Kreatives Schreiben – 8 Prinzipien + 16 Methoden

Hat dich eine Gebrauchsanleitung schon einmal so richtig gepackt? Sagen wir mal, es ging darin um einen Toaster. Oder um einen Rasierapparat. Jedenfalls konntest du sie nicht mehr aus der Hand legen, hast Tränen geweint und die halbe Nacht lang darin gelesen.

Nein? Dann geht es dir so wie mir.

Dafür habe ich jedoch schon mehrere Gebrauchsanleitungen vor Wut mit bloßen Händen zerfetzt. Und das hat auch seinen Grund.

Die durchschnittliche Gebrauchsanleitung ist nämlich so geschrieben, wie du es beim Kreativen Schreiben auf keinen Fall anstellen solltest: Verklausuliert, staubtrocken, umständlich und fehlerhaft.

Mit Kreativem Schreiben hat das nun wirklich gar nichts zu tun.

Wie kreativ schreiben tatsächlich funktioniert, erfährst du dafür in diesem Artikel. Die 8 Prinzipien zeigen dir, worauf du achten solltest. Und mit den passenden Methoden kannst du gleich loslegen.

Du willst die 16 Methoden immer griffbereit haben? Dann lade sie dir als PDF herunter und drucke sie aus: Kreatives Schreiben – 16 Methoden als PDF

Prinzipien und Methoden Kreativen Schreibens

Schreibspaß durch Kreatives Schreiben

Beim Kreatives Schreiben sollten nicht nur unterhaltsame Texte entstehen. Am besten hast du schon während des Schreibens jede Menge Spaß. Das merkt dann später auch der Leser.

Doch wie genau soll das gehen?

Anders als in der Schule, in der Ausbildung, in der Uni oder im Beruf ist beim Kreativen Schreiben grundsätzlich alles erlaubt. Es geht ja gerade darum, etwas Neues zu gestalten. Etwas, das so noch nicht da gewesen ist. Und der Spaßfaktor ist dafür der beste Indikator.

Wenn dich deine Formulierungen selbst schon langweilen, dann wird daraus wohl auch kein fesselnder Text für die Leser.

Wenn du mit deiner Geschichte bereits beim Schreiben nichts anfangen kann, wird sie sich auch nicht zum Vorlesen eignen.

Wenn du nicht in den Schreibflow kommst, kommt der Leser später auch nicht in den Leseflow.

Ob es Strategien gibt, um die Sache mit dem Schreibspaß zu üben? Aber klar doch!

Tu einfach etwas Überraschendes. Etwas, das dich aus der Reserve lockt.

Hier zwei Beispiele:

Methode 1: Aus der Sicht eines Hundes

Schonmal einen Krimi aus der Sicht eines Dobermanns verfasst? Oder eine Liebesgeschichte aus der Perspektive eines Rauhardackels? Oder meinetwegen auch einer Angorakatze?

Du magst keine Tiere?

Na gut, dann schreib eben aus der Sicht eines Papierkorbs. Aus der Sicht einer Kaffeetasse. Oder eines verdammten Radiergummis.

Hauptsache die Perspektive ist maximal ungewohnt für dich. Hast du eine solche Sichtweise gefunden, langst du so richtig schön in die Tasten:

  • Lass Bello mit allen Höhen und Tiefen seines hündischen Daseins zu Wort kommen.
  • Schmier das ganze Lebensdrama deiner rosafarbenen, blumenverzierten Lieblingstasse aufs Papier.
  • Berichte vom Liebeskummer einer Schalplatte.

Undzwar jeweils mit den ganz eigenen Worten von Bello, Tasse oder Platte! (Innerlich höre ich schon, wie sich das Tässchen über die billige Bohnenmischung aus dem Discounter beschwert :-))

Methode 2: Gemeinsam Geschichten schreiben

Besorg dir eine Schreibgruppe und schreib mit anderen zusammen. Das hat viele Vorteile: Ihr könnt euch eure Texte vorlesen, euch gegenseitig Feedback geben und vor allem gemeinsam den Schreibspaß zelebrieren.

Zum Beispiel, indem ihr einen Anfangssatz auf einen Zettel schreibt und diesen dann rundum weitergebt.

Oder indem ihr nach jedem Satz durchwechselt und so eine gemeinsame Geschichte entstehen lasst.

Oder indem ihr euch Vorgaben macht, welche Wörter, Gegenstände oder Figuren in eurem Text vorkommen sollen.

Kreatives Schreiben durch Assoziationskraft

Die kreativsten Einfälle haben wir häufig, wenn wir loslassen. Solange wir alles kontrollieren wollen, was aufs Papier kommt, kann wenig Neues entstehen.

Das Ziel ist es also, in einen Schreibflow zu kommen. Du wirst dabei gewissermaßen selbst zum Leser deiner Texte. Die unterschiedlichsten Erfahrungen verbinden sich in deinen Worten zu etwas ganz Neuem. Oder dir fällt etwas ein, das du schon lange vergessen glaubtest.

Das Schönste ist: Du kannst dich ganz bewusst in einen solchen Zustand versetzen.

Wie das gehen soll?

Zum Beispiel mit folgenden Methoden:

Methode 3: Brainstorming

Sie ist eine der bekanntesten Methoden, um die Fantasie anzuregen. Deshalb ist sie aber nicht weniger mächtig. Du kannst sie für alle Bereiche des kreativen Schreibens anwenden. Ganz egal, ob du Gedichte, ein Märchen, eine Kurzgeschichte, deine Autobiographie oder einen Roman schreiben willst.

Nimm einfach ein Blatt Papier und schreib dein Thema oder deine Fragestellung in die Mitte. Stell dir daraufhin einen Timer auf zwei oder drei Minuten. Und dann leg los und notiere alles, was dir dazu einfällt.

Wirklich alles.

Zensiere dich dabei nicht selbst!

Wenn dir ein neuer Gedanke zu etwas kommt, das du bereits notiert hast, schreib ihn dazu. Zieh Linien, kreise ein, unterstreiche. Tu einfach alles, was dir in den Sinn kommt. Bloß eine Sache ist verboten: Setze auf keinen Fall den Stift ab!

Dann klingelt der Timer und du darfst durchatmen. Geschafft!

Geh nun einen Schritt zurück und betrachte deinen Geniestreich:

  • Was fällt dir auf?
  • Welche Überlegungen sind am wichtigsten?
  • Welche interessanten Verbindungen gibt es?

Wähle das aus, was dich emotional anspricht, und arbeite damit weiter.

Methode 4: Sich selbst Vorgaben machen

Vorgaben funktionieren nicht nur in einer Schreibgruppe. Du kannst sie auch mit dir allein nutzen.

Lege dazu Sammlungen mit Karteikarten an:

  • Interessante Figuren
  • Anfangssätze
  • Besondere Wörter
  • Sprüche
  • Lautmalereien

Zieh dann ein Kärtchen und schreibe los, was dir dazu einfällt.

Alternativ kannst du auch nach einem Buch in deinem Bücherregal greifen, es an einer beliebigen Seite aufschlagen und irgendeinen Satz als Ausgangspunkt nehmen.

Wichtig: Nicht nachdenken, sondern schreiben!

So bringst du gezwungenermaßen deine Assoziationskraft in Gang. Sie ist eine Grundbedingung für dein Kreatives Schreiben

Kreativ schreiben = Kino im Kopf erzeugen

Eine gut geschriebene Geschichte entführt ihre Leser in eine andere Welt.

Der Leser liest nicht davon, dass ein Held in den Kampf gegen das Böse zieht. Er zieht selbst in den Kampf. Er spürt beinahe körperlich, wie das Schwert ihn trifft oder wie es knapp an ihm vorbeisaust. Es wird ihm nicht einfach erklärt, dass die Protagonistin zwar eine ganz ganz liebe ist, aber schrecklich tollpatschig. Vielmehr möchte er sie in den Arm nehmen und knuddeln.

Bloß wie schaffen wir das?

Wie werden unsere Texte so lebendig?

Indem wir uns im Zauberkoffer des Kreativen Schreibens an magischen Utensilien bedienen!

Hier sind zwei davon:

Methode 5: Ein Text voller Vergleiche

Suche dir dir ein rhetorisches Mittel aus und nutze es exzessiv. Keine Sorge, das sollst du nicht immer so machen. Aber zur Übung kann es nicht schaden, ein Gespür dafür zu bekommen, was damit wirklich möglich ist.

Schreib zum Beispiel eine Geschichte, in der in beinahe jedem Satz ein Vergleich vorkommt. Aber natürlich nicht irgendein Vergleich. Sondern jeweils ein besonders kreativer, passender, ungewöhnlicher, einer, der die Leser dazu bringt zu schmunzeln, laut aufzustöhnen oder sich angewidert zu schütteln wie beim Biss in eine Olive, wenn du eine süße Pflaume erwartest.

Übertreibe ruhig und probier alles möglich aus.

So wirst du langsam aber sicher zum Meister der Vergleiche.

Mach das Gleiche auch mit Metaphern, Personifizierungen, Neologismen oder welche rhetorischen Mittel dir auch immer über den Weg laufen.

Methode 6: Lautmalerei

Bei der Lautmalerei hörst du beim Lesen, was passiert. Der Klang der Worte vermittelt also deren Inhalt. Comicfans können ein Lied davon singen:

  • Plitsch
  • Platsch
  • Wumm
  • Bäm
  • Schwups

Natürlich geht das auch subtiler. Hör dir zum Beispiel mal den Knaben im Mohr an.

Annette von Droste-Hülshoff „Der Knabe im Moor"

Da kriechen dir die Worte förmlich unter die Haut und das liegt vor allem an ihrem Klang.

Kreatives Schreiben = eine eigene Sprache finden

Ganz egal, ob du Geschichten schreiben, einen Roman schreiben oder Gedichte schreiben willst: Es geht nicht allein um den Inhalt, also um das „Was“. Das „Wie“ ist mindestens genau so entscheidend.

Schreibe auf einzigartige Weise!

So hast du Freude und Spaß beim Schreiben und begeisterst damit am Ende die Leser.

Das „Wie“ umfasst eine Vielzahl von Aspekten wie

  • eine interessante Erzählperspektive
  • eine fesselnde Struktur
  • packende Dialoge
  • Methoden des Spannungsaufbaus
  • rhetorische Figuren

Besonders wichtig jedoch ist eine Sprache, die zu deinem Text passt.

Ein Gedicht über den Dreck der Großstadt sollte anders geschrieben sein als eine Novelle über die erste Liebe.

Eine Detektivgeschichte, in der ein schrulliger Rentner Diebstähle aufklärt, braucht einen anderen Tonfall, als ein Gesellschaftsroman über den digitalen Wandel.

Die Sprache deines Textes macht sich fest an der Wortwahl, der Satzstruktur und dem Sprachniveau. Zusammen erzeugen sie eine ganz bestimmte Stimmung, eine Art Medium, welches deine Inhalte transportiert.

Doch wie lässt sich dies einüben, wenn du deine eigene Sprache noch nicht gefunden hast?

Hierzu zwei einfach umsetzbare Ideen:

Methode 7: Wie reden deine Figuren?

Wenn du eine Geschichte oder einen Roman schreibst, kommen wahrscheinlich auch Figuren vor, die sich miteinander unterhalten. So wie jeder Mensch auf eine bestimmte Art und Weise spricht, tut dies auch eine literarische Figur. Lege für jede deiner Figuren eine ganz bestimmte Art und Weise fest, wie sie sich ausdrückt.

Diese Art zu sprechen sollte zu ihrer Persönlichkeit und zu ihrem sozialen Status passen. Ein schrulliger Hochschulprofessor könnte zum Beispiel in jedem zweiten Satz „sozusagen“ ans Ende stellen und viele Fremdwörter benutzen. Eine esoterisch angehauchte Lebenskünstlerin könnte wertschätzend und direkt kommunizieren und viel von ihren Gefühlen sprechen.

Halte die Besonderheiten deiner Figuren schriftlich fest. Dann geht es ans Dialoge schreiben: Setze die Eigenarten eins zu eins darin um. Später kannst du damit dann auch etwas flexibler umgehen. Um jedoch ein gutes Gespür dafür zu entwickeln, wie genau jemand spricht, solltest du dich erst einmal streng an deine Vorgaben halten.

Methode 8: Stile imitieren

Jeder Autor schreibt anders. Viele Autoren sind gar nicht durch ihre Themen so erfolgreich, sondern durch ihre besondere Art zu schreiben, durch ihren Erzählsound.

Nimm ein Buch eines deiner Lieblingsautoren zur Hand und schmöker ein wenig darin herum. Wenn du so richtig schön im Lesefluss bist, greif nach einem Stift und schreib auf die gleiche Art und Weise einen eigenen Text.

Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Hast du den Tonfall getroffen?

Dann probier das gleiche mit einem Buch eines anderen Autors aus, der ganz anders schreibt.

Was das bringen soll?

Du wolltest doch deine eigene Sprache finden und nicht andere kopieren?

Keine Sorge, du sollst nicht immer so vorgehen. Doch um ein gutes Gespür für unterschiedliche Schreibweisen zu bekommen, eignet sich dieses Vorgehen wunderbar. So nimmst du die stilistischen und erzählerischen Möglichkeiten auf, die dir gefallen.

Wenn du dann dein eigenes Buch schreibst, legst du natürlich alle anderen Bücher weg und versuchst keinesfalls Stile zu imitieren. Dein Sprachgefühl hat sich dann schon längst verfeinert, da du dein Repertoire erweitert hast. So entwickelst du deine ganz eigene Art zu schreiben Stück für Stück weiter.

Mit Strukturen kreativere Texte schreiben

Kreatives Schreiben hört sich erst einmal nach der ganz großen Freiheit an. Keine Regeln, keine Strukturen, bloß ein Feuerwerk aus Gedankenblitzen, könnte man meinen. Dabei ist es in Wahrheit ganz anders.

Es gibt sehr wohl Regeln und Strukturen, die du kennen solltest. Sie stehen der Freiheit deines Schaffens nicht im Weg, ganz im Gegenteil: Sie machen diese Freiheit erst möglich!

Unabhängig davon, ob du Gedichte oder Geschichten schreiben willst, egal ob du einen Bestseller oder einen anspruchsvollen literarischen Wurf landen willst: Bestimmte Muster sind immer von Bedeutung.

In der Lyrik sind es zum Beispiel bestimmte Reimschemas, Rhythmen und Strophenformen, in deren Tradition du stehst, wenn du Gedichte schreibst. Selbst wenn du dich nicht an sie hältst – kennen solltest du sie auf jeden Fall.

In Geschichten oder Romanen sind es bestimmte Erzählweisen oder Handlungsmuster, die du für dich nutzen kannst.

Es geht hier keinesfalls darum, abzuschreiben oder etwas zu kopieren.
Es geht darum, dass du verstehst, wie Gedichte oder Geschichten gestrickt sind und mit diesem Wissen die Basis legst, um deine ganz eigenen Texte zu schreiben.

An zwei Beispielen wird klarer, was genau damit gemeint ist:

Methode 9: Grundbestandteile von Geschichten nutzen

Wenn du eine fesselnde Geschichte erzählen möchtest, hilft es dir, die Grundbestandteile von Geschichten im Kopf zu haben. Praktisch jede Geschichte verfügt über einen Helden, der ein bestimmtes Ziel verfolgt. Damit eine interessante Handlung entsteht, darf er dieses Ziel natürlich nicht einfach so erreichen. Vielmehr stellen sich ihm Hindernisse in den Weg, gegen die er ankämpfen muss. Durch diesen Kampf reift der Held und entwickelt sich weiter.

Leg dir eine Sammlung von möglichen Helden und Zielen an und überlege: Welche Geschichten könnten daraus entstehen?

Methode 10: Grundstruktur von Kurzgeschichten nutzen

Auch bestimmte Erzähltraditionen können ein wunderbarer Ausgangspunkt sein, um Geschichten zu schreiben. In der klassischen Kurzgeschichte verfolgen wir meist einen entscheidenden Moment im Leben der Hauptfigur, indem ein Umschwung stattfindet: Vom Glück zum Unglück oder andersherum. Zugleich gibt es meist keine Helden im klassischen Sinn, sondern Alltagsfiguren.

Leg dir mit diesem Wissen eine Ideensammlung an.

Welche Alltagsfiguren bieten sich für eine interessante Kurzgeschichte an?

Welche Umschwünge könnten sie erleben?

Sobald dich eine Idee so richtig packt, legst du los und schreibst deine Geschichte!

Kreativ schreiben = Schreibregeln kennen und brechen

Strukturen und Muster können wichtig sein, um fesselnde Texte zu schreiben. Das heißt aber noch lange nicht, dass du sie einhalten musst. Manchmal entsteht eine besondere Geschichte gerade dadurch, dass du die Regeln zwar kennst, aber bewusst mit ihnen brichst.

Wenn du so verfährst, spielst du mit den Erwartungen des Lesers. Häufig ist dieses Vorgehen ein Drahtseilakt. Wichtig ist es, das Gleichgewicht zu wahren zwischen typischen Handlungs- oder Strukturelementen und unvorhergesehenen Wendungen.

Übrigens: Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um mit deinen Texten Spannung zu erzeugen.

Zwei Beispiele wie du vorgehen kannst:

Methode 11: Plotstrukturen als Werkzeuge nutzen, nicht als Korsett

Traditionsreiche Plotstrukturen wie die Heldenreise oder die 3-Akt-Struktur haben sich in vielen Romanen als Handlungsgerüst bewährt haben. Plane deinen Roman nach diesen Mustern, lass dich jedoch dabei nicht zu sehr einschränken.

Versuche lieber, einfach drauflos zu schreiben und zieh diese Strukturen im Nachhinein hinzu.

Wo erkennst du sie in deiner Geschichte?

Kannst du deine Geschichte mit ihrer Hilfe noch perfektionieren?

Methode 12: Genreregeln kennen und mit Clichés brechen

Es gibt bestimmte Genreregeln, an welche sich die meisten Autoren halten. Ein Liebesroman braucht einfach ein Happy End und ein Krimi einen Mord, undzwar möglichst am Anfang.

Wenn du Lust hast, mit den Regeln zu brechen, dann weiche an wichtigen Punkten der Handlung von ihnen ab. Statt des Happy Ends könnte im Liebesroman also ein Ende mit Schrecken lauern. Oder wie wäre es, wenn in einem Psychothriller der Böse auf einmal zum Guten wird?

Kreativ schreiben heißt Raum für den Leser lassen

Bei gut gemachten Texten steht das Wichtigste häufig zwischen den Zeilen. Diese Aussage kennst du vielleicht. Doch was bedeutet sie genau? Und wie erreichst du das?

Wenn du in einer Geschichte alles sagst, bleibt kein Raum mehr für die Phantasie des Lesers. Du gibst vor, wie er die Geschichte zu verstehen hat. Er bekommt nicht die Gelegenheit, sich selbst vorzustellen, was gerade los ist. Daher kommt der berühmte Spruch „Show don’t tell!“

Hier wird davor gewarnt alles zu erzählen. Du sollst es lieber zeigen.

Die Meinungen zu diesem Spruch sind geteilt. Denn es gibt großartige Geschichten, in denen nichts gezeigt wird, sondern alles bloß erzählt. Vielleicht sollte der Spruch also „Show and tell, don’t explain!“ lauten.

Erzählen ist meist völlig in Ordnung.

Da bleibt noch genügend Raum für die Vorstellungen des Lesers.

Du solltest bloß nicht dazu auch noch ständig erklären, was du gerade erzählt hast oder es gar wiederholen. Dann fühlt sich der Leser nämlich bevormundet und legt deine Geschichte zur Seite.

Methode 13: Weniger ist oft mehr

Gehe deinen Text kritisch durch, nachdem du ihn gelesen hast. Welche Wörter sind wirklich notwendig? In welchen Sätzen wiederholst du bloß, was eigentlich schon klar geworden sein sollte? Tipps zu einem guten Schreibstil können dir bei dieser Überarbeitung helfen.

Sei ruhig großzügig beim Streichen. In den meisten Fällen gewinnen deine Texte an Qualität, indem du sie gewissermaßen destillierst und so das Beste aus ihnen rausholst.

Methode 14: Andeutungen

Versuch dich einmal an einer Geschichte, bei der du schon weißt, wie sie ausgeht. Streue Andeutungen, so dass der Leser eine Ahnung vom Ende bekommt. Lass jedoch auch vieles im Unklaren.

So eröffnest du eine Art Schnitzeljagd.

Wenn du es geschickt anstellst, hechelt der Leser durch den Text wie ein Junkie auf der Suche nach Heroin.

Kreatives Schreiben und die Macht der Gewohnheit

So schön die Vorstellung ist, dass wir nur auf den einen genialen Einfall warten müssen, um unseren heiß ersehnten Roman zu schreiben – sie entspricht nicht der Realität. Wenn du nicht regelmäßig schreibst, wirst du nicht auf einmal einen meisterhaften Text zu Papier bringen.

Natürlich geht es beim Kreativen Schreiben um Spontanität, um das Unerwartete, um das Ausbrechen aus dem Üblichen. All dies gelingt dir jedoch viel besser, wenn du täglich schreibst.

Methode 15: Morgenseiten

Die Morgenseiten sind durch Julia Cameron bekannt geworden. Ursprünglich handelt es sich um eine Art Entwicklung deiner Autorenpersönlichkeit, die nicht themengebunden ist. Das musst du jedoch nicht so umsetzen.

Du kannst dir auch bestimmte Themen vornehmen und dazu jeden Morgen eine bestimmte Anzahl an Seiten schreiben. Wichtig ist nur, dass du genau das tust: Dich jeden Morgen hinsetzen und zwei, drei Seiten zu Papier bringen. Am besten, ohne dabei den Stift abzusetzen. Es geht also um freies Schreiben – alles ist erlaubt! (Kleiner Tipp am Rande: Diese Methode ist auch die beste Hilfe gegen Schreibblockaden jeglicher Art)

Methode 16: Ziele setzen – aber wie?

Vor allem, wenn du ein längeres Projekt planst, solltest du dir beim Schreiben Ziele setzen.

Nur so bleibst du motiviert bei der Sache und sorgst dafür, dass du auch Fortschritte machst.

Am besten geeignet sind als Ziele bestimmte Seitenzahlen. Wenn du dir nämlich bloß eine bestimmte Zeit als Ziel setzt, kannst du ja immer noch aus dem Fenster blicken und den Vöglein beim Zwitschern zuschauen.

Besonders gut funktionieren Zielsetzungen als Motivationsboost, indem du die vor Augen führst, was du bereits erreicht hast. Häng dazu zum Beispiel einen Kalender an die Wand und setze für jedes erreichte Ziel ein Häkchen.

Kreatives Schreiben hat immer auch mit dir zu tun

Was bringst du an Erfahrungen mit?

Wenn wir schreiben befinden wir uns nicht im luftleeren Raum. Vielmehr schöpfen wir aus unserem Erfahrungsschatz – und das nicht nur, wenn wir unsere Lebensgeschichte schreiben.

Auch wenn wir Romane schreiben, greifen wir auf Situationen zurück, die wir erlebt haben. Wenn wir Gedichte verfassen, hat das viel mit unseren Gefühlen und unserem Seelenleben zu tun. Und die Themen unserer Geschichten, die Schicksalsschläge unserer Figuren, ihr Lachen und Weinen sind immer auch die Niederschrift unseres eigenen Blicks auf die Welt.

Kreativ Schreiben bedeutet deshalb auch achtsam zu leben. Denn so ist jeder Tag voller Inspiration, die es dir ermöglicht, immer wieder aufs Neue kreativ zu werden.

Was macht dein Schreiben ganz besonders?

Kreativ Schreiben ist immer auch eine Auseinandersetzung mit dir selbst. Achte vor allem darauf, was dir Spaß macht. Schau dir hierzu auch an: Kreatives Schreiben – 20 Tipps. Denn nur darin kannst du wirklich gut werden.

  • Welche der hier vorgeschlagenen Methoden könntest du öfter anwenden?
  • Welche Art von Texten möchtest du schreiben?
  • Welche Stilmittel machen dir Freude?

Wenn du merkst, was dein Ding ist, setze genau da an. So wirst du immer besser darin und entwickelst dein Schreiben weiter.

Wie integrierst du das Schreiben in deinen Alltag?

Für viele angehende Autoren ist das eigentliche Schreiben nicht das Problem. Viel herausfordernder ist für sie, genügend Zeit für das Schreiben zu finden. Schreiben und Leben sollten immer Hand in Hand gehen. Nur wenn du es schaffst, trotz Job oder Alltagsstress zu schreiben, entwickelst du dich weiter, denn nur dann bist du wirklich regelmäßig dabei.
Such dir Unterstützung für dein Schreiben, zum Beispiel bei Freunden oder in einer Schreibgruppe.

Und leg am besten feste Schreibzeiten fest. Damit gibst du deiner Kreativität den Raum, den sie braucht, um zu wachsen.

Am allerwichtigsten ist es aber, dass du deine Lust zu schreiben nicht verlierst. Schreib also das, was dir Spaß macht. Das ist die beste Garantie dafür, nicht aufzugeben Autor zu werden.

Kreatives Schreiben – Welches ist deine Lieblingsmethode?

9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Andreas,
    welch schöner Rundumschlag! Sollte ich mir demnächst einen neuen Toaster kaufen, lese ich lieber deine Anleitung dazu – nein, im Ernst ist es schön, wie du in alle wichtigen Punkte beim Kreativen Schreiben einführst bzw. an sie erinnerst. Wenn man deine Tipps ernsthaft beherzigt, artet es allerdings doch in Durchackern aus, denn natürlich ist es Arbeit, das Handwerkszeug anzuwenden …
    Tatsächlich nutze ich die meisten deiner Ratschläge in der Überarbeitungsphase. Beim Schreiben selbst setze ich mich einfach hin und lege los, manchmal weiß ich, wo und wie es enden wird, manchmal nicht. Aber genau die von dir aufgegriffenen Punkte wie individuelle Figurensprache, mein eigenes Wortmaterial, Plotstrukturen und anderes Werkzeug arbeite ich dann im zweiten Schritt nacheinander durch. Hilfreich dafür finde ich auch den 10-Punkte-Text-ÜV von Andreas Eschbach, kennst du den? http://www.andreaseschbach.de/schreiben/10punkte/10punkte.html
    Viele Grüße
    Maike

    1. Liebe Maike,
      vielen Dank für deinen lieben, ausführlichen Kommentar. Super wichtige Unterscheidung, die du machst zwischen Schreibphase und Überarbeitungsphase.
      Alle Methoden sollen ja auf keinen Fall dazu führen, zu verkopft ranzugehen.
      Vielen Dank auch für den Linktipp. Den schaue ich mir gerade an.
      Herzliche Grüße
      Andreas

  2. Hallo Andreas! Die Fülle deines materials oder der genannten Ideen, die ja auch angebote sind, hinterläßt ein wenig Verwirrung. Die Morgen-Methode habe ich mir schon zu eigen gemacht und der Kalender mit den Häkchen für erreichte Ziele scheint in jedem Fall brauchbar und ermutigend zu sein. Wie immer vielen dank für deine anregungen! ich bleibe dran – A.Weber-Huthloff

  3. Hallo Andreas,

    herzlichen Dank für den bunten Strauß mit Methoden und Prinzipien zum kreativen Sschreiben! Toll, dass es den Text auch als PDF zum Herunterladen gibt. So kann ich ihn auf dem Ausdruck „beackern“ und mit persönlichen Randnotizen versehen. Als recht analog orientierter Typ kommt mir das sehr entgegen 🙂

    Die Methode 1 (Schreiben aus der Sicht von Tieren oder Gegenständen) hat mich spontan angesprochen: Seit einer Weile beobachte ich zwei kleine Jungraben bei ihren Flugübungen. Das Wellblechdach des Fahrradschuppens dient ihnen als Start- und Landebahn. Manchmal trippeln die kleinen Raben kurz vor dem Abheben am Rand des Schuppens wie wild und machen dann urplötzlich kehrt. Dann wieder ist ihr Absprung beherzt, und sie scheinen nach unten zu plumpsen und das Bewegen der Flügel est kurz vor der Landung zu aktivieren.

    Einen (kurzen) Text aus der Sicht so eines Raben zu schreiben, das habe ich mir nun selbst als Aufgabe gestellt.

    Auch die Morgenseiten-Methode werde ich ausprobieren.

    Danke für die vielen Anregungen.

    Viele Grüße
    Hannelore

    1. Liebe Hannelore,
      ich freue mich sehr, dass du gleich ein paar Methoden ausprobiert hast. Oh ja, wir können uns selbst prima Aufgaben stellen, mit denen wir weiterkommen. Das mache ich auch gerne.
      Schöne Schreibgrüße!
      Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.