche Beziehung wirst du vielleicht nicht mehr gedacht haben, während dir andere Ereignisse, von denen die Rede ist, noch überaus präsent sind. Notiere dir die Erlebnisse, Situationen und Gedankengänge, die dir bedeutsam erscheinen und fang im nächsten Schritt an, darüber zu schreiben.

Strategie 8: Besondere Orte

Bei der Erinnerungsarbeit musst du nicht zu Hause bleiben. Eine kleine Reise an wichtige Orte deiner Kindheit oder Jugend kann von ganz besonderem Wert sein, um wieder Zugang zu vergangenen Zeiten zu bekommen. Finde deine persönlichen Erinnerungsorte heraus! Vor allem, wenn du schon länger nicht mehr an einem bestimmten Ort warst, ist dies eine machtvolle Methode.

Der Unterschied zur reinen Gedankenreise ist, dass du mit konkreten Sinneseindrücken konfrontiert wirst. Du riechst wieder den Duft im Haus deiner Großeltern, siehst wieder die alte Tafel im Klassenzimmer deiner Grundschule oder spürst das Gras auf den Wiesen, über die du als Kind mit deinen Freunden getobt bist.

Diese Eindrücke sind dazu in der Lage, unser Erinnern auf unbewusste Weise in Gang zu setzen und uns so zu tieferen Schichten unseres Gedächtnisses zu führen.

Nimm dir unbedingt ein Notizbuch mit, in das du an Ort und Stelle deine Eindrücke notierst und mach dich bereit für die Erinnerungen, die auf dich einströmen werden.

Strategie 9: Lieblingsbeschäftigung

Gibt es Tätigkeiten, die einmal wichtig für dich waren, denen du nun aber schon seit längerer Zeit nicht mehr nachgehst? Hast du einmal getanzt oder musiziert, Fußball gespielt oder bist ständig auf Konzerte gegangen? Ist davon heute nicht mehr viel übrig? Wähle eine Tätigkeit aus, die dich besonders geprägt hat, und fang endlich wieder damit an!

Es ist einfach etwas anderes, nur an frühere Zeiten zurückzudenken, oder eine alte Gewohnheit wieder aufleben zu lassen. Körper und Geist gehören zusammen! Beim Tanzen oder Fußball spielen wirst du dich viel intensiver daran erinnern, wie es damals war.

Nimm die Erinnerungen, die dabei hochkommen, dankbar auf und fang an darüber zu schreiben.

Strategie 10: Die Weltgeschichte und du

Unsere Lebensgeschichte beschränkt sich nicht auf unser Privatleben. Wir alle sind ein Teil der Welt und auf manchmal undurchschaubare Weise mit deren historischen Ereignissen verknüpft. Aus der Perspektive solcher Ereignisse erscheint unser Leben häufig in einem interessanten Licht.

Wie erleben unsere persönlichen Erfahrungen im Kontext der Zeit und stellen unser Leben so in einen größeren Zusammenhang.

Frag dich doch eimal, wo du warst und was du getan hast, als die Flugzeuge ins World Trade Center rasten. Und was war los in deinem Leben, als Lady Di starb? Was, als der King of Pop von uns ging?

Deine persönliche Auswahl historischer Ereignisse hängt einzig und allein von deinen Interessen ab. Such dir die Meilensteine der Geschichte heraus, die etwas mit dir zu tun haben. Eine gute Möglichkeit dazu besteht darin, historische Nachrichtensendungen zu anzuschauen.

Geh von historischen Ereignissen aus und spann mit dem Stift in der Hand einen Bogen zwischen der Geschichte und dir.

Strategie 11: Fragen an dich selbst

Autobiographisches Schreiben ähnelt immer auch einer Art Selbstgespräch. Wir befragen uns zu wichtigen Lebensphasen, zu zentralen Ereignissen und zu der Entwicklung unserer Werte und Einstellungen. Um dabei teifgängige Antworten zu bekommen und nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, können wir bestimmte Fragen einsetzen, die besonders hilfreich sind.

Diese Fragen zielen auf eine ungewohnte Selbstbetrachtung ab und eröffnen so einen assoziativen Zugang zu unserer Erinnerung. Hier findet sich eine besonders hilfreiche Zusammenstellung zahlreicher Fragen zu unterschiedlichen Bereichen, die sich als wundervolles Instrument bei der Erinnerungsarbeit einsetzen lassen.

Strategie 12: Ein Gegenüber

Wir Menschen werden stark durch unsere Beziehungen geprägt und definieren uns häufig über diese. Selbst, wenn wir mit uns allein sind, denken und erleben wir uns im Zusammenhang mit all den Menschen, die uns im Leben bisher wichtig gewesen sind. Dies lässt sich auch für deine Lebenserinnerungen nutzen.

Beim Schreiben kann es helfen, einen Adressaten vor Augen zu haben. Such dir ein paar Personen aus, die dir in deinem Leben viel bedeutet haben oder immer noch viel bedeuten. Es ist nicht notwendig, dass du heute noch Kontakt zu ihnen hast. Es kann sich um Freunde, den Partner oder Familienmitglieder handeln, doch auch Menschen, mit denen du Schwierigkeiten hattest, können Adressaten sein. Wichtig ist allein, dass die jeweilige Beziehung Einfluss auf dich hatte und in einer bestimmten Lebensphase von Bedeutung für dich war.

Schreib nun einen Brief an die Person, die du ausgesucht hast. Schilder deine Perspektive auf die damaligen Ereignisse. Lass alles raus, was dich bewegt.

Du darfst deinen Emotionen freien Lauf lassen, denn der Brief ist nicht zum Abschicken gedacht. Indem du einen konkreten Adressaten beim Schreiben vor dir hast, kannst du dich einfach besser in alte Gefühle und Stimmungen hineinversetzen. Du wirst selbst davon überrascht sein, wie präsent längst Vergangenes auf einmal wieder sein kann.

Strategie 13: Wichtige Menschen

Um deine Erinnerungskraft zu steigern, musst du es nicht bei vorgestellten Begegnungen mit früheren Weggefährten belassen. Auch die Gespräche mit echten Menschen können für die Spurensuche zu deiner Lebensgeschichte hilfreich sein. Besuche also alte Wegbegleiter oder rufe sie an. Befrage sie zu den gemeinsam erlebten Etappen oder schwelge gemeinsam mit ihnen in Erinnerungen.

Es geht dabei nicht darum, dein Leben aus einer anderen Perspektive als aus deiner eigenen zu erzählen. Eine Autobiographie ist ein höchst subjektives Stück Literatur und so soll es auch bleiben. Versuche also nicht, deine Erinnerungen zu bestätigen oder zu widerlegen. Nutze den fremden Blick auf dein Leben vielmehr, um die eigenen Erinnerungsprozesse zu bereichern.

Die Gespräche können dich auf Bereiche und Überlegungen stoßen, die dir ein noch tieferes Verständnis der eigenen Geschichte erlauben.

Erinnerungsarbeit – ein Prozess

Nicht jede der hier vorgestellten Methoden wird gleichermaßen hilfreich für jeden sein. Probier einfach die unterschiedlichen Möglichkeiten aus und finde heraus, was davon zu dir passt und dir beim Schreiben deiner Lebenserinnerungen weiterhilft.

Am wichtigsten ist es, dass du dich ergebnisoffen auf die Sache einlässt. Es gibt keine Methode, mit der du vollautomatisch alte Erfahrungen hervorholen kannst. Du kannst jedoch auf unterschiedliche Weise Erinnerungsprozesse anstoßen und so Entwicklungen in Gang bringen.

Sei gespannt, worauf du dabei stößt. Dem Abenteuer, die eigenen Lebenserinnerungen zu schreiben, steht so nichts mehr im Weg.

Kennst du noch eine andere Methode für deine Lebenserinnerungen?

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