Dialoge schreiben: 8 Tipps + psychologischer Tiefgang

Dialoge machen deinen Roman erst so richtig lebendig. Mit ihnen schaffst du es, die Figuren dem Leser näher zu bringen. Du kannst mit ihnen Funken sprühen und Fetzen fliegen lassen.

Wenn du weißt, wie es geht: gute Dialoge schreiben.

Wenn nicht, bringen sie den Leser zum Gähnen. Oder dazu das Buch zuzuklappen. Und nie wieder ein anderes von dir aufzuschlagen.

Schluchz.

Ein Krokodilstränchen bitte.

Und dann los – lernen, gute Dialoge zu schreiben!

Für ganz Eilige: Dialoge schreiben – 8 Tipps zum Ausdrucken als PDF

Figurenrede wiedergeben – Möglichkeiten

Es gibt nicht nur eine einzige Möglichkeit, wie du die Worte deiner Figuren wiedergeben kannst. Wie genau du das umsetzt, ist eine Frage des Stils, des Genres und deiner persönlichen Vorliebe.

Die unterschiedlichen Möglichkeiten bringen jeweils Vor- und Nachteile mit sich. Und je nachdem, ob du eher im Unterhaltungsroman oder in der E-Literatur unterwegs bist, überwiegt die eine oder andere Weise.

Direkte Rede

In Unterhaltungsromanen findest du sie fast ausschließlich. Mit ihr kommen deine Figuren selbst zu Wort.

Wie sie genau funktioniert, lernst du am besten an einem Beispiel. Hier also eine kleine Szene:

Jenny will’s wissen (Version 1a)

Dieses Mal durfte ich ihn nicht vorbei gehen lassen. Morgen würde ich abreisen. Das war meine letzte Chance. „Jetzt oder nie!“, flüsterte ich mir zu. Dann sprang ich auf und lief ihm hinterher.

„Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht eine Uhr?“

„Moment“, antwortete der junge Mann und kramte in seiner Tasche. „Wo ist es denn bloß?“

„Ihr Handy? Hoffentlich nicht verloren?“

„Nein, nein, Moment, irgendwo muss es doch… Ah, hier! Kurz vor fünf, 16:57, um genau zu sein.“

„Okay, ähm, dann also, vielen Dank.“ Ich trat vom einen Fuß auf den anderen und zwang mich stehen zu bleiben.

„Sonst noch was?“, fragte der Mann.

Formale Aspekte

Worte wie „er sagte“ sind häufig nicht nötig. Meist ist ohnehin klar, wer was sagt. Und wenn nicht, dann reicht es oft aus, die Figur handeln zu lassen. Aus dem Satz

„Moment“, antwortete der junge Mann und kramte in seiner Tasche.

wird dann

„Moment!“ Der junge Mann kramte in seiner Tasche.

„Sagen“, „fragen“, „meinen“, „antworten“ – das sind die am häufigsten gebrauchten Einleitungsworte. Viele andere sind aus der Mode gekommen und werden teilweise als unbeholfen aufgefasst.

Letztlich ist es jedoch eine Frage des Stils und der Erzählstimme, ob du auch „brabbeln“, „brummen“, „grummeln“, „flüstern“, „jauchzen“ und so weiter nutzt.

Was jedoch nicht geht ist „lachen“, „weinen“ und so weiter. Oder hast du schon ein mal jemanden „Sonst noch was“ lachen gehört?

Indirekte Rede

Die indirekte Rede findet sich häufiger in literarisch anspruchsvolleren Texten. Achte in dem Beispiel darauf, wie sich durch den Einsatz der indirekten Rede gleich die Stimmung der Erzählung verändert.

Jenny will’s wissen (Version 1b)

Dieses Mal durfte ich ihn nicht vorbei gehen lassen. Morgen würde ich abreisen. Das war meine letzte Chance. Ich sprang auf, lief ihm hinterher und fragte ihn, ob er eine Uhr habe.

Er kramte in seiner Tasche und fragte sich, wo es denn sei.

Ich fragte ihn, ob er damit sein Handy meine und dass er es hoffentlich nicht verloren habe.

Er war sich sicher, dass es irgendwo sein müsse, fand es schließlich und sagte, dass es kurz vor fünf, undzwar genau 16:57 Uhr sei.

Ich bedankte mich, trat vom einen Fuß auf den anderen und zwang mich stehen zu bleiben.

Der Mann fragte mich, ob ich sonst noch was wolle.

Formale Aspekte

An dem Beispiel wird deutlich, dass die direkte Rede häufig nicht eins zu eins in die indirekte Rede übersetzt werden kann. Eine typisch mündliche Sprache wie „Okay, ähm, dann also, vielen Dank“ ist in der indirekten Rede kaum vorstellbar. Auch dies weist darauf hin, dass die indirekte Version häufig hochsprachlicher, manchmal auch als literarischer wahrgenommen wird.

In der indirekten Rede ist der Konjunktiv I zu verwenden. Wenn der Konjunktiv I identisch mit dem Indikativ ist, wird auf den Konjunktiv II ausgewichen.

Der Redebericht

Streng genommen handelt es sich hierbei nicht um die Wiedergabe von Dialogen, sondern eher um ein zusammenfassendes Nacherzählen. Dennoch soll auch diese Möglichkeit hier nicht fehlen. Schließlich kannst du auch so die Unterhaltungen deiner Figuren dem Leser vermitteln

Jenny will’s wissen (Version 1c)

Dieses Mal durfte ich ihn nicht vorbei gehen lassen. Morgen würde ich abreisen. Das war meine letzte Chance. Ich flüsterte mir Mut zu, sprang auf und lief ihm hinterher. Dann fragte ich ihn nach der Uhrzeit. Er kramte in seiner Tasche und wunderte sich. Er war sich sicher, sein Handy nicht verloren zu haben, fand es schließlich und sagte mir, wie spät es war. Ich bedankte mich, trat vom einen Fuß auf den anderen und zwang mich stehen zu bleiben.

Formale Aspekte

Viele Aussagen, die sich direkt oder indirekt wiedergeben lassen, funktionieren als Redebericht nicht. Dies liegt daran, dass dieser einen zusammenfassenden Charakter hat. Es wird meist nicht jedes Detail übernommen.

Die Herausforderung liegt darin, das Wesentliche in den Redebericht zu übernehmen. Er ist damit bereits eine Art Interpretation des Erzählers. Die Figuren kommen nicht selbst zu Wort.

Kombinationen sind möglich

Eine Möglichkeit, die Rede von Figuren wiederzugeben, ist nicht per se besser als eine andere. Das zeigt sich an ihren jeweiligen Besonderheiten. Es kommt darauf an, in welchem Stil du deinen Roman schreiben möchtest und was dir passend erscheint.

Du musst dich auch nicht auf eine einzige Möglichkeit festlegen. Zwar sollte es nicht willkürlich durcheinander gehen, eine stimmige Kombination der unterschiedlichen Möglichkeiten kann aber durchaus effektiv und wirkungsvoll sein.

So ist es durch den Redebericht möglich, längere Ausführungen abzukürzen und ein wenig mehr Dynamik in die Handlung zu bekommen. Auch die direkte und die indirekte Rede können sich abwechseln. Allerdings ist es nicht ganz einfach, dies auf elegante Weise hinzubekommen, ohne dass ein stilistisches Wirrwarr entsteht.

Im Folgenden konzentriere ich mich darauf, Dialoge mithilfe der direkten Rede zu präsentieren. Sie ist die im Unterhaltungsroman am meisten gebrauchte Form und ermöglicht es ganz besonders, das Geschehen lebendig rüberzubringen.

Fesselnde Dialoge schreiben – 8 Tipps

Tipp 1: Konflikte statt Geplätscher

Nichts ist langweiliger als ein Dialog, in dem keine der Figuren etwas Besonderes will. Oder ein Dialog, in dem sie zwar etwas wollen, dies aber ohne Weiteres bekommen.

Kommen wir also zurück zu Jenny. Wie könnte man sich die Szene konfliktiver vorstellen? Wie verändert sich die Szene, wenn Jenny nicht ohne Weiteres bekommt, wonach sie begehrt?

Richtig, es entsteht Spannung!

Jenny will’s wissen (Version 2)

„Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht eine Uhr?“

Der Mann lief einfach weiter und tat so, als hätte er mich überhaupt nicht gehört. Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Jetzt traute ich mich endlich einmal und dann interessierte es ihn überhaupt nicht?

„Hey!“, brüllte ich. Endlich verlangsamte er sein Tempo und drehte sich um. „Sie haben es wohl nicht nötig?“

„Bitte was?“ Er kam auf mich zu und kniff die Augen zusammen.

„Ähm, ich meine, haben Sie vielleicht eine Uhr?“

Tipp 2: Die Worte mit Bedeutung aufladen

Je treffender die Worte deiner Figuren sind, umso mehr können wir als Leser aus ihnen herauslesen.

Meine Beispielszene ist zu kurz, um entscheiden zu können, was wirklich hinter der Situation steckt. Erst im weiteren Verlauf der Geschichte werden sich die tieferen Bedeutungen der Worte zeigen.

Wenn sie sich denn zeigen.

Wenn nicht, verschenkst du damit ein wichtiges Potential von Dialogen.

Sie sind nämlich in der Lage, Auskunft zu geben. Über die Gedanken deiner Figuren, über ihre Gefühlslage und über ihren Charakter. Es geht um Bedeutungshaftigkeit statt Austauschbarkeit.

Zurück zu unserem Beispiel:

Was könnte in der Aussage des jungen Mannes alles so drinstecken?

„Nein, nein, Moment, irgendwo muss es doch… Ah, hier! Kurz vor fünf, 16:57, um genau zu sein.“

Er scheint ein nicht besonders organisierter Zeitgenosse zu sein, es dafür jedoch ziemlich genau zu nehmen. Und höflich ist er auch.

Falls sich dies im weiteren Verlauf der Geschichte nicht bestätigt, dann führen wir den Leser hier grundlos in die Irre und säen Verwirrung. Es ist also nicht egal, was genau die Figuren wie sagen. Denn daraus schließt der Leser, wer sie sind, was sie vorhaben und wie es ihnen gerade geht.

Tipp 3: Jeder spricht auf seine Weise

Je nachdem, wer der junge Mann ist, auf den Jenny ein Auge geworfen hat, wird er auch sprechen. Die soziale Herkunft und der Charakter entscheiden darüber, welche Worte er wählt und wie er seine Sätze konstruiert.

Besonderheiten in der Sprache deiner Figuren müssen nicht allzu extrem umgesetzt werden. Stark dialektal gefärbte Äußerungen sind wohl nur für eine recht enge Leserschaft geeignet.

Doch du solltest vermeiden, dass deine Figuren alle gleich klingen. Lege dich auf ein, zwei Besonderheiten fest, die ihre Art zu sprechen jeweils auszeichnet.

Zurück zu dem jungen Mann. Als er nach seinem Handy sucht sagt er bisher:

„Nein, nein, Moment, irgendwo muss es doch… Ah, hier! Kurz vor fünf, 16:57, um genau zu sein.“

Stellen wir uns nun vor, er ist ein eher ungehobelter Typ aus dem Bauarbeitermilieu. Vielleicht klänge das dann so:

„Verdammtnochmal, wo… Ah, hier. Drecksteil. Fast fünf!“

Vielleicht hat sich Jenny aber auch einen überkandidelten Prinzen ausgesucht, der im vorletzten Jahrhundert stehen geblieben ist. Vielleicht spräche er dann so:

„Nein, nein, Momentchen, ich suche mal eben danach. Da habe ich es ja auch schon. Drei Minuten vor fünf Uhr am Nachmittag, gnädige Frau!“

Diese Beispiele strotzen vor Clichés, keine Frage. Um die passende Sprache zu finden ist es wichtig, die Figuren erst richtig auszuarbeiten. Doch das Prinzip sollte hiermit klar sein.

Tipp 4: Natürlich statt künstlich

Hör den Leuten auf der Straße zu. Oder nimm mal ein Gespräch mit Freunden oder Bekannten auf – mit deren Erlaubnis natürlich. Du wirst verwundert sein, wie inkorrekt und unvollständig wir häufig sprechen. Keine ganzen Sätzen, abgebrochene Gedankengänge, Missverständnisse ohne Ende.

Wenn wir dies so in einem Roman schreiben, will das keiner lesen. Keine Frage.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Kunstsprache, die überhaupt nichts mehr mit unserer Alltagskommunikation zu tun hat, besser ist.

Die Wahrheit liegt vielmehr wie so oft in der Mitte. Beschäftige dich mit unserer natürlichen Art und Weise, uns miteinander zu unterhalten. Notiere dir Gesprächsfetzen, die dir besonders skuril, spannend oder absurd erscheinen. Und bau deine Erkenntnisse in deine Dialoge ein.

Imitiere unsere Umgangssprache, wenn es zur Figur passt. Lass sie auch mal mitten im Satz abbrechen. Lass sie fluchen, stottern, schwören, schwärmen. Übertreib es damit jedoch nicht.

Tipp 5: Schreib zwischen den Zeilen

Woher wissen wir in der von mir erzählten Szene eigentlich, dass die Heldin mit dem jungen Mann ins Gespräch kommen will? Klar, sie nimmt es sich vor und wir erfahren etwas über ihre Gedanken. Doch nicht nur das. Auch im Dialog wird dies deutlich.

Da heißt es nämlich:

„Okay, ähm, dann also, vielen Dank.“

Wenn wir das nun in einen Redebericht umwandeln und schreiben „Daraufhin bedankte ich mich“ wird klar, wieso die Wahrheit zwischen den Zeilen liegt. In der zweiten Version kommt sie nämlich nicht rüber.

Die Heldin verhaspelt sich. So wird deutlich, dass sie unsicher ist. Es wird nicht direkt gesagt, dass sie am liebsten noch weiter mit dem Herren sprechen möchte. Es lässt sich jedoch vermuten.

Tipp 6: Schreibe dynamisch, vermeide Stillstand

„Sonst noch was?“, fragte der Mann.

Die Situation ist klar: Unsere Heldin interessiert sich für den jungen Mann. Vielleicht möchte sie mit ihm ausgehen? Ihn kennenlernen? Ihn verführen?

Auf jeden Fall hat sie ein Ziel. Und da sie dieses Ziel noch nicht erreicht hat, sondern bestimmte Hindernisse im Weg stehen, befindet sie sich in einem Konflikt. Und genau das sollte im Gespräch rüberkommen.

Keine Gespräche über Belanglosigkeiten, kein Plaudern übers Wetter oder über das, was im Alltag so passiert ist.

Außer, all das ist Ausdruck eben dieses Konflikts.

Dann muss das aber auch spürbar werden! Etwa, indem die Protagonistin nach totalen Belanglosigkeiten fragt und genau dadurch Dynamik entsteht.

Vielleicht so:

„Sonst noch was?“, fragte der Mann.

„Schönes Wetter heute, nicht wahr?“antwortete ich.

Der Mann öffnete den Mund und bewegte die linke Augenbraue nach oben. Dann schloss er ihn wieder.

Ich griff nach seiner Hand. Er überließ sie mir widerstrebend. Warm und fest fühlte sie sich an. „Ich bin Jenny“, stellte ich mich vor. „Und wer bist du?“

Oder du machst es noch direkter und weniger subtil:

„Hmm.“ Ich biss mir auf die Lippen, seine Schuhe waren ganz schön dreckig. Dann hob ich den Kopf und blickte ihm die Augen. „Was dagegen, wenn ich Sie küsse?“

Egal wie, bring so Dynamik in deine Dialoge, dass es zu deiner Geschichte passt. Und hör auf, sie vor sich hinplätschern zu lassen.

Tipp 7: Vermeide zu viele Informationen

Es erscheint so verdammt geschickt. Und doch kann es tödlich sein: Hintergrundinformationen in Dialoge einbauen.

In geringem Maß ist es natürlich hilfreich und lässt sich nicht vermeiden. Werden daraus jedoch ganze Absätze, killst du jeglichen Dialog.

Wieso das so ist?

Du verstößt damit gleich gegen mehrere Tipps. Du nimmst die Dynamik aus dem Gespräch. Die Wirkung wird unnatürlich und passt nicht mehr zu den Figuren. Außer du hast eine Figur, die eben sehr gerne andere mit Informationen überhäuft. Aber auch dann sollte sie frühzeitig von anderen Figuren dabei gestoppt werden, um den Leser nicht allzu sehr zu langweilen.

(Selbstverständlich gibt es großartige Romane, in denen es innerhalb der Dialoge sehr viele Informationen gibt. Denken wir nur an den Stechlin von Theodor Fontane. Hier geht es ja aber um Tipps für aktuelle Unterhaltungsromane, okay :-)?)

Tipp 8: Finde die richtige Dosierung

Wie viel Dialog ist für deinen Roman bereichernd?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt sehr stark davon ab, wie gut du die vorherigen Tipps berücksichtigst. Ein Konfliktgespräch mit einer starken Dynamik und überraschenden Wendungen lässt sich auch mal über mehrere Seiten entwickeln.

Mach dir jedoch klar, dass die Lebendigkeit von Dialogen auch dadurch entsteht, dass sie nicht inflationär zum Einsatz kommen.

Als Faustregel kannst du dir also merken:

Lieber öfter kürzere Dialoge, in denen es wirklich um etwas geht, statt seitenweise vor sich hinplätscherndes Geplauder.

Dialoge schreiben mit psychologischem Tiefgang

Eines der bekanntesten Modelle aus der Kommunikationspsychologie, das Kommunikationsquadrat, hilft uns dabei, Dialoge mit mehr Tiefgang zu erschaffen. Wenn Menschen miteinander kommunizieren, haben ihre Nachrichten immer mehrere Seiten. Das Konzept von Schulz von Thun verdeutlicht, wie komplex Gespräche unter der Oberfläche dadurch werden können.

Die vier Seiten einer Nachricht

Nach diesem Modell verfügt eine Nachricht über unterschiedliche Aspekte. Wenn ich spreche, befinde ich mich immer auf einer dieser Ebenen. Wenn ich zuhöre auch. Schulz von Thun spricht in diesem Sinn von vier Schnäbeln bzw. von vier Ohren.

  • Sachinformation: Die Informationen, die ich vermitteln will
  • Selbstkundgabe: Was ich über mich selbst aussagen möchte
  • Beziehungshinweis: Was ich über das Verhältnis zum Gesprächspartner aussagen möchte
  • Appell: Was ich beim Gesprächspartner erreichen möchte

Besonders spannend wird es nun, wenn sich die beiden Gesprächspartner nicht auf derselben Ebene befinden. Dies lässt sich auch für die Dialoge nutzen, wenn wir Romane schreiben.

Deine Figuren verstehen

Um dieses Modell erfolgreich beim Schreiben anzuwenden, ist es wichtig, die Kommunikationsweise deiner Figuren zu kennen.

  • Wer ist wie drauf?
  • Wer benutzt welchen Schnabel (welche Seite) am liebsten?
  • Wer welches Ohr?
  • Wie genau sieht das dann aus?

Ein kommunikationspsychologisches Spiel eröffnen

Kommen wir zurück zu unserer Jenny und dem jungen Herren. Jenny kommuniziert auf der Beziehungs- oder Selbstoffenbarungsebene, wenn sie nach der Uhrzeit fragt. Sie möchte Kontakt zu ihrem Gesprächspartner knüpfen. Dieser jedoch reagiert auf der Sachebene.

Besonders interessant wird es also, wenn sich die Gesprächspartner nicht auf derselben Ebene befinden und so Spannungen, Missverständnisse und Komik entsteht. Die Szene endet bisher so:

„Sonst noch was?“, fragte der Mann.

Stellen wir uns vor, er befindet sich auf der Selbstoffenbarungsebene. Dann könnte er meinen: Ich muss los.

Jenny jedoch fasst das vielleicht ganz anders auf und erkennt hier den Apell, ein Gespräch mit ihm zu beginnen. Sie versucht es also auf der Beziehungsebene mit einem.

„Schön, dass sie fragen. Wollen wir vielleicht einen Kaffee trinken gehen?“

Und nun? Was hört der Mann? Einen Apell? Eine Selbstoffenbarung?

Die Szene mag etwas konstruiert anmuten. Das ist sie auch, schließlich handelt es sich nicht um ausgearbeitete Figuren, sondern nur um ein Beispiel.

Um eines klar zu machen, sollte es jedoch reichen: Mit Hilfe der vier Seiten einer Nachricht eröffnest du ein interessantes Spiel, das deinen Dialogen Tiefe, Spannung und Würze verleiht.

Fesselnde Dialoge schreiben – mach es auf deine Weise!

Es gibt nicht die eine richtige Art Dialoge zu schreiben.

Schließlich hängt es sehr stark von deinem konkreten Projekt ab, wie du diese gestaltest. Davon, wie deine Figuren so drauf sind. Und vom Stil deines Romans natürlich auch.

Das bedeutet jedoch nicht, dass du nicht daran arbeiten solltest, gute Dialoge zu fabrizieren. Das solltest du nämlich unbedingt. Egalb ob beim Romanschreiben oder wenn du eine Geschichte schreibst:

Versuche einzigartige Dialoge zu schreiben, statt nach Schema F zu verfahren.

Dazu drei Übungen, die dir dabei helfen:

  • Übung 1: Such dir einen Gegenstand aus und schreib aus seiner Perspektive. Welche Sprache verleihst du ihm? Wie klingt zum Beispiel eine Tasse Kaffe? Und wie ein Müllauto? Das ist eine gute Übung, um Figuren eine ganz eigene Sprechweise zu verleihen.
  • Übung 2: Lass zwei Figuren aufeinander treffen, die komplett gegensätzliche Interessen haben, so dass auf jeden Fall ein Konflikt entsteht. Schreib diesen Dialog.
  • Übung 3: Experimentiere mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Figurenrede (direkte Rede, indirekte Rede, Redebericht), indem du deine Texte umschreibst.

Was ist für dich das Wichtigste an einem fesselnden Dialog?

5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Andreas
    Herzlichen Dank das hat mir jetzt wirklich sehr weiter geholfen!! Gute Dialoge sind zur Zeit meine Schwachpunkte und manchmal würde ich am liebsten einfach aufhören an meinem Roman weiterzuschreiben. Da ich auch Dialoge in anderen Sprachen hätte, doch meine Lektorin meinte ich solle mich Deutsch einigen. da nicht alle Englisch und Französisch verstehen, was mir natürlich schon einleuchtet. Doch manchmal tönt es auf Englisch oder Französisch oder der Muttersprache doch naher an der Person.
    Ich schreibe einen Autobiografischen Roman der in Afrika handelt.
    Was hältst du von verschiedensprachigen Dialogen?
    Herzliche Grüsse Monika

    1. Liebe Monika,
      ich persönlich fände das reizvoll. Aber du musst an die Leser denken. Du kannst wohl kaum erwarten, dass alle mehrere Sprachen beherrschen…
      Ich freue mich, dass ich weiterhelfen konnte!
      Viele Grüße
      Andreas

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